26. Januar 2017
VdK-Zeitung Archiv

Frauen und Männer der ersten Stunde des VdK

Mitglieder des Sozialverbands, die seit 70 Jahren oder mehr dem Verband angehören, erzählen von der Anfangszeit

Vor mehr als 70 Jahren begann die Geschichte des VdK. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene zusammen und bildeten erste Verbandsgliederungen. 1946 und 1947 wurden die ersten Landesverbände gegründet. Einige der Gründungsmütter und -väter des VdK wurden bereits für sieben Jahrzehnte Mitgliedschaft geehrt.

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher (rechts) und Willi Jäger, Landesvorsitzender VdK Rheinland-Pfalz (links), ehrten beim 70. Geburtstag des VdK Rheinland-Pfalz drei Männer, die den VdK mit aufgebaut haben (von links): Jakob Bach, Helmut Hillen und Otto Häs. | © Michael Finkenzeller

Zu den Gründungsvätern des VdK Rheinland-Pfalz gehört Otto Häs. Offiziell ist er seit November 1946 Mitglied, aber seine Aufbauarbeit für den VdK begann bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Als der Landesverband im vergangenen Herbst auf Schloss Hambach seinen 70. Geburtstag feierte, saß Otto Häs als Ehrengast in der ersten Reihe. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher und VdK-Landesvorsitzender Willi Jäger dankten ihm für die Gründungs- und Aufbauarbeit, die er vor mehr als 70 Jahren für den Verband geleistet hat. Bereits 1945, kurz nach dem Krieg, baute Häs in Neuwied eine Hilfsorganisation für Kriegsbeschädigte auf. Er arbeitete bei der örtlichen Krankenkasse und kümmerte sich dort vor allem um die Kriegsverletzten.

Weil immer mehr Menschen versorgt werden mussten und es noch kein Versorgungsamt gab, initiierte er den Verband. Häs richtete in einem Büro in Neuwied eine Beratungsstelle für die Menschen ein, die im Krieg verletzt wurden oder Angehörige verloren hatten. Zusammen mit einer Mitarbeiterin kümmerte er sich ehrenamtlich, neben seinem Beruf, um diese Frauen und Männer. 1947 gründete er dann gemeinsam mit anderen in einer Baracke den ersten VdK-Ortsverband in Neuwied. In der Folge wurden dann der Kreisverband und der Landesverband Rheinland-Pfalz gegründet. Seine Initiative und sein großes Engagement sorgten dafür, dass der VdK, wie in anderen Bundesländern auch, in Rheinland-Pfalz zu einer starken Selbsthilfeorganisation wurde.

Beide Beine im Krieg verloren

Günter Lemmes (vorne) ist seit Februar 1947 VdK-Mitglied. Renate
Werner (links) und Inge Wolfanger vom Ortsvorstand des VdK Wiebelskirchen im Saarland gratulierten ihm zum 90. Geburtstag. | © VdK Wiebelskirchen

Günter Lemmes aus dem saarländischen Wiebelskirchen musste ebenfalls als junger Mann an die Front. Im französischen Belfort trat er auf eine Mine. Dadurch verlor er sofort ein Bein, und aufgrund seiner inneren Verletzungen wurde ihm dann auch noch das zweite Bein amputiert. Seitdem ist Lemmes auf den Rollstuhl angewiesen. Der 90-Jährige gehört zu den ersten VdK-Mitgliedern im Saarland. Am 1. Februar wird er 70 Jahre lang dem Sozialverband angehören. Seine Tochter Monika Sußenberger kennt den VdK von Kindheit an. „Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir oft zu Veranstaltungen gegangen sind“, erzählt sie. Bei Weihnachtsfeiern habe sie als Kind auch immer etwas geschenkt bekommen. Renate Werner, die VdK-Ortsvorsitzende von Wiebelskirchen, hat ihm im vergangenen Jahr zum 90. Geburtstag gratuliert. Bis ins hohe Alter hat er gerne am Verbandsleben teilgenommen, sagt sie.

Das Versprechen

Im VdK Bayern gibt es auch eine Reihe von Mitgliedern, die bereits 70 Jahre oder mehr dem Sozialverband angehören. Einer von ihnen ist Willi Hofmann aus Rosenheim. Der 91-Jährige wurde als Soldat im Zweiten Weltkrieg im Süden Russlands schwer verletzt. Er betete damals: „Lieber Gott! Wenn ich durchkomme, setze ich mich für die Kriegsverletzten, Witwen, Waisen und Eltern ein“, erzählt Hofmann. Dank der Hilfe anderer Soldaten und mit viel Mühe kehrte er zurück in seine Heimatstadt Rosenheim. Kurz nach seiner Freilassung aus Kriegsgefangenschaft im Sommer 1945 begann er, sein Versprechen in die Tat umzusetzen.

Er traf zufällig seinen Jugendfreund Karl Weishäupl, ebenfalls kriegsbeschädigt. Dieser erzählte von seinen Plänen, in Rosenheim eine Beratungs- und Betreuungsstelle für Kriegsopfer, Heimatvertriebene und Flüchtlinge aufzumachen, die Hilfe brauchten. „Ja, Karl, da bin ich sofort dabei“, sagte Hofmann. Zusammen bauten sie in Oberbayern Beratungsstellen auf. Im Dezember 1946 wurde dann der VdK Bayern gegründet, und Hofmann war jahrzehntelang bis in höchste Gremien des VdK Deutschland ehrenamtlich engagiert.

