26. Januar 2017
VdK-Zeitung Archiv

Mit starken Fingern, klugem Köpfchen und großem Herz

Extrem-Bergsteiger Alexander Huber hat eine Angststörung überwunden und engagiert sich für verschiedene Hilfsorganisationen

Alexander Huber gilt als einer der besten Bergsteiger der Welt. Sein Bruder Thomas und er, bekannt als Huberbuam, sind durch das Klettern in extremen Steilwänden und ohne Absicherung bekannt. Vom Bergsteigen, von Angststörungen und seinem sozialen Engagement erzählt der 48-Jährige der VdK-Zeitung auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze.

Alexander Huber am Mount Asgard in der wilden Arktis. | © Archiv Huberbuam/Timeline Production

Für Alexander Huber ist die Zugspitze keine echte sportliche Herausforderung. Die Nordwand mit ihren 1000 Höhenmetern hat er vor 20 Jahren mal zum Training durchstiegen. Der Kletterprofi aus Oberbayern erklomm in seiner langen Laufbahn allein oder mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Thomas deutlich höhere und schwierigere Wände und Gipfel, darunter auch schon Achttausender. Doch es gab Zeiten, in denen ihm selbst kleinere Berge unüberwindbar vorkamen.

„Im Basislager wollte ich auf den Berg, und auf dem Berg wollte ich wieder ins Basislager“, erzählt Alexander Huber. „Egal, wo ich war – ich fühlte mich in keiner Situation wohl.“ Damals wollte er auch keine anderen Menschen mehr treffen, selbst Freunde nicht, obwohl er sich selbst als sehr geselligen Menschen bezeichnet. „Ich wollte einfach dem Risiko aus dem Weg gehen, dass wieder jemand die Frage stellt: ‚Was ist denn mit dir los?‘“

Lange Zeit ignorierte Alexander Huber die immer wiederkehrenden Warnsignale, und erst spät kam der Entschluss, mit Hilfe eines Therapeuten wieder in die Spur zu kommen. Mitte 30 war der gebürtige Trostberger, als ihn die Angststörung scheinbar aus heiterem Himmel überfiel. Bis dahin war sein Leben glücklich verlaufen. Er wuchs mit seinem großen Bruder und seiner jüngeren Schwester am Fuß der Alpen auf. Sein Vater, der auch Thomas heißt, nahm Alexander und seinen Bruder schon als Kinder mit in die Berge.

Als Kind auf 4027 Metern

Mit elf Jahren bestieg er mit seinem Vater und seinem Bruder im Wallis in der Schweiz einen Viertausender: das 4027 Meter hohe Allalinhorn. Diese Tour war für ihn die Initialzündung. „Das Glücksgefühl, es zu diesem scheinbar unerreichbar hohen Gipfel geschafft zu haben“, daran erinnert sich Alexander Huber auch noch 37 Jahre später mit leuchtenden Augen. Er kann den Augenblick auf der Spitze des Allalinhorns noch genau schildern: „Saas Fee war auf einmal so weit weg.“

Die riesigen Gletscher lagen ihm zu Füßen. Er stand über den Dingen. Da wusste er, das will er immer wieder erleben. Doch zunächst blieb das Bergsteigen nur ein Hobby. Er machte 1988 sein Abitur, arbeitete im Zivildienst als Rettungssanitäter und studierte Physik an der Universität in München. Am Lehrstuhl für theoretische Meteorologie arbeitete er im Bereich der lasergestützten Fernerkundung der Atmosphäre, und für die Diplomarbeit verbrachte er viel Zeit auf der Zugspitze.

Das Bergsteigen, meistens mit seinem Bruder zusammen, war seine große Leidenschaft. Nach erfolgreichem Studienabschluss wurde es sein Beruf. Alexander und Thomas Huber kletterten immer schwierigere Wände und bestiegen die großen Berge der Welt. Die Huberbuam wurden zum Inbegriff des neuen Bergsteigens, mit ihren spektakulären Projekten sorgten sie weltweit für Aufsehen. Die Paradedisziplin von Alexander Huber ist das Free Solo, das heißt Klettern allein, ohne Seil oder anderweitige Sicherung.

