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Vollbremsung mit einer Hand

Besuch bei einem Fahrtraining für Menschen mit Behinderung

Menschen mit halbseitigen Lähmungen oder Rollstuhlfahrer können mit umgerüsteten Autos am Straßenverkehr teilnehmen. In speziellen Fahrtrainings lernen sie, in Extremsituationen wie bei Nässe oder Eisglätte richtig zu reagieren. Die VdK-Zeitung war bei einer Schulung dabei.

Bremsen und Ausweichen auf nasser Fahrbahn gehören zum Programm des Fahrsicherheitstrainings. | © Sebastian Heise


Mit Vollgas fährt Rainer Albert auf die nasse Fahrbahn. Abrupt bremst er ab, lenkt nach rechts, um den Pylonen auszuweichen, und dann sofort wieder nach links. Von außen sieht man gar nicht, dass er alles nur mit einem Arm und einem Fuß macht. Das 46-jährige VdK-Mitglied aus dem unterfränkischen Burkardroth hatte mit 22 Jahren einen schweren Autounfall. Seitdem ist er halbseitig gelähmt.

Trotz des Unfalls fährt er gerne mit seinem Auto. In seiner ländlichen Heimat will er auf das Fahrzeug auch nicht verzichten. Für Menschen wie ihn bieten die Autohersteller verschiedene Fahrhilfen an, wie zum Beispiel Linksgas und Lenkrad-Schaltung. Der Einbau dieser Extras kostete ihn etwa 1500 Euro. Im Gegenzug erhielt er als Schwerbehinderter aber einen Rabatt auf das gesamte Fahrzeug und zusätzlich ein kostenloses, eintägiges Sicherheitstraining. Dieses nahm Albert gerne an. Denn: „Autofahren ist für mich eine Leidenschaft.“

Wie den anderen Teilnehmern, viele von ihnen sind Rollstuhlfahrer, macht ihm das Training auf dem Audi-Testgelände in Neuburg an der Donau sichtlich Spaß. Er übt Vollbremsungen, bringt sein Auto zum Schleudern und fährt durch einen Parcours mit Hindernissen.

Tipps von Gerd Schönfelder


Angeleitet werden die Fahrschüler von zwei Trainern. Daneben gibt der 16-fache Paralympics-Gewinner im alpinen Skifahren, VdK-Mitglied Gerd Schönfelder, den Teilnehmern Tipps. Seit Langem schon fährt auch der 46-Jährige nur mit links – seinen rechten Arm hat er bei einem Unfall verloren. Um schneller lenken zu können, hat Schönfelder zusätzlich einen Knopf am Lenkrad, ähnlich wie ihn auch Busfahrer haben. Zusammen mit der Automatikschaltung beherrscht Schönfelder sein Fahrzeug so gut, dass er beim abschließenden Rennen die schnellste Zeit fährt. So wie auch früher immer auf der Skipiste.

Gerd Czerwionka nimmt ebenfalls mit großem Interesse und Spaß an dem Kurs teil. Er lenkt und schaltet nicht nur mit seinen Händen, sondern bremst meistens auch auf diese Weise. Ein rechts vom Lenkrad angebrachter Hebel ist mit der Fußbremse verbunden. Damit bringt er sein Auto genauso schnell zum Stehen wie andere, die ihre Füße einsetzen. Gelegentlich bremst der 47-Jährige auch noch mit den Füßen. Doch wegen seiner Multiple-Sklerose-Erkrankung kann er sich auf seine Beine und Füße immer weniger verlassen. Deswegen ließ er sein Auto vor einiger Zeit entsprechend ausstatten.

Neben Autoherstellern gibt es auch Automobilclubs und Berufsgenossenschaften, die Fahrtrainings anbieten. Der Sozialverband VdK Sachsen entwickelt derzeit ebenfalls ein solches Angebot. Ein VdK-Mitglied lässt sich fortbilden und will künftig im Fahrsicherheitszentrum am Sachsenring in Hohenstein-Ernst­thal entsprechende Kurse veranstalten.

Czerwionka kann ein Sicherheitstraining nur empfehlen: „Als Autofahrer lernt man so, sich in Extremsituationen richtig zu verhalten.“

Einen Beitrag über das Fahrsicherheitstraining zeigt auch VdK-TV, das Videoportal des Sozialverbands VdK. Ab 2. November ist der Film unter www.vdktv.de kostenlos und jederzeit abrufbar.

Sebastian Heise

Schlagworte Fahrhilfen | Rollstuhlfahrer | Schwerbehinderung | Gerd Schönfelder

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