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„Ich habe zum Glück auf mein Bauchgefühl gehört“

Thomas Schmidt aus Amberg ist Deutschlands bester Nachwuchspfleger

Der Kopf sagt ja, das Herz nein – so erging es Thomas Schmidt mit seiner ersten Berufswahl. Deshalb tauschte der Oberpfälzer seine Ingenieurslaufbahn 2012 gegen eine Ausbildung als Krankenpfleger ein. Eine goldrichtige Entscheidung. Denn in der Berufsschule machte sich der gebürtige Amberger so gut, dass er es beim diesjährigen bundesweiten Wettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ auf den ersten Platz schaffte. Vor einem Monat ist der 31-jährige Krankenpfleger in seinen Traumjob gestartet.

Der frisch gekürte Krankenpfleger Thomas Schmidt (links) hat seinen Traumberuf gefunden. Dafür hat er die Karrieremöglichkeiten als angehender Patentingenieur gerne sausen lassen. | © Jens Frieß


VdK-Zeitung: Wie kam es, dass Sie in einen sozialen Beruf wechselten?

Schmidt: Nachdem meine Oma sich nach einem Sturz nicht mehr allein versorgen konnte, habe ich das Studium zum Diplom-Patent­ingenieur für ein Jahr unterbrochen, um sie zu Hause zu pflegen. Anschließend habe ich das Studium fortgesetzt. Der Abschluss mit Di­plom war mir wichtig. Aber die Pflege meiner Großmutter brachte die entscheidende Wende für meine berufliche Ausrichtung. Ich merkte, dass ich sensibel für die Sorgen und Nöte anderer bin und mich gern für Schwächere einsetze. Seitdem habe ich ebenfalls eine Ahnung davon, dass die Pflege von Angehörigen ein Kraftakt ist. Hut ab vor den Frauen, die diese Aufgabe in den Familien so häufig übernehmen.

VdK-Zeitung: War das die erste Berührung mit dem Thema Pflege?

Schmidt: Ich habe schon nach dem Abitur in den Bereich hineingeschnuppert. Im Zivildienst bei den Johannitern unterstützte ich alte und kranke Menschen im Heim.

VdK-Zeitung: Lag es da nicht näher, in die Altenpflege zu gehen?

Schmidt: Obwohl ich jeden bewundere, der in einer Altenpflegeeinrichtung arbeitet, kam das für mich nicht in Frage. Ich habe bei meiner eigenen Oma, die zum Schluss im Pflegeheim untergebracht war, gesehen, wie sehr die Pflegekräfte dort am Rotieren sind. Der klare Vorteil in der Intensivpflege ist, dass man viel weniger Menschen zu betreuen hat.

VdK-Zeitung: Sie arbeiten jetzt auf der chi­rurgischen Intensivstation. Wie sieht die Arbeit dort aus?

Schmidt: Dem Klinikum St. Marien in Amberg, wo ich auch meine Ausbildung und das Berufspraktikum absolviert habe, bin ich treu geblieben. Ich kümmere mich dort seit 1. Oktober um Patienten, die beispielsweise nach einer Operation künstlich beatmet und deren Lebensfunktionen am Monitor überwacht werden. Es ist für mich eine ganz neue Erfahrung, mit Menschen umzugehen, die nicht bei Bewusstsein sind, und mit ihnen in Kontakt zu treten, auch wenn sie einen nicht hören können. Es ist außerdem eine Herausforderung, die vielen Geräte zu bedienen.

VdK-Zeitung: Was schätzen Sie am meisten am Pflegeberuf, was weniger?

Schmidt: Ich bin glücklich, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört und meinen Weg in diese Branche gefunden habe. Ich freue mich, wenn ich Menschen Trost spenden kann. Eines der wenigen Dinge, die ich nicht mag, ist das frühe Aufstehen. Wenn morgens um Viertel vor fünf der Wecker klingelt, würde ich am liebsten noch weiterschlafen.

VdK-Zeitung: Wenn Sie etwas verbessern könnten im Krankenhaus­alltag, wo würden Sie ansetzen?

Schmidt: Leider haben Pflegekräfte schlicht keine Zeit für sterbende Menschen, außer auf der Palliativstation. Im Bereich Hospiz- und Palliativarbeit im Krankenhaus muss sich noch einiges tun, damit würdevolles Sterben dort auf jeder Station möglich ist.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Pflege von Angehörigen | Pflege | Krankenpflege | Altenpflege | Pflegeberuf | Palliativarbeit | Hospizarbeit

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