22. November 2016
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Verpackungsmüll vermeiden: Gib Plastik keine Chance

„Plastikfreie Zone“-Gründerin Katrin Schüler will den Kunststoffbergen ein Ende setzen. Sie sagt: „Jeder kann im Alltag etwas tun“

Plastikfrei einkaufen, geht das überhaupt? Und ob! Gründer von verpackungsfreien Supermärkten machen es vor. In ganz Deutschland gibt es schon mehr als 20 Läden. Weitere stehen in den Startlöchern. Doch es sind nicht bloß Märkte für den täglichen Bedarf. Wer dort einkauft, fängt an umzudenken. Das zeigt ein Besuch in der „Plastikfreien Zone“ von Katrin Schüler in München.

Hereinspaziert! Katrin Schüler hat die „Plastikfreie Zone“ 2014 in München eröffnet. In ihrem Laden finden Besucher kunststofffreie Gebrauchsgegenstände, unverpackte Kosmetik- und Reinigungsartikel sowie lose Lebensmittel. Doch vor allem wird ihnen bewusst, dass es möglich ist, Plastik zu vermeiden. | © Elisabeth Antritter

In einer kleinen Straße in München-Haidhausen rumpelt die Trambahn der Linie 19 vorbei. Ein Blick ins Schaufenster zeigt: Das ist kein normales Geschäft. Hier gibt es keine Plastikwaren. Das Kinderbesteck besteht aus Holz. Trinkgefäße und Aufbewahrungsdosen sind aus Metall, die Pfanne ist aus Emaille. Auch das Schild über der Eingangstür – „Plastikfreie Zone“ – macht neugierig, also hereinspaziert in den Laden. Jeder kann sich in Ruhe umsehen und die Gründerin fragen, was sie auf die Idee gebracht hat.

Wegwerfmentalität

Katrin Schüler ist die Wegwerf­mentalität ein Dorn im Auge. Vor allem die Verpackungsflut. Ob in Folie eingeschweißtes Gemüse und Obst, Kunststoffnetze für Zitrusfrüchte und Kartoffeln, Joghurtbecher, Nudeln und Müsli in Plastiktüten oder Getränkekartons: Schon nach einem einzigen Großeinkauf bleibt eine Menge Verpackung übrig. Hierzulande werden gewaltige Berge an Kunststoff verbraucht. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums fielen im Jahr 2014 rund 17,8 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Rund 2,9 Millionen Tonnen davon waren aus Kunststoff. Deutschland ist sogar Europameister beim Produzieren von Verpackungsmüll. Ein alarmierender Titel, findet Katrin Schüler.

„Das Problem ist, dass Plastik nicht von diesem Planeten verschwindet. Auch Recycling ist keine Lösung“, weiß die Soziologin. Sie gehört zu den Anhängern der „Zero-Waste-Bewegung“ und setzt mit der „Plastikfreien Zone“, die sie 2014 eröffnet hat, ein Zeichen. Die gebürtige Berlinerin sieht ihre Aufgabe darin, das Bewusstsein der Konsumenten zu schulen, und hält deutschlandweit Vorträge.

„Damit Verbraucher ihr Verhalten ändern, muss man ihnen erst einmal Alternativen bieten.“ So entdeckt man in ihrem kleinen Laden Shampoo-Seife am Stück, Baumwolltaschentücher, Spülbürsten aus Holz, Strohhalme aus Roggenstroh sowie Metallgeschirr. Körner, Nüsse, Reis, Gewürze und Tee stehen in braunen Apothekergläsern zur Verfügung. Fast wie zu Omas Zeiten. Dabei sei es ein hartes Stück Arbeit gewesen, Hersteller von kunststofffreien Produkten für den täglichen Gebrauch zu finden, betont die 44-Jährige.

Heute ist es umgekehrt: Die Firmen kommen auf sie zu und möchten Produkte bei ihr platzieren. Die Unternehmerin zählt auf die Verbraucher und ist überzeugt davon, dass sie ihr bisheriges Konsumverhalten überdenken. „Wir können jeden Tag damit anfangen.“

Dass immer mehr Menschen Plastik vermeiden wollen, zeigt auch der Erfolg der Supermärkte, die ohne Verpackung auskommen. In ganz Deutschland gibt es schon mehr als 20 Läden. Einer der Betreiber ist Michael Albert, der im März mit dem Lebensmittelgeschäft „LoLa – der LoseLaden“ in Hannover gestartet ist.

Lose Lebensmittel

Der 56-Jährige ging keine Kompromisse ein: Für die Lebensmittelspender wollte er Zylinder aus Glas – fand jedoch nur Anbieter, die Kunststoff verwenden. Als gelernter Tischlermeister baute er die Spender kurzerhand selbst. In seinem Krämerladen füllen die Kunden die losen Waren ab und bringen dafür eigene Behälter mit. Das Einkaufen wecke den Spieltrieb: „Es macht den Leuten Spaß, Knöpfchen zu drücken und Hebel zu bewegen“, beobachtet Albert. Sehr gut komme auch der Milchautomat an.

Zwar sind die meisten Produkte teurer als im Discounter, da sie aus regionaler oder ökologischer Landwirtschaft bezogen werden. Dafür muss man nicht zur Großpackung greifen, sondern nimmt nur die Menge, die man braucht. „Bewusstes Einkaufen ist nachhaltiger“, sagt der Freiberufler.

Plastikfreie Zone:
https://naturlieferant.de/plastikfreiezone/
Eine Liste verpackungsfreier Supermärkte gibt es unter:
https://utopia.de/ratgeber/verpackungsfreier-supermarkt

Elisabeth Antritter

Schlagworte Plastikfreie Zone | Müllvermeidung | Verpackungsmüll vermeiden | Plastikfrei einkaufen

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