30. Juli 2015
VdK-Zeitung Archiv

Kribbeln kann ein Warnsignal sein

Wann Betroffene besser einen Facharzt aufsuchen sollten

Fast jeder kennt das Gefühl: Wenn man im Winter vergessen hat, Handschuhe anzuziehen, und die kalten Finger wieder warm werden, fühlt sich das an wie tausend kleine Nadelstiche. Doch Kribbeln kann auch ein Warnsignal des Körpers sein.

Arme oder Beine fühlen sich deshalb pelzig oder taub an, weil die Nervenendigungen der Füße oder Hände Signale fehlerhaft an das Gehirn weiterleiten. Oft ist die Ursache für die Missempfindung harmlos, beispielsweise, wenn man die ganze Nacht auf seinem Arm gelegen hat und der entsprechende Nerv abgedrückt war. „Solange das Kribbeln nur gelegentlich auftaucht und wieder vergeht, muss man sich keine Sorgen machen“, sagt Prof. Dr. Peter Berlit, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen. Anhaltende Taubheitsgefühle jedoch sollten Betroffene nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt der Neurologe: „Wenn das Kribbeln nicht mehr weggeht, ist es ein Warnzeichen. Dann sollte ein Arzt nachsehen.“

Einseitig oder beidseitig?

Die Medizin unterscheidet zwischen einseitigen und beidseitigen Beschwerden. Häufigste Ursache bei einseitigem Kribbeln ist ein eingeklemmter Nerv, hervorgerufen beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall. Auch beim Karpaltunnelsyndrom ist ein Nerv abgedrückt, nämlich der Medianusnerv im Bereich der Handwurzel. Tritt das Kribbeln beidseitig auf, so handelt es sich fast immer um eine Erkrankung mehrerer peripherer Nerven, eine sogenannte Polyneuropathie. „Häufigste Ursache dafür ist ein schlecht eingestellter Diabetes oder chronischer Alkoholmissbrauch“, erklärt Dr. Berlit. Ein jahrelang überhöhter Blutzucker schädige die Nervenbahnen ebenfalls dauerhaft.

Hinter einer Polyneuropathie können aber auch andere Erkrankungen stecken, beispielsweise Rheuma, Infektionen wie Borreliose oder Gürtelrose, oder Autoimmunerkrankungen. Eher selten als Auslöser gilt ein Vitaminmangel (B12 oder Folsäure). Und schließlich können auch Medikamente wie Zytostatika oder Antibiotika Beschwerden verursachen. „Wenn die Schmerzen schlimmer sind als der Nutzen, muss man das Medikament notfalls weglassen oder auf ein anderes Präparat ausweichen“, empfiehlt Berlit. Ziehen, Spannen und Kribbeln ist auch typisch für das Restless-Legs-Syndrom, bei dem die Beschwerden vor allem nachts und in Ruhe auftreten. Es sollte dann ein Eisenmangel ausgeschlossen werden.

Untersuchung beim Facharzt

Der Mediziner empfiehlt, bei dauerhaftem Kribbeln unbedingt einen Facharzt aufzusuchen. Dieser misst nicht nur die Leitgeschwindigkeit der Nervenbahnen, sondern entnimmt gegebenenfalls auch eine Nervenwasser-Probe. „Eine Nervenentzündung erkennt man nicht im Blut“, betont er. Steht die Ursache für die Beschwerden fest, so kann man in den meisten Fällen gezielt helfen oder zumindest eine Linderung erreichen. Nicht wundern sollten sich Patienten, wenn sie statt der erwarteten Schmerzmittel Medikamente bekommen, die auch bei Epilepsie oder Depressionen verordnet werden. „Oft erweisen sie sich als besonders wirksam“, sagt Berlit.

Annette Liebmann

Schlagworte Kribbeln | Neurologie | Karpaltunnelsyndrom | Bandscheibenvorfall | Polyneuropathie | Restless-Legs-Syndrom

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