10. Mai 2016
VdK-Zeitung Archiv

Das Leben selbstbestimmt genießen

Auf der Messe „Die 66“ gibt der VdK Bayern Tipps für mehr Barrierefreiheit

Seit ihrem Start vor zwölf Jahren beteiligt sich der VdK Bayern an der Messe „Die 66“. Vom 8. bis 10. April fand sie im Münchner MOC statt, und das wieder mit enormem Besucherandrang. Der VdK hat dabei auch Anteil am Messeprogramm. Unter dem Motto „Barrierefreie (T-)Räume: Leben Sie schön?“ diskutierten VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, Bayerns Sozialministerin Emilia Müller und Schauspielerin Simone Rethel-Heesters bei einer Podiumsdiskussion.

VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher (von links), Bayerns Sozialministerin Emilia Müller, Moderator Dominik Schott und Schauspielerin Simone Rethel-Heesters diskutierten auf der Hauptbühne der Messe „Die 66“ darüber, was getan werden muss, um lange selbstbestimmt und selbstständig leben zu können. | © Petra J. Huschke

Deutschlands erfolgreichste 50plus-Messe bot den knapp 50.000 Besuchern mehr als 150 Workshops, Shows und Events. Die Themenpalette reichte dabei von Wohnen, Reisen, Finanzen bis hin zu Gesundheit. 475 Aussteller präsentierten in vier Messehallen Neuheiten und Ideen für die sogenannten Best Ager. Der Sozialverband VdK Bayern hat das Jahr 2016 unter den Leitgedanken „Weg mit den Barrieren!“ gestellt.

Was dafür getan werden muss, um selbstständig leben zu können, auch wenn man körperlich eingeschränkt oder älter ist, darüber wurde auf der Hauptbühne am Messe-Sonntag ausführlich gesprochen. VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher nannte den Öffentlichen Personennahverkehr, den Wohnungsbau und den Gesundheitsbereich als größte Baustellen. Mascher: „Die Bahn weiß, dass noch viel zu tun ist. Wir brauchen außerdem bezahlbare Wohnungen, die geeignet sind, darin älter zu werden. Wir brauchen Bäder, die man auch mit 90 noch benutzen kann.“ Arztpraxen, Krankenhäuser und Altenheime müssten barrierefrei zugänglich sein.

Und gerade auf dem Land gebe es weitere Probleme: „Wo ist der nächste Arzt, wo kann ich mich mit Lebensmitteln versorgen, wo gibt es Apotheken?“ Eine mögliche Lösung, um mobil zu sein, seien hier mangels öffentlicher Verkehrsmittel Ruftaxis oder Sammeltaxis. Sozialministerin Emilia Müller sagte über den Einsatz des VdK für Barrierefreiheit: „Ich unterstütze Frau Mascher absolut.“ Man benötige etwa Busse mit Lift oder Hebebühnen und vor allem barrierefreie Bahnhöfe. Das alles koste sehr viel Geld. Für den nächsten Doppelhaushalt sei etwa die Zertifizierung von Arztpraxen vorgesehen. Und auch nicht alle Altenheime und Krankenhäuser seien barrierefrei. Müller versprach: „Das machen wir jetzt!“

Neugierig bleiben

Schauspielerin Simone Rethel-Heesters erzählte von ihrer Ehe mit Johannes Heesters, der 108 Jahre alt wurde. Zuletzt sei er blind gewesen, man habe ihn auf die Bühne geführt. Rethel-Heesters sagte, sie habe ihren Mann in den 25 Jahren ihrer Zweisamkeit immer dafür bewundert, dass er trotz seines hohen Alters am Leben teilgenommen habe. „Er hat immer im Heute und nicht in der Vergangenheit gelebt.“ Rethel-Heesters plädierte dafür, die Art des Betrachtens des Alterns und der Behinderung in den Köpfen zu ändern. Es dürfe ruhig alles ein bisschen langsamer gehen. So habe ihr Mann sich auch im hohen Alter die Knöpfe am Hemd selber zugeknöpft. Er habe nicht hilflos und bequem werden wollen.

In ihrem Buch „Sag nie, du bist zu alt“ zeigt sie auf, dass Johannes Heesters in seiner Denkart immer jung geblieben ist. Sie selbst unterscheidet zwischen Rente und Ruhestand. Es sei schön, regelmäßige Bezüge zu haben, trotzdem müsse man aktiv bleiben. Und wenn ein Computer oder Hörgeräte dabei behilflich seien, dann sei das auch eine gute Sache. Emilia Müller pflichtete ihr bei: „Wichtig ist eine positive Lebenseinstellung.“ Krankheiten solle man nicht mehr pflegen als notwendig. Für Ulrike Mascher ist es wichtig, neugierig aufs Leben zu bleiben und immer noch unterwegs zu sein. „Verkriechen Sie sich nicht“, appellierte sie an die Besucher.

Um lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, nannten Emilia Müller und Ulrike Mascher neben Barrierefreiheit die Einrichtung von Notrufen, Nachbarschaftshilfen, Seniorengenossenschaften oder auch die Telemedizin als gute Modelle. Ein Paradebeispiel von Barrierefreiheit, so Müller, sei die Münchner Allianz-Arena, hier hätten Menschen mit Behinderung Ideen eingebracht.

Passend zur Podiumsdiskussion bot der VdK Bayern am Messe-Freitag zwei Workshops mit VdK-Expertin Yvonne Knobloch an. „So lange wie möglich zu Hause leben: Mit durchdachten Lösungen kein Problem“, hieß der eine Titel. Der andere lautete: „Pflegefall – was nun?“ Mit dem Thema „Alzheimer frühzeitig erkennen, vorbeugen und therapieren“ befasste sich Prof. Dr. Winfried Teschauer von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft am Messe-Sonntag bei einer Veranstaltung des VdK.

Der Messestand des VdK Bayern war in Halle 4, Stand Z02, wieder äußerst gut besucht. Zahlreiche Besucher ließen sich dort rund ums Sozialrecht und barrierefreie Wohnen beraten. Der Eintritt zur Messe war für VdK-Mitglieder wie schon in den vergangenen Jahren kostenfrei. Bitte vormerken: Die nächste „Die 66“ findet vom 19. bis 21. Mai 2017 am neuen Standort, auf dem Messegelände in München-Riem, statt.


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Petra J. Huschke

Schlagworte Messe | Die 66 | Podiumsdiskussion | barrierefrei Wohnen

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