Reinhold Messner, den Alexander Huber selbst bewundert, sagte 2003 in der „Süddeutschen Zeitung“ über ihn, er habe „die Kletterkunst in eine neue Dimension“ getragen, und das Fachblatt „Bergsteiger“ fragte 2004: „Alexander Huber, ein Außerirdischer?“ Beruflich lief es. Die Vorträge „als wichtigste Einkommensquelle“ sicherten nicht nur den Lebensunterhalt und die Zukunft, sondern finanzierten auch die nächsten Projekte und Expeditionen, erzählt Huber.


VdK-TV: Panik, Phobie, Furcht – über den Umgang mit Angststörungen

"Die Angst - dein bester Freund", sagt der Extremkletterer Alexander Huber. Der Profibergsteiger weiß, wovon er spricht: Rund acht Jahre lang hatte er mit einer Angststörung zu kämpfen. Angst gilt immer noch als Schwäche. Doch eine professionelle Therapie und der Austausch mit Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe können helfen.


„Doch es kann nicht immer nur bergauf gehen, und bald gab es auch erste Krisen. Erfolglose Expeditionen, Verletzungen, ausbleibende Vortragsbuchungen, finanzieller Stress, Leistungsdruck und am Ende die nackte Angst, die Freude am Bergsteigen verloren zu haben. Eine echte Krise, wenn einem ein zentraler Baustein im Leben scheinbar entrissen wird.“

Hilfe fand er schließlich bei einem Therapeuten, der ihm empfohlen wurde. Dieser half ihm, sich mit seinen Sorgen auseinanderzusetzen. Denn es sei „ein schwerwiegender Fehler“, diesen davonzulaufen. „Sie werden dich immer wieder einholen und fast immer dann, wenn man denkbar schlecht aufgestellt ist!“ Huber rät: „Setz dich mit einem Problem auseinander wie mit einem Berg, den du besteigen willst. Am Berg ist die Angst unser bester Freund, unsere einzige, verlässliche Überlebensversicherung. Die Angst hat dir etwas zu sagen!“

So gelang es ihm, nach Monaten und Jahren diese psychische Störung zu überwinden. Inzwischen redet er offen darüber und schrieb das Buch „Die Angst. Dein bester Freund“. Er unterstützt den Krisendienst Psychiatrie und ist Schirmherr der Münchner „Angst-Selbsthilfe“. Auch sonst hat der Vater von drei Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren ein großes Herz für andere. Er engagiert sich mit seinem Bruder für den IWDR (Klettern für Menschen mit und ohne Behinderung), für den Irmengardhof zur Betreuung schwer- und schwerstkranker Kinder, und er ist zweiter Vorsitzender der Himalaya-Karakorum-Hilfe. Das Mitmenschliche kennt Alexander Huber vom Bergsteigen. „Wenn du als Seilschaft am Berg unterwegs bist, dann gibt es kein Gegeneinander, nur ein Miteinander."


VdK-TV: "Das Licht der Berge" - Interview mit Alexander Huber

Alexander Huber ist einer der weltbesten Alpinkletterer. Sein Bruder Thomas und er haben als „Huber-Buam“ Furore gemacht. Alexander Huber ist auch sozial stark engagiert, Schirmherr der Münchner Angst-Hilfe, Spendensammler für die bitterarme Bevölkerung im Himalaya-Gebiet. VdK-TV spricht mit ihm über die Faszination der Bergwelt, über Glück und darüber, wie ein Spitzensportler mit dem Alter umgeht.

Sebastian Heise

Schlagworte Alexander Huber | Bergsteigen | Phobie | Angst | Depression | Depressionen | Zugspitze

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