26. September 2015
VdK-Zeitung Archiv

Ist die unabhängige Beratung in Gefahr?

VdK: Patienten müssen auch bei neuem UPD-Betreiber auf Transparenz und Neutralität vertrauen können

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) steht ab 2016 für sieben Jahre unter neuer Trägerschaft. Der GKV-Spitzenverband hat im Einvernehmen mit Bundespatientenbeauftragtem Karl-Josef Laumann dem Callcenter-Unternehmen Sanvartis, das schon für einige Krankenkassen tätig war, den Zuschlag erteilt. Der Sozialverband VdK, bisher einer der UPD-Gesellschafter, sieht künftig die Unabhängigkeit und Qualität der Beratung in Gefahr.

Fragen zu Krankenkassenleistungen standen bisher oft im Mittelpunkt der UPD-Beratungen. | © UPD

Die jetzigen UPD-Gesellschafter – der Sozialverband VdK Deutschland, der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Verbund unabhängige Patientenberatung – hatten bei der Vergabekammer des Bundes einen Nachprüfungsantrag gestellt, als die Entscheidung für die Sanvartis GmbH gefallen war. „Leider ohne Erfolg“, bedauert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland. „Die bisherige Patientenberatung hat sich in den vergangenen Jahren mit ihrer Unabhängigkeit und Kompetenz viel Anerkennung und Vertrauen erworben und wurde so zu einer wichtigen Anlaufstelle für ratsuchende Patienten. Durch die Neuvergabe gehen nun funktionierende Strukturen, hohe Qualitätsstandards und langjährige Erfahrungen verloren.“

21 Beratungsstellen, die seit 2006 aufgebaut wurden, stehen nun vor dem Aus. Über 70 erfahrene Beraterinnen und Berater verlieren ihren Job. Wie die Beratungsstrukturen durch den neuen UPD-Betreiber genau aufgebaut werden, ist noch nicht abzusehen. Die UPD berät gesetzlich Krankenversicherte bei Beschwerden über ihre Krankenversicherung oder Arztbehandlungen sowie bei Gesundheitsfragen. „Da werden sensible Themen besprochen“, betont Mascher. Umso wichtiger sei es, dass die Patientinnen und Patienten auch in Zukunft auf die Unabhängigkeit und Neutralität der Beratung vertrauen können. Zweifel daran halten nicht nur die bisherigen Gesellschafter für angebracht. Viele Medien, Gesundheitsexperten quer durch alle Parteien und Verbände sowie die Bundesärztekammer stellten die einvernehmliche Entscheidung des GKV-Spitzenverbands und des Bundespatientenbeauftragten Laumann in Frage.

Sanvartis hat bisher für gesetzliche Krankenkassen Callcenter betrieben, beispielsweise im Beschwerdemanagement. „Wir müssen die Entscheidung für Sanvartis akzeptieren“, erklärt Mascher, „werden aber als großer Patientenverband die Entwicklung gut beobachten.“ Für gesundheitspolitischen Wirbel haben in den letzten Jahren immer wieder die jährlichen UPD-Monitoring- Berichte gesorgt, die aus Auswertungen der Beratungsstatistiken entstanden sind. „Diese kritischen Berichte haben die gesetzlichen Krankenkassen immer wieder unter Rechtfertigungsdruck gesetzt“, sagt die VdK-Präsidentin. Beispielsweise wurden die häufigen Patientenbeschwerden wegen der Einstellung von Krankengeldzahlungen durch die Kassen aufgrund formaler Fehler erst durch diese Berichte bekannt. Dies hat zu geänderten Vorgaben im neuen Versorgungsstärkungsgesetz geführt.

Der letzte unter der alten Trägerschaft herausgegebene Monitoring-Bericht ist gerade veröffentlicht worden. Verweigerte Leistungen der Krankenkassen standen demnach in mehr als jeder dritten Beratung im Mittelpunkt. Krankengeld blieb das Thema Nummer eins. Besonders auffallend ist, dass sich viele Patienten im Krankengeldbezug darüber beklagen, von Fallmanagern der Krankenkassen unter Druck gesetzt zu werden, die sie beispielsweise in einen vorgezogenen Rentenbezug drängen wollten. „Auch der aktuelle UPD-Bericht belegt die Korrektiv-Funktion einer unabhängigen Patientenberatung“, erklärt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. „Die Praxis wird zeigen, ob ein krankenkassennahes Unternehmen diesen Anspruch weiterhin erfüllen wird.“

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Unabhängige Patientenberatung | UPD | Krankenkassen

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