3. März 2015
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Vom hässlichen Entlein zum geliebten Oldtimer

Vor 25 Jahren stellte Citroën die Produktion des 2CV ein – VdK-Mitglieder schwärmen über das unkonventionelle Fahrzeug

Foto-Galerie: Enten-Parade

Der Citroën 2CV, liebevoll "Ente" genannt, wird seit 1990 nicht mehr hergestellt. Aber noch immer fahren Liebhaber mit dem Modell. Hier einige Bilder, zum Teil auch von VdK-Mitgliedern.

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  • Von 1948 bis 1990 stellte Citroën insgesamt 3.872.583 2CV her.
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  • 1948 wurde der 2CV erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
    1948 wurde der 2CV erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
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  • „Enten“-Treffen in Erpel am Rhein.
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  • VdK-Mitglied Ursula Reising beim Bemalen ihrer guten alten „Ente“. Ihr Enkelkind sagt „Schaukelauto“ dazu.
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  • Für Transportfahrten rollt Markus Perl einfach das typische „Entendach“ zurück.
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  • Ein zugeschneiter 2CV.
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  • Dietmar Wolf gehört den Düsseldorfer Enten-Freunden „Düssel-Ducks“ an.
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  • Zu Zeiten der Abwrackprämie landeten in Deutschland auch viele 2CV auf dem Schrottplatz.
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  • Knapp 13.000 Enten waren zuletzt in Deutschland angemeldet.
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Nicht nur das Knattern und die Kurvenlage sind einmalig. Auch sonst hat der Citroën 2CV – in Deutschland liebevoll „Ente“ genannt – Eigenschaften wie kaum ein anderes Auto. Vor 25 Jahren kündigte der französische Hersteller das Produktionsende an. Der Popularität des Autos tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auch VdK-Mitglieder schwärmen auf Facebook von ihren Enten.

„Sie ist immer angesprungen und nie hängen geblieben“, sagt Ursula Reising über ihre Ente. „Ich habe sie geliebt.“ Ursula Reising ist Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Rodalben in Rheinland-Pfalz und war eine „stolze Besitzerin“ eines 2CV – oder wie ihr Enkelkind sagt, eines „Schaukelautos“.

Bereits Mitte der 1930er-Jahre bekam der Citroën-Konstrukteur André Lefèbvre den Auftrag, einen radikal minimalistischen Kleinwagen zu entwickeln: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter auf 100 km verbraucht.“ 250 Prototypen wurden gebaut. Doch wegen des Zweiten Weltkriegs wurde das Auto erst am 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt.

„Konservendose“

Die Journalisten machten sich über den 2CV lustig. „Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen“, schrieb die französische Satire-Zeitung „Le Canard enchaîné“. Ein niederländischer Journalist sprach von einem „hässlichen Entlein“ und gab so dem Auto seinen Spitznamen. Auch wenn die Presse lästerte – die Konstrukteure hatten weitgehend das umgesetzt, was ihr Auftrag war. Es wurde ein Auto, das sich dank der einfachen und damit kostengünstigen Bauweise auch weniger wohlhabende Menschen leisten konnten.

Schließlich waren auch die Unterhaltskosten relativ gering, und dank des kleinen Hubraums war es steuerlich recht günstig. Das „CV“ steht auch für „Cheval fiscal“, das wörtlich übersetzt „steuerliches Pferd“ heißt und für die Steuerklasse des Autos steht – und die Klasse „2“ ist eine niedrige Klasse. Die Ente wurde vor allem in Deutschland zum typischen Studentenauto. Sie war Ausdruck einer alternativen, konsumkritischen Lebenshaltung und von Freiheit.

Neben der günstigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten schätzten 2CV-Fahrer außerdem die vielen Besonderheiten ihrer Ente: So galt sie dank des aufrollbaren Verdecks aus Vinyl als preiswertes Cabrio. Paare kamen sich in der Ente auch näher, da die Schaltung sich nicht zwischen ihnen, sondern vor ihnen am Armaturenbrett befand. Die „phänomenale Kurvenlage“, wie Markus Rieger auf der Facebook-Seite des VdK bemerkte, sorgte neben dem typischen Knattergeräusch der Ente für ein besonderes Fahrgefühl. Da sowohl der Tank als auch der Boxermotor tief lagen und die Karosserie gleichzeitig sehr leicht war, hatte das Fahrzeug einen günstigen Schwerpunkt und konnte dadurch praktisch nicht umkippen. Zudem bot die Ente ausreichend Platz.

Da die Konstrukteure überall am Gewicht sparten und mehr ans Praktische dachten, war der Motor entsprechend klein und schwach. So leistete der neu entwickelte, luftgekühlte Zweizylinder mit 375 Kubikzentimetern Hubraum gerade einmal 9 PS (6,6 kW). 1970 erreichte der Citroën 2CV6 mit 602 Kubik-zentimetern Hubraum 28 PS.

Maximal 113 km/h „schnell“

Die Ente ist ein Auto, das eher überholt wird, denn die Höchstgeschwindigkeit ist im Vergleich zu den meisten anderen Pkw äußerst niedrig: Bei den ersten Modellen lag sie bei 70 km/h, bei den letzten Typen beträgt sie gerade einmal 113 km/h. Langsamkeit und geringe Leistung trugen aber mit zum Kult des Autos bei. „Die schönsten Reisen waren die mit der Ente, manchmal sehr zum Leidwesen der nachfolgenden Pkw-Fahrer, wenn es Richtung Italien den steilen Pass hinaufging“, berichtet Rosa Gabriele Abbühl-Herzsprung auf Facebook. Und Ursula Reising „war ganz stolz auf einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung“.