Elise Dentel gründete 1947 mit 25 anderen Frauen und Männern den VdK-Ortsverband Ipsheim in Mittelfranken. | © Caroline Meyer

Elise Dentel aus dem mittelfränkischen Ipsheim verlor als junge Frau ihren Ehemann in Russland. Mit 25 anderen Hinterbliebenen und Kriegsversehrten gründete sie am 1. November 1947 den VdK-Ortsverband Ipsheim (Kreisverband Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim). „Ein tüchtiger Ortsverband, der sich sehr gut entwickelte“, sagt die 93-Jährige. Sie hat noch gute Erinnerungen an die Anfangszeit. So gingen VdK-Mitglieder vor Weihnachten zu den Bauern und baten um eine Spende, damit sie den Versehrten- und Waisenkindern einen kleinen Zopf backen konnten. Später boten sie Sprechtage zum Sozialrecht an.

Dentel findet es furchtbar, dass noch immer so viel Gewalt geschieht. „Krieg ist das Schlimmste, was es auf der Welt gibt“, sagt sie. „Er birgt für alle nur Jammer und Verderben, ganz gleich, auf welcher Seite sie kämpfen müssen. Wenn der Mensch nur endlich einmal klug würde!“ Sie weiß, wovon sie spricht. So hat ihr Mann seinen Sohn nur die ersten sieben Tage nach der Geburt erleben dürfen. Dann wurde er wieder an die Front nach Russland geschickt. Im März 1945 bekam Elise Dentel zum letzten Mal Post von ihm. Danach hörte sie nie mehr etwas von ihrem Mann.

Stolz auf den Gründer

Erich Loos aus Siegen in Westfalen hat sein linkes Bein im Zweiten Weltkrieg verloren. Der damals 20-jährige Mann war, wie viele andere auch, als Soldat an der Front in Russland, als er am 19. Juli 1944 unter Beschuss geriet und schwer verletzt wurde. Als der Krieg zu Ende war, schloss er sich in seiner Heimatstadt Siegen mit anderen Kriegsbeschädigten zu einer Selbsthilfeorganisation zusammen, aus der dann der VdK-Ortsverband hervorging. Seit 1. Dezember 1945 gehört Loos offiziell dem Sozialverband an. Von den fünf Gründungsmitgliedern leben mit ihm nur noch zwei.

Siegen ist auch der erste Ortsverband in Nordrhein-Westfalen gewesen, wie der 92-Jährige berichtet. Und der dazugehörige VdK-Kreisverband Siegen-Olpe-Wittgenstein ist der größte im bevölkerungsreichsten Bundesland. Dort ist man daher zu Recht stolz auf Erich Loos und seine Freunde, mit denen er den Ortsverband ins Leben rief. Entsprechend wurde er bei VdK-Jubiläumsfeiern in Siegen gewürdigt. Loos, der noch in seinem Haus lebt und pflegebedürftig ist, freut sich, wenn ihm VdK-Ehrenamtliche aus Siegen zum Geburtstag gratulieren. Er ist in seiner Familie nicht der einzige VdKler – auch seine Schwester und sein jüngster Bruder gehören dem Verband an.

Treffen im „Adler“

Schon seit 71 Jahren ist Hans Holtz aus dem schwäbischen Essingen Mitglied des VdK Baden-Württemberg. Als Frontsoldat im Gebiet der heutigen Ukraine traf ihn am Nikolaustag 1943 ein Granatsplitter so schwer, dass er ein Bein verlor. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs tat er sich dann mit mehreren Gleichgesinnten zusammen, und sie gründeten den VdK-Ortsverband Essingen. Vor allem in den ersten Jahren engagierte sich Holtz ehrenamtlich. Mithilfe einer Beinprothese konnte er nach dem Krieg wieder in der Landwirtschaft arbeiten.

Ehrung für sieben Jahrzehnte im VdK: Der Bürgermeister der württembergischen Gemeinde Essingen, Wolfgang Hofer (links), und VdK-Ortsvorsitzende Monika Greß (Mitte), ehren Hans Holtz, der seit 1946 dem Sozialverband VdK angehört. | © VdK Essingen

Am Verbandsleben nahm er sein Leben lang gerne teil. So traf er sich auch regelmäßig mit seinen Freunden im „Gasthaus zum Adler“, dessen Wirt auch ein VdK-Mitglied war. Ihm selbst konnte der Verband ebenfalls helfen. So bekam er aufgrund seiner Kriegsverletzung Erwerbsminderungsrente zugesprochen. Der 91-jährige Schwabe lebt heute in einer ebenerdigen, betreuten Wohnanlage. Dort bekommt er immer noch Besuch von VdK-Ehrenamtlichen. Im vergangenen Jahr ließ er es sich aber nicht nehmen, persönlich zur Jahresversammlung seines Ortsverbands Essingen zu gehen. Dort wurde er gemeinsam mit den beiden anderen VdK-Ortsverbandsmitgliedern Frieda König und Karl Huber für seine 70-jährige Treue zum Sozialverband geehrt.

In ihrer Rede ging die VdK-Ortsvorsitzende Monika Greß auf die Gründungsmitglieder ein und begrüßte dabei namentlich Hans Holtz unter den Teilnehmern. Mit großer Freude nahm das Gründungsmitglied von der VdK-Ortsvorsitzenden und von Bürgermeister Wolfgang Hofer die Auszeichnung für seine sieben Jahrzehnte andauernde Treue zum Sozialverband entgegen.


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Sebastian Heise

Schlagworte Geschichte des VdK | Gründung des VdK | Gründungsmitglieder | 70 Jahre VdK

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