20. April 2015
VdK-Zeitung Archiv

Den Traum vom eigenen Feenwald verwirklicht

VdK-Mitglied Daniela Auer lässt sich von einer chronischen Erkrankung nicht unterkriegen und führt in Nürnberg ein Geschäft

Daniela Auer leidet seit langem unter chronischer Polyarthritis. Trotzdem arbeitete sie 15 Jahre lang mit schwerbehinderten Kindern. Von ihrer Erkrankung ließ sie sich nicht unterkriegen. Ihrem Arbeitgeber fehlte jedoch auf Dauer die Geduld und sie verlor ihren Job. Dann erfüllte sie sich einen Traum und zog ihr eigenes Geschäft auf.

Daniela Auer verkauft in ihrem Geschäft keine Allerwelts-Artikel. | © Heise

Mal sind ihre Haare rotgefärbt, mal grün. Daniela Auer mag es bunt. So ist auch ihr Geschäft voll mit vielen verschiedenen Farben – wobei die Farbe grün dominiert. Denn schließlich ist es ihr persönlicher kleiner Wald, von dem sie immer geträumt hat, und sie selbst ist die Waldfee. Ursprünglich hatte sie das Lädchen für liebevolle Handarbeit in der Bucher Straße 71 in Nürnberg gemeinsam mit einer Freundin aufgemacht. Daher kam auch der Name „Holla, zwei Waldfeen!“ Doch wenige Monate nach der Eröffnung im November 2013 stieg Auers Partnerin von einem Tag auf den anderen aus, und seitdem führt sie das Geschäft allein.

Die 38-jährige Fränkin hat diesen persönlichen Rückschlag genau wie viele andere zuvor weggesteckt. Seit 23 Jahren hat sie chronische Polyarthritis, das heißt eine entzündliche Erkrankung der Gelenke. Über Umwege erlernte sie den Beruf der Kinderpflegerin und betreute schwerbehinderte Kinder. Wegen ihrer Krankheit fiel sie aber immer mal wieder aus. Im Oktober 2012 musste sie sich erneut einer von vielen Gelenk-Operationen unterziehen. Als sie vom Krankenhaus nach Hause kam, hatte sie ein Schreiben vom Arbeitgeber im Briefkasten. Nach 15 Jahren Mitarbeit wollte sich das Unternehmen von ihr trennen. Für sie ein Schock. Sie ging vors Arbeitsgericht und erkämpfte sich „wenigstens eine kleine Abfindung“, erzählt Daniela Auer.

Außerdem kämpfte sie vier Jahre für eine Umschulung. Diese wurde ihr aber leider nie genehmigt. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, da ich befristete Hilfsarbeitsjobs und Arbeitslosigkeit satt hatte und das ständige Antragstellen für die Umschulung ja auch keinen Sinn machte“, berichtet sie weiter. So beschloss sie, sich selbstständig zu machen. Eine wichtige Stütze für sie ist auch der Sozialverband VdK, dem sie seit elf Jahren angehört. Die Liebe zur Arbeit mit Stoffen hat Daniela Auer von ihrer Mutter geerbt, die Schneiderin ist. Deswegen hatte sie auch schon früh die Idee, mit ihr ein Geschäft aufzumachen. Doch ihre Mutter hielt das für eine „Schnapsidee“. Deswegen setzte sie ihren Traum ganz ohne Hilfe der Eltern um.

Sie beantragte mit Erfolg bei der Rentenversicherung einen Gründungszuschuss. Ein Coach bei der Industrie- und Handelskammer stand ihr mit Rat zur Seite. Sie mietete Geschäftsräume an einer viel befahrenen Ausfallstraße in der Nürnberger Innenstadt, renovierte mit ihrer damaligen Partnerin zwei Monate lang, und am 2. November 2013 eröffnete sie das Geschäft. Zwei Tage davor informierte sie ihre Eltern. Am Eröffnungstag standen die interessierten Käufer bis auf die Straße Schlange. Über Facebook und dank vieler Presseberichte wurde das Geschäft immer bekannter. „Nach einem dreiviertel Jahr war ich im Plus“, erzählt sie stolz.

Ihr Konzept funktioniert bis heute. Sie verkauft einiges von ihr selbst Genähtes, vertreibt Kleider und Accessoires handverlesener Hersteller, die zu ihren Produkten passen, und vermietet Regalflächen. Letztere sind über Monate hinweg ausgebucht und bringen ihr feste Mieteinnahmen sowie beim Verkauf der Waren zusätzlich noch eine Provision ein. Schließlich bietet sie in ihrem Geschäft immer wieder Workshops zu verschiedenen handwerklichen Techniken an, wie „Stampin Up“, dem Gestalten von Karten und Verpackungen mit Papier, Stempeln und Stanzen, oder „Klöppeln“, eine alte Handarbeitstechnik.

Daniela Auer hat aus ihrem Geschäft eine echte Marke gemacht. Eine Freundin, die Illustratorin ist, hatte ihr auch ein Logo mit zwei Waldfeen kreiert, das sie an der Tür, auf Postkarten und bei Facebook verwendet. Sie ist die mit den roten Haaren, ihre ehemalige Partnerin die mit den schwarzen Haaren. Dass sie jetzt den Laden nur noch allein betreibt, stört sie nicht. Sie sucht auch gar keine Partnerin. „Ich hoffe, dass es mir gesundheitlich weiterhin so gut geht“, sagt sie. Ursprünglich wollte Daniela Auer ihr Geschäft „Holla, die Waldfee“ nennen. Doch dieser Name war leider geschützt. So sind es eben zwei Waldfeen, von denen aber nur eine ihrem Wäldchen treu geblieben ist.

Sebastian Heise

Schlagworte Polyarthritis | Menschen mit Behinderung | Daniela Auer

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