28. Januar 2016
VdK-Zeitung Archiv

„Meine Senioren sind beweglicher als meine jungen Schüler“

Fordern statt schonen: Das ist das Erfolgsrezept der Münchner Sport- und Gymnastiklehrerin Hanne Cagnoli

Von wegen lahm und langweilig: Im Fitnesskurs für Senioren des TSV Milbertshofen in München geht es zur Sache. Übungen für Kondition, Koordination und Beweglichkeit stehen hier zweimal pro Woche auf dem Programm. Rund 50 Teilnehmer sind von der Sport- und Gymnastiklehrerin Hanne Cagnoli und ihrem Training begeistert.

Die Münchner Sportlehrerin Hanne Cagnoli (vorne) ist stolz auf ihre Senioren, die alle Turnübungen mit Ehrgeiz und Genauigkeit ausführen. Sie sagt: „Gymnastik kennt kein Alter.“ | © Caroline Meyer

Daddy, Daddy cool...“: Kaum dröhnt der Hit von Boney M. aus dem Ghettoblaster, verstummt das Stimmengewirr. Zügig setzen sich mehr als 50 Frauen und Männer in Bewegung. Einmal im Kreis gehen zum Warmwerden. Mancher wippt den Kopf im Takt. „Die Musik macht viel aus“, sagt die 76-jährige Anneliese Hahnel und lacht. „Das motiviert.“ Mit ihrer 78-jährigen Schwester kommt sie seit fast 15 Jahren in Hanne Cagnolis Kurs. Die beiden sind überzeugt: Ohne die Gymnastik wären sie längst nicht mehr so fit.

Das können die anderen Senioren nur bestätigen. Der 88-jährige Gerhard Mauthe etwa, einst der einzige Mann im Kurs, heute ältester Teilnehmer. Oder Edda Stocker, 77 Jahre, die vor 20 Jahren eine künstliche Hüfte bekommen hat und „nicht einrosten wollte“. Oder VdK-Mitglied Elfi Hafner, die schon als Kind zum TSV Milbertshofen zum Sport gegangen ist. Sport. Das und nicht weniger machen die Senioren bei Hanne Cagnoli. Von wegen Bein heben, Bein senken, Ball weiterreichen. Die 69-jährige Sportlehrerin schüttelt den Kopf. „Für richtige Gymnastikübungen gibt es keine Altersbeschränkung.“

Sicher stimme sie das Training auf die älteren Semester ab. Und nicht jeder könne jede Übung mitmachen. Wegen kaputter Knie zum Beispiel. Aber das Alter allein zählt nicht als Ausrede. Das A und O: die Vorbereitung auf die Bewegung – durch Belastung oder Kraft. „Der Dehnungseffekt ist ausschlaggebend.“ Dann können die Senioren selbst Übungen bewältigen, die auch jungen, sportlichen Menschen schwer fallen: zum Beispiel die V-Dehnung der Beine in Kombination mit senkrecht nach oben gestreckten Armen – und geradem Rücken (siehe Foto).

„Das ist einmalig in München“, sagt Hanne Cagnoli und lächelt. Sie ist stolz auf ihre Senioren, von denen viele „beweglicher sind als meine jungen Schüler“. Bevor die Matten auf dem Turnhallen-Boden ausgerollt werden, treten die Senioren auf der Stelle, verlagern ihr Gewicht von einer Seite auf die andere, tippen mit den Zehen auf den Boden, dehnen Unter- und Oberschenkel, drehen den Oberkörper, nehmen die Arme mit. Bis kleine Schweißperlen auf der Stirn stehen und alle warm sind bis in die Haarspitzen. Es folgen Bauch-, Beine-, Po-Übungen, Rücken- und Beckenstärkung, Krafttraining. Übungen, bei denen dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht.

Wenn sich die 69-jährige, zarte Dame wie ein Gummiball zusammenrollt und mit den Zehen den Boden hinter ihrem Kopf berührt. Mittendrin Wirbelwind Hanne Cagnoli. Die mit gutem Beispiel vorangeht. Und mit ihrer herzlichen, lustigen, energischen Art alle mitreißt. Auch eine Italienerin, die sich fragt, ob die Drehung „possibile“ ist. Dann ruft die Sportlehrerin in die Runde: „Alles ist possibile.“

Caroline Meyer

Schlagworte Gymnastik | Sport | Seniorensport | Fitness | Fitnesskurs für Senioren

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