29. März 2016
VdK-Zeitung Archiv

Menschen mit Behinderung sind eine Bereicherung

Die VdK-Schulbeauftragte Gertrud Weidinger bringt Kindern das Thema „Inklusion“ nahe

Der Flur dient heute als Klassenzimmer. Mit Stöcken, Brettern und Klebeband ist ein Parcours aufgebaut worden. Es ist Schulstunde in der Josef-Dering-Grundschule in Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Kinder lernen nicht Rechnen oder Rechtschreibung – sondern, welche Herausforderungen Menschen mit Behinderung jeden Tag meistern.

VdK-Schulbeauftragte Gertrud Weidinger zeigt den Zweitklässlern, wie schwierig es ist, mit einem Rollstuhl Barrieren zu überwinden. | © Liebmann

„Timon, hau‘ dich mal rein“, sagt Gertrud Weidinger. Der Junge lässt sich in den Rollstuhl fallen, der prompt nach hinten rollt. Weidinger erklärt den sieben- und achtjährigen Kindern, dass man die Bremse feststellen muss, bevor man sich reinsetzt, und wie man die Fußklappen benutzt. Weidinger ist VdK-Schulbeauftragte. Die ehemalige Grundschullehrerin wollte nach ihrer Pensionierung zur Inklusion beitragen: „Es ist wichtig, dass Menschen mit Behinderung Zugang zum normalen Leben finden. Ich möchte bei Kindern beginnen.“

Erfahrungen mit dem Thema Inklusion hat sie bereits gemacht: Vier Jahre lang hat sie als Lehrerin ein Kind mit Downsyndrom betreut und ihm das Lesen beigebracht. „Ich wünsche mir, dass Kinder mit Behinderung in der Regelschule als Bereicherung gesehen werden, nicht als Last.“ Beim VdK Bayern hat die 65-Jährige das Ehrenamt gefunden, das sie gesucht hat. Es macht ihr großen Spaß und ermöglicht ihr, auch weiterhin mit Kindern arbeiten zu können. „Ich sehe an ihren Augen, dass sie das Thema aufsaugen wie ein Schwamm. Diese Begeisterung entlohnt mich.“

Kira schiebt Timon über den Flur. Das ist ganz schön schwierig, denn der Parcours hat kleine Stufen, bei jeder muss sie den Rollstuhl ein Stück anheben. Zum Schluss noch eine Drehung. Puh, geschafft! Im Nebenraum sind mehrere Stationen aufgebaut, die Sehbehinderungen erfahrbar machen sollen. Die Zweitklässler dürfen Brailleschrift entziffern, mit Brillen und Augenmasken Bilder malen, Knöpfe und Murmeln in einer mit Watte ausgelegten Kiste finden und mit dem Ball ins Ziel treffen. Gar nicht so einfach, findet Benaja, der seine Brille immer wieder abnimmt, weil er so wenig erkennen kann.

Die Schüler wechseln nun in Zweiergruppen von Station zu Station, um jede Übung selber auszuprobieren. Mit dem Blindenstock laufen sie eine abgesteckte Strecke entlang, auch der Rollstuhl darf von jedem getestet werden. Nach einer Dreiviertelstunde geht es zurück ins Klassenzimmer. Jedes Kind darf seine Erfahrungen schildern. Lara fand es schwierig, sich nur auf den Blindenstock zu verlassen. Philipp erzählt stolz, dass er trotz Brille fünfmal die Bälle ins Ziel geschossen hat. „Die Rollstuhlfahrer tun mir leid. Sie können ja gar nicht herumhüpfen“, stellt Viktor fest. Und Marie fügt hinzu: „Wenn man länger im Rollstuhl sitzt, macht es keinen Spaß. Da laufe ich lieber.“

Die Josef-Dering-Grundschule unterrichtet derzeit keine Kinder mit Behinderung. Schulleiterin Sandra Doriat bedauert das: „Für Kinder ist es wichtig zu sehen, dass man vor dem Thema Behinderung keine Angst haben muss, sondern dass betroffene Kinder andere Begabungen haben, und dass man mit ihnen genauso viel Spaß haben kann.“

„Die Aufklärungs- und Bildungsarbeit ist ein wichtiger Baustein für ein inklusives und gerechtes Schulsystem“, sagt Marian Indlekofer, Leiter des Ressorts „Leben mit Behinderung“ beim VdK Bayern. „Als wir vor vier Jahren das Konzept für den VdK-Schulbeauftragten entwickelt haben, wollten wir das Thema Behinderung in den Unterricht bringen. Der VdK kann mit seinem starken Ehrenamt gute Hilfestellungen für Lehrkräfte anbieten, damit Schüler so früh wie möglich ein Bewusstsein für die Barrieren entwickeln, die uns alle behindern.“

VdK-TV: Inklusion ist kinderleicht - Unterricht mit der VdK-Schulberaterin (UT)

Wie geht lesen, wenn man nichts sieht? Wie schiebt sich ein Rollstuhl? Die Kinder aus der zweiten Grundschulklasse in Eichenau bei München bekommen spielerisch einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Möglich macht das die ehemalige Lehrerin Gertrud Weidinger. Sie ist eine von 59 ehrenamtlichen Schulbeauftragten des Sozialverbandes VdK Bayern in Sachen Inklusion.

Info

Wer sich für das Ehrenamt des VdK-Schulbeauftragten interessiert, kann sich bei Katja Wackwitz, Telefon (089) 21 17-110, über eine Schulung informieren.

Annette Liebmann

Schlagworte Menschen mit Behinderung | Inklusion | VdK-Schulbeauftragte

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