29. April 2016
VdK-Zeitung Archiv

Berufstätigkeit ist nach wie vor kein Kinderspiel

VdK-Kreisfrau Sieglinde Huber und ihre Tochter Heike Schwamm über die Vereinbarkeit von Familie und Job

Am 8. Mai ist Muttertag. Ein guter Grund, unseren Müttern diese Seite zu widmen. Sieglinde Huber ist eine von ihnen. Die Vertreterin der Frauen im bayerischen VdK-Kreisverband Dachau hat zwei Töchter und ein Pflegekind großgezogen. Ihre älteste Tochter Heike Schwamm hat heute selbst zwei Kinder. Zwei Frauen, zwei Generationen, derselbe Spagat: zwischen Familie und Job.

© imago/Manngold

Sieglinde Huber lehnt die Krücken an die Wand, setzt sich aufs Sofa, den Rücken gerade. Ab dem dritten Brustwirbel stützen dicke Schrauben ihre Wirbelsäule. „Arthrose“, erklärt die 66-Jährige. „Berufsbedingt.“ Keine Spur von Verbitterung in ihrer Stimme, sie hat ihren Beruf geliebt, war Krankenschwester aus Leidenschaft. Sie lächelt, wenn sie an die vielen Jahre mit „ihren“ Patienten denkt.

Schon acht Wochen nach der Geburt ihrer ersten Tochter Heike 1974 schaffte sie den Spagat zwischen Baby- und Krankenbett. Nein, viel geschlafen habe sie nicht in dieser Zeit. „Aber irgendwie hält man das schon durch. Als Mutter hat man ungeahnte Kräfte.“ Auch ihr Mann arbeitete Vollzeit, Unterstützung hatte Sieglinde Huber von ihren Eltern. „Sonst wäre das nicht gegangen. Kindertageseinrichtungen gab es ja damals noch nicht.“ Als ihre zweite Tochter Jutta fünf Jahre später ihren ersten Geburtstag feierte, entschied sich die Krankenschwester, zu Hause bei den Mädchen zu bleiben.

„Es war schön, nur für die Kinder da zu sein. So gerne ich zur Arbeit ging.“ Und weil sie dann ohnehin daheim war, hat sie noch einen Nachbarsjungen aufgenommen. „Wenn ich für zwei Zeit habe, dann auch für drei.“ Gerade mal vier Wochen alt war Daniel, als er vollwertiges Huber-Mitglied wurde. „Tante Mama“, wie er sie nannte, war tagsüber für ihn da, manchmal auch nachts. „Für die Mädchen war er ein kleiner Bruder, für meinen Vater ein weiterer Enkel.“

Nach zehn Jahren als Hausfrau und Mutter, als die Kinder „gut alleine zurechtkamen“, ging Sieglinde Huber wieder arbeiten. Sieben Jahre später starb ihr Mann, ihr Vater wurde ein Pflegefall. Nach ihrer Schicht in der Geriatrie kümmerte sich die VdK-Kreisfrau um ihn, um den Haushalt, um den Garten. Durchschnaufen? Fehlanzeige. Irgendwann habe sie dann die Reißleine gezogen und wenigstens den Gemüsegarten abgeschafft. Weniger arbeiten ging nicht, schließlich wollte sie ihren Töchtern eine gute Ausbildung ermöglichen.

Keine Kinderbetreuung

Während der Ausbildung zur Europasekretärin in Karlsruhe lernte Sieglinde Hubers ältere Tochter Heike ihren späteren Mann und Vater ihrer Kinder kennen. Als Pia 2002 geboren wurde, war für die junge Mutter klar, dass sie erst einmal zu Hause, im pfälzischen Landau, bleiben würde. Daraus wurden sieben Jahre. „Dabei hätte ich mir nach Pia gut vorstellen können, wieder in den Beruf einzusteigen“, sagt Heike Schwamm. Ohne Großeltern und ohne Kindertagesbetreuung war dies allerdings unmöglich. Ihre Mutter 300 Kilometer entfernt, Ganztagsplätze vor 14 Jahren so gut wie nicht vorhanden.

Zwei Jahre nach Pia kam Philipp zur Welt. Damit rückte eine mögliche Berufstätigkeit weiter in den Hintergrund. Als Philipp fünf Jahre alt war, tat sich im Bekanntenkreis eine passende Stelle für Heike Schwamm auf. Doch aus zehn wurden bald mehr als 25 Stunden, zu Hause blieb alles liegen, die Kinder und ihre Gesundheit litten unter der Belastung. „Zum Glück ging es finanziell, dass ich aufhören und mir in Ruhe eine andere Stelle suchen konnte.“

Heute ist sie freiberuflich als Yogalehrerin tätig und auf 450-Euro-Basis bei einer Rechtsanwältin angestellt. Die 41-Jährige denkt aber an ihre Rente, will in absehbarer Zeit aufstocken. Wie damals ihre Mutter findet sie, dass die Kinder inzwischen auch mal ein paar Stunden alleine überbrücken können. Denn, wie Oma Sieglinde sagt: „Ein bisschen Selbstständigkeit hat noch niemandem geschadet.“



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Schlagworte Muttertag | Mütter | Kinderbetreuung | Familie und Beruf

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