4. Juli 2016
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Mit dem „Easy Rider“ unterwegs in die Freiheit

Ein Dreirad schenkte Gunda Krauss mehr Unabhängigkeit – Seniorin will, dass präventiver Nutzen des Hilfsmittels anerkannt wird

Wenn ihr der Fahrtwind um die Nase weht, fährt die Freiheit mit: Gunda Krauss ist täglich mit ihrem Therapie-Dreirad unterwegs. Für die Münchnerin ist es aber viel mehr als ein Freizeitvehikel: Das Fahrrad auf drei Rädern hilft ihr, im Alltag mobil und selbstbestimmt zu bleiben. Denn seit einer mehrmaligen Hüftoperation ist das VdK-Mitglied gehbehindert.

Gunda Krauss bei der inklusiven VdK-BVS-Radltour. | © Liebmann

Wie in einer Harley-Davidson sitzt die 77-Jährige bequem zurückgelehnt im Sattel. Treffend zum Fahrgefühl hat der niederländische Hersteller das dreirädrige Fahrradmodell „Easy Rider“ getauft, nach dem gleichnamigen US-amerikanischen Kultfilm aus dem Jahr 1969. Gunda Krauss kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, wenn sie von ihrem laubfroschgrünen Dreirad erzählt. „Ich habe dadurch mein Glück und die fast verloren gegangene Mobilität zurückgewonnen“, ist die Rentnerin überzeugt. Bevor die Münchnerin mit ihrem Dreirad-Cabrio ihre Runden drehte, litt sie unter den Nachwirkungen einer Hüftoperation.

Bereits der erste Eingriff 2001 habe die Rentnerin „völlig aus der Bahn geworfen“. Als drei Jahre später die zweite OP folgte, war die bewegungshungrige Seniorin dann komplett entmutigt: „Mein Gleichgewichtsgefühl war nicht mehr so gut, ich fühlte mich nicht mehr trittsicher“, erzählt sie. Das hieß also: Von nun an Schluss mit dem Radfahren, weil sie Angst davor hatte. Gunda Krauss blühte erst wieder auf, als sie 2007 auf dem Münchner Streetlife Festival das Dreirad entdeckte und sich nach einer Probefahrt ohne die geringsten Gleichgewichtsprobleme verliebte. Nur zu teuer sei es gewesen – das neue Modell jedenfalls.

Auf ein gebrauchtes sparte sie, und konnte sich den Traum im Jahr darauf schließlich erfüllen. Seitdem fährt die Seniorin nach eigenen Angaben mit dem Therapie-Dreirad 6000 Kilometer pro Jahr, „so viel wie andere Bürger in meinem Alter mit dem Auto“. Außergewöhnliche Touren nicht mitgerechnet. Die gebürtige Berlinerin beschreibt sich selbst als „temperamentvollen Kindskopf“. Dass man mit ihr Pferde stehlen kann, hatte 2009 auch der Umweltverein Green City gemerkt.

Gunda Krauss hatte gerade ihren „Easy Rider“ mit einem Elektromotor nachgerüstet, als ihr die spontane Idee kam, von München nach Rügen zu radeln. Für ihre Tour erkundigte sie sich an einem Info-Stand von Green City nach Radwanderkarten. Das Umweltunternehmen war begeistert von den Reiseplänen der abenteuerlustigen Seniorin, sprang sofort auf den Zug auf und übernahm die Organisation. So fuhr Gunda Krauss für Green City e.V. in Kooperation mit der Stadt München als Rad- und Umweltbotschafterin insgesamt 1260 Kilometer bis zur Ostseeinsel.

Auf den ersten Kilometern hat sie ein Kamerateam des VdK-TV begleitet. Die Strecke erstrampelte die damals 70-Jährige mit dem flotten Kurzhaarschnitt mühelos in 50 Tagen. Ihr Begleiter und bester Freund war Rauhaardackel „Sauser“, der bei der Tour mit seinen 15 Hundejahren bereits recht betagt war.

Echte Inklusion

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, geht das VdK-Mitglied nach wie vor auf Touren. Besonders schwärmt Gunda Krauss von der VdK-BVS-Radltour für Menschen mit und ohne Behinderung, die 2015 rund um den niederbayerischen Kurort Bad Gögging führte. „Ich bin letztes Jahr zum ersten Mal mitgeradelt und war vom Miteinander begeistert. Jeder nimmt auf den anderen Rücksicht, die Stimmung ist grandios. Das ist echte Inklusion.“

Die heute 77-Jährige möchte andere Menschen auf das Fahr- und Freiheitsgefühl, das ihr das Dreirad schenkt, neugierig machen. Beispielsweise hält sie Vorträge an der Münchner Volkshochschule. Auch ehrenamtlich ist die Rentnerin engagiert. So bringt sie als Radbeauftragte im Stadtteil München-Bogenhausen Flüchtlingen das Fahrradfahren und die Verkehrsregeln bei. „Das Schicksal dieser Menschen geht mir zu Herzen, und ich hoffe, dass ich sie ein bisschen ablenken und aufmuntern kann.“

Außerdem möchte Gunda Krauss erreichen, dass Therapie-Dreiräder, die als Hilfsmittel anerkannt sind, Rollstühlen gleichgestellt werden. „Dreiradfahrer dürfen nicht in der Fußgängerzone oder Bahnhofshalle fahren, sondern müssen absteigen. Das kann für gehbehinderte Menschen sehr beschwerlich sein“, weiß die Seniorin. „Für mich ist mein Easy Rider wie Medizin. Die Krankenkassen sollten darüber nachdenken, dass ein Dreirad dazu beitragen kann, dass mobilitätseingeschränkte Menschen länger beweglich und fit bleiben.“

Elisabeth Antritter

Schlagworte Therapie-Dreirad | Easy Rider | Dreirad | Radfahren

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