Zwischen 1949 und 1990 stellte Citroën insgesamt 3 872 583 2CV her. In Deutschland wurden davon 348 087 verkauft. Neben der Limousine stellte Citroën ab 1951 auch einen Lieferwagen auf Basis des 2CV her. Dieser sah vorne genauso aus, hinten hatte er jedoch einen kastenartigen, geräumigen Laderaum. Die „Kasten-Ente“ wurde über zwei Flügeltüren am Heck beladen. Dieses Modell war im öffentlichen Dienst sehr beliebt, beispielsweise setzte es der französische Straßenrettungsdienst und die belgische Post ein.

Am 27. Juli 1990 war Schluss

Das Ende der Ente kam in Raten. Im Februar 1988 wurde zum letzten Mal im französischen Citroën-Werk Levallois ein 2CV produziert. Zwei Jahre später beschloss der Autohersteller dann das endgültige Aus der Ente. Hauptgrund war die deutlich zurückgegangene Nachfrage: Statt mehr als 150.000 Fahrzeugen im Jahr wie in den 1960ern verkaufte Citroën zum Schluss weltweit jährlich nur noch etwa 20.000 Enten.
Das Modell entsprach in vielerlei Hinsicht nicht mehr den Standards. So gab es keine Dreipunkt-Sicherheitsgurte, und wegen der schlechten Abgaswerte wurden in einigen Ländern, wie beispielsweise in Österreich und der Schweiz, kein Citroën 2CV mehr zugelassen. So lief am 27. Juli 1990 um genau 16 Uhr im portugisischen Automobilwerk Mangualde die letzte Ente vom Band.

Vier Jahre später kam Dietmar Wolf aus Düsseldorf zu seiner ersten Ente. „Das war eine ganz pragmatische Lösung“, erzählt er. „Ich hatte nicht viel Geld und brauchte ein neues Auto.“ Deswegen kaufte er 1994 für weniger als 3000 D-Mark seinem Bruder dessen „letzte Ente“ ab. Irgendwann machte diese dann auf der Autobahn schlapp. Wolf hatte die Ente jedoch so liebgewonnen, dass er sich wieder eine kaufte. Heute kann er sich ein Leben ohne die Ente nicht mehr vorstellen.

„Düssel-Ducks“

Er schloss sich den Düsseldorfer Enten-Freunden „Düssel-Ducks“ an. Gemeinsam fahren sie mit ihren vierrädrigen Lieblingen kreuz und quer durch die Republik und treffen sich mit Mitgliedern anderer 2CV-Clubs wie den „Bielefelder Wildenten“, dem „Entennest Mülheim“, den „Weekents Aschaffenburg“, den „HHanseenten Hamburg“, den „Norder-Enten“ aus Schleswig-Holstein, den „ENThusiastEN Braunschweig“ den „Happy Ents Stuttgart“ oder dem Münchner „Entenstammtisch“.

Dietmar Wolf initierte 2004 das 1. Internationale Deutschlandtreffen der Freunde des 2CV mit 380 Fahrzeugen. Noch heute fährt er mit den anderen „Düssel-Ducks“ zu den Treffen. Im vergangenen Jahr trafen sich in der Nähe von Frankfurt am Main mehr als 700 Enten-Fahrer. Auch an Welt-Enten-Treffen nimmt Wolf teil. Das größte war 2011 in der Heimat des Kultautos: 7000 Enten kamen nach Salbris in der Mitte Frankreichs. In diesem Jahr findet die Veranstaltung in Polen statt.

Wolf schätzt am 2CV „dieses Gemütliche, das Spartanische“. Auch wenn das Fahrzeug nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards mit Airbag und Seitenaufprallschutz entspricht, fühlt sich der Rheinländer nicht unsicher in seinem 2CV. „Vom Fahren her ist das Defensive der Ente total zeitgemäß“, meint Wolf. Er genießt es, nicht so zu rasen. Wenn er mit 70 bis 80 km/h durch die Eifel kutschiert, fährt er regelmäßig rechts ran, um schnellere Autos vorbeizulassen.

Die Ente gehört in Deutschland zu den beliebtesten Oldtimern. Zum einen liegt dies natürlich am Kultcharakter des Fahrzeugs. Zum anderen daran, dass praktisch jedes Ersatzteil zu bekommen ist – egal ob im Internet, bei Händlern oder bei den großen Enten-Treffen. Gut gepflegte Fahrzeuge haben teilweise enorm an Wert gewonnen. Etwa 10.000 Euro müssen Käufer für eine Ente in gutem Zustand hinblättern. Ist sie sehr gut in Schuss und hat vergleichsweise wenige Kilometer auf dem Buckel, verlangen Verkäufer zwischen 13.000 und 20.000 Euro, manchmal sogar 35.000 Euro.

Knapp 13.000 Enten waren zuletzt in Deutschland angemeldet. Markus Perl besitzt eine davon. Selbst größere Transporte macht er mit dem Citroën 2CV. Dann rollt er einfach das Verdeck zurück, stellt das Regal oder die große Zimmerpflanze auf die Rückbank und lässt alles oben rausschauen. Auf der Facebook-Seite des Sozialverbands VdK Deutschland schreibt er: „Ich fahre Ente, seit ich 18 bin. Sommer wie Winter. Es gibt kein besseres Auto.“

Sebastian Heise

Schlagworte Auto | Ente | Oldtimer | Citroën 2CV | 2CV

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