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Das Erlebnis Pilgern zieht immer mehr Menschen an

238.000 Menschen absolvierten 2014 den Jakobsweg – VdK-Mitglied wanderte auch auf Hape Kerkelings Spuren

Nicht nur für den Entertainer Hape Kerkeling war die Pilgerreise nach Santiago de Compostela ein einschneidendes Erlebnis. Auch andere Menschen berichten, wie die Wanderung auf den Spuren des Heiligen
Jakobus sie verändert hat. Pilgern wird immer beliebter.

Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, dem wohl bekanntesten und beliebtesten Pilgerweg. | © Josef Messerklinger


"Dieser Weg ist hart und wundervoll", sagt Josef Messerklinger. Er sei "eine Herausforderung und eine Einladung zugleich". Josef Messerklinger, stellvertretender VdK-Ortsvorsitzender im niederbayerischen Preying, ist einer von geschätzt mehr als zehn Millionen Menschen, die bisher in den nordspanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, zum Grab des Apos­tels Jakobus, gepilgert sind.

Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl zu. 1994 waren es knapp 16.000, im Jahr 2000 bereits 55.000, und im vergangenen Jahr zählte das Pilgerbüro in Santiago 238.000 Menschen. In Deutschland hat vor allem das 2006 veröffentlichte Buch von Hape Kerkeling einen Boom ausgelöst, der bis heute anhält, wie Gerda Montkowski von der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft bestätigt. Ihre Gesellschaft ist eine von zwei Dutzend, die in Deutschland Pilger­ausweise für den "Camino", den Jakobsweg, ausstellen.

Mit diesen Ausweisen können sich die Pilger auf der Strecke per Stempel von den Herbergen bestätigen lassen, dass sie den Pilgerweg auf traditionelle Weise absolviert haben. Wer mindestens die letzten 100 Kilometer auf dem Camino zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer per Rad beziehungsweise auf dem Pferd zurückgelegt hat, bekommt dann in Santiago die Pilgerurkunde "Compostela".

Der Glaube als Motivation rückt dabei zunehmend in den Hintergrund. 2014 gaben nur noch 28 Prozent an, rein aus religiösen Gründen gepilgert zu sein. Fünf Prozent waren kulturell interessiert. Die große Mehrheit, zwei Drittel, sagte, reli­giös und kulturell motiviert gewesen zu sein. Viele Menschen pilgern "aus innerem Antrieb", sagt Montkowski. Sie selbst hatte auch "den Drang gespürt, den Weg zu gehen".

Josef Messerklinger hatte vorher immer davon gesprochen, nach Santiago zu pilgern, und als er dann zu seinem 60. Geburtstag die dazu passenden Geschenke bekommen hatte, setzte er seine Pläne in die Tat um. Aus heutiger Sicht habe er die Reise "recht blauäugig" organisiert, erzählt er. Seine Vorbereitung bestand hauptsächlich darin, einen Flug zu buchen.

Er flog in den Südwesten Frankreichs und startete wie Hape Kerkeling in Saint-Jean-Pied-de-Port. Am ersten Tag musste er gleich die Pyrenäen überwinden. Messerklinger hatte sich allein auf den Weg gemacht, was er auch im Nachhi­nein als richtig bezeichnet. Er sei zwar immer wieder gerne gemeinsam mit anderen Menschen gewandert. