30. November 2015
VdK-Zeitung Archiv

Jetzt spielt er selbst die Hauptrolle

Mit Yoga zu mehr Selbstbewusstsein: Schauspieler Erwin Aljukic blüht nach „Marienhof“ auf

Yoga gibt Erwin Aljukic Energie für seinen Alltag als Schauspieler. | © Jonathan F. Kromer

13 Jahre lang war Erwin Aljukic ein Anderer. Tag für Tag schlüpfte er für die Fernsehserie „Marienhof“ in die Rolle des Frederik Neuhaus. Eine aufregende Zeit. Eine, an die der Schauspieler mit der Glasknochenkrankheit gerne zurückdenkt – der er aber nicht nachtrauert. Denn jetzt kann der 38-Jährige selbst entscheiden, welche Rolle er spielen möchte. Auf der Bühne und im Leben. Seine innere Stärke verdankt er auch dem Yoga.

Die wachen Augen funkeln frech, er strahlt übers ganze Gesicht. Nichts gespielt, alles echt. Erwin Aljukic ist ein fröhlicher Mensch. Keiner, der jammert. Er ist zufrieden. Mit sich und seinem Leben. 13 Jahre davon spielte darin der Dreh für die ARD-Serie „Marienhof“ die Hauptrolle. Wenn er daran denkt, wie er von heute auf morgen zum Daily-Soap-Star wurde, lächelt er, schüttelt den Kopf. „Ein Zufall war das.“

Die Produktionsfirma rief damals in der Fachoberschule der Stiftung Pfennigparade für Menschen mit und ohne Behinderung in München an. Das Filmteam erkundigte sich, ob es einen geeigneten Schüler mit Handicap gebe. „Die Sekretärin wusste, dass ich Theater spiele, und vermittelte mich.“ Das Fach-Abitur machte er trotzdem fertig – sowieso ruhte er sich nicht auf seiner TV-Blitzkarriere aus. Er studierte nebenher Mode-Journalismus, machte sein Diplom. Morgens Mode, nachmittags Film.

Die Glasknochenkrankheit hinderte das VdK-Mitglied noch nie daran, sein Leben in die Hand zu nehmen. Auch nicht, als Frederik Neuhaus, der EDV-Experte vom „Marienhof“, plötzlich Geschichte war. Im Gegenteil. Er atmete auf. Raus aus der Maschinerie, rein in die Freiheit. „Es hat mir sehr gut getan, mich zu sortieren und Neues auszuprobieren“, erzählt Erwin Aljukic. So gründete der Schauspieler mit bosnischen Wurzeln eine Theatergruppe, die Stücke in den Sprachen Ex-Jugoslawiens schrieb und aufführte. „Ich habe gemerkt, dass mir diese kreative Arbeit so viel mehr gibt als eine Rolle ohne Spielraum.“

Woher die Gelassenheit, woher das Selbstbewusstsein? „Yoga“, sagt der 38-Jährige. Nicht nur, aber auch. „Hätte ich nie gedacht, dass das was für mich ist.“ Seine beste Freundin schon. Die Münchner Yoga-Lehrerin Tanja Seehofer behielt Recht. „Bereits nach den ersten Stunden wurde ich gelenkiger, fühlte mich stärker. Mental und körperlich.“ Gefühl für den Körper Erwin Aljukic möchte Menschen mit Behinderung dazu ermutigen, Yoga zu machen. „Man muss sich nicht verknoten“, erklärt er und lacht. „Es geht nicht darum, jede Übung perfekt zu machen. Es geht darum, ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen.“ In sich hineinhorchen. Den Körper so akzeptieren, wie er ist. Für Menschen mit Handicap besonders wichtig, findet der 38-Jährige.

Er erzählt von einer schwerbehinderten Frau, die im Rollstuhl an der Yoga-Stunde teilnimmt. „Auch das geht. Das hat fast denselben Effekt wie aktiv mitzumachen. Man profitiert von der Atemtechnik, der Meditation – und der Atmosphäre.“ Er selbst tauscht den Rollstuhl für eine Stunde in der Woche gegen die Yoga-Matte. Wenn er Hilfe braucht, unterstützt ihn Tanja Seehofer. „Sie gibt mir das Gefühl: Du kannst nichts falsch machen.“ Was er bei ihr lernt, nimmt er auch nach Hause auf die eigene Matte mit. Denn: „Übung macht den Meister – und fitter.“

Die Energie, die das VdK-Mitglied aus dem Yoga zieht, kann er gut brauchen. Für den Kurzfilm „Kollegen“ zum Beispiel, den er im Mai abgedreht hat. Auf Filmfestivals weltweit wird der Film präsentiert werden, in dem es um Behinderung und Körperlichkeit geht. Er spielt die Hauptrolle des Jörn. Energie braucht er auch für sein nächstes Projekt, das Theaterstück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“. Hier spielt er einen schwulen Tanzlehrer, der einer älteren Dame Standardtanz beibringt. Eineinhalb Stunden zu zweit auf der Bühne. Viel Bewegung, viel Kreativität.

Caroline Meyer

Schlagworte Erwin Aljukic | Menschen mit Behinderung | Marienhof | Joga

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