28. Januar 2016
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In der „Fünften Jahreszeit“ sind die Narren los

Selbst Forschern gibt der Brauch immer noch Rätsel auf, aber für Klein und Groß ist das Verkleiden eine willkommene Abwechslung

Ob Fasching, Karneval oder Fastnacht: Es ist die „Fünfte Jahreszeit“, die ausgiebig vom 11. November bis zum Aschermittwoch gefeiert wird. Das närrische Treiben an den tollen Tagen ist bunt. Und auch mit Satire wird nicht gespart: Die Büttenredner reißen Zoten und verspotten die Obrigkeiten, während sich das gemeine Narrenvolk (im Rheinland sind es die Jecken) auf den Festen tummelt.

Mittlerweile ist aus dem Verkleiden an Fastnacht ein eigener Industriezweig geworden. Dabei hat die närrische Zeit schon Tradition und eine lange Geschichte. Weltliche und kirchliche Elemente fließen da mit ein, heidnisches Brauchtum und vieles mehr. Die Entstehung der Fastnacht oder des Faschings kann nicht auf ein bestimmtes Datum festgelegt werden. Wissenschaftler forschen seit etlichen Generationen und kommen doch zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Werner Mezger, Professor für Volkskunde und Europäische Ethnologie in Freiburg, hat die Fastnacht untersucht und die Verkleidung als „kurzfristigen Ausbruch aus den Ordnungen und Normen des Alltags“ beschrieben. Im Mittelalter sei dabei zum Teil die Ständeordnung umgekehrt worden, wenn etwa Angehörige des niedrigen Klerus als Narrenbischof aufgetreten seien. Mezger sieht die Wurzeln der Fastnacht vor allem im bäuerlichen Naturjahr: in der Freude über das Ende des Winters. Im hohen und späten Mittelalter war sie im Kirchenjahr das „Schwellenfest“ vor der Fastenzeit. Daher komme auch der Name: „Nacht vor dem Fasten“.

Verkleiden macht Spaß

Andere Theorien besagen, dass schon zur Römerzeit am Jahresende der Gott Saturn gefeiert wurde. Während der „Saturnalien“ wurden die Sklaven von den Freien bedient. Die Germanen hatten im Frühling ein wildes Fest, um die bösen Wintergeister zu vertreiben. Sie setzten sich dabei gruselige Masken auf. Heute sieht man in der „Fünften Jahreszeit“ Clowns, Cowboys, Indianer, Matrosen, Filmhelden und andere Kreaturen.

Klein und Groß hat seinen Spaß dabei, in andere Rollen zu schlüpfen. Den Begriff Karneval benutzt man überwiegend im Rheinland. Die Städte Köln, Düsseldorf, Mainz und Aachen sind besonders bekannt für die ausgelassenen Feste rund um die Karnevalszeit. In Bayern, Thüringen und Brandenburg sagt man Fasching. Die „Fastnacht“ feiert man in Hessen, Pfalz, Baden-Württemberg, Franken und im bayerischen Schwaben. Zum Beispiel hüpfen dann Hexen und Teufel durch die „schwäbisch-alemannische Fastnacht“, ein Fest, das im heidnischen Brauchtum des Winteraustreibens verwurzelt ist – ähnlich wie der Brauch der Perchten im bayerischen Alpenraum.

Warum die fünfte Jahreszeit genau am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt, ist nicht eindeutig geklärt. Im Mittelalter stand die Zahl Elf für Jux und Narretei. Im christlichen Glauben wird die Elf als Überschreitung der von Gott gegebenen „Zehn Gebote“ gesehen. Seitdem sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der „Elfer-Rat“ etablierte, der die Organisation in den Karnevalsvereinen übernimmt, wurde die Zahl immer geläufiger. Es sind die großen Karnevalsumzüge, die Büttenreden, Gardemädchen, Funkenmariechen, Prinzenpaare, die Bälle und Tanzveranstaltungen, die man heute mit der „Fünften Jahreszeit“ verbindet. Und im Rheinland gilt ein Tag besonders viel: Weiberfastnacht. In Bayern heißt dieser „Unsinniger Donnerstag“. Da ist es Tradition, dass die Frauen den Männern die Krawatten abschneiden.

Veranstaltungen

Lust auf Karneval oder Fasching bekommen? Einige Veranstaltungen werden auch im Fernsehen übertragen. Mainz ist die Hauptstadt des „politischen“ Karnevals. In Köln ist der Karneval viel stärker durch die Tanzgarden geprägt. Das ZDF hat in diesem Jahr zwei große Events: „Kölle Alaaf – die Mädchensitzung“ (Donnerstag, 4. Februar, 20.15 Uhr) und „Mainz bleibt Mainz“ (Live am Freitag, 5. Februar, 20.15 Uhr).

In der ARD werden ausgestrahlt: die Festsitzung des Aachener Karnevalsvereins mit der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ am Montag, 25. Januar, 20.15 Uhr, sowie die Rosenmontagszüge in Mainz, Düsseldorf und Köln von 12.15 bis 17 Uhr am 8. Februar.

Der Bayerische Rundfunk (BR) überträgt die Live-Sendung „Fastnacht in Franken“ aus Veitshöchheim am Freitag, 29. Januar, um 19 Uhr.

Petra J. Huschke

Schlagworte Fasching | Karneval | Fünfte Jahreszeit | Fastnacht

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