14. Juli 2015
VdK-Zeitung Archiv

Prekäre Beschäftigung ist eine Schuldenfalle

Schuldnerberatung der Verbände: Geringverdiener sind besonders gefährdet

Etwa sechs bis sieben Millionen Menschen in Deutschland sind verschuldet, schätzt die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). Besonders gefährdet sind diejenigen, deren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt ohnehin nicht allzu rosig sind – also gering Qualifizierte mit prekären Beschäftigungsverhältnissen und niedrigem Einkommen.

© Benjamin Thorn / pixelio.de

Waren es bis vor einigen Jahren vor allem Langzeitarbeitslose, die in der Schuldenfalle landeten, so ist es nun auch die Gruppe der Geringverdiener. Für die AG SBV gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Überschuldung und prekärer Beschäftigung. Minijobs, Teilzeitarbeit, befristete Verträge und Leiharbeit sind oft schlecht abgesichert und schlecht bezahlt. Nach den Erfahrungen der Berater sind Menschen mit geringen Qualifikationen eher betroffen als Fachkräfte, Ausländer eher als Deutsche und Frauen eher als Männer.

Bereits kleine Krisen oder unvorhersehbare Ereignisse, wie eine kaputte Waschmaschine oder eine Stromnachzahlung, können das knappe Budget sprengen und in die Zahlungsunfähigkeit führen. Unter den Beschäftigten sind es vor allem die sogenannten „Aufstocker“, die ihre Rechnungen oft nicht bezahlen können. Da ihr Lohn zum Leben nicht reicht, nehmen sie zusätzlich Hartz-IV-Leistungen in Anspruch. Laut Statistischem Bundesamt sind sie mit durchschnittlich 37.992 Euro auch besonders hoch verschuldet. Im Durchschnitt standen Menschen, die im vergangenen Jahr eine Schuldnerberatung aufgesucht haben, mit 34.504 Euro in der Kreide.

Auch Arbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen brauchen eine zeitnahe Beratung, wenn sie in die roten Zahlen rutschen. Bisher haben nur Menschen ohne Einkommen einen freien Zugang zur Schuldnerberatung, Erwerbstätige hingegen nicht. Die AG SBV will das ändern: Da immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen Hilfe suchen, fordert sie, deren Anspruch auf eine Beratung im Sozialgesetzbuch festzuschreiben.

Hauptursache für Armut

Schon seit vielen Jahren weist der Sozialverband VdK darauf hin, dass prekäre Beschäftigung die Hauptursache für Armut ist. „Leih- und Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse sowie Teilzeit- und Minijobs leisten der Armut, vor allem bei Frauen, Vorschub“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. „Wenn wir Armut vermeiden wollen, dann müssen prekäre Beschäftigungsverhältnisse eingedämmt werden.“



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ali

Schlagworte Armut | Schulden | Verschuldung | Schuldnerberatung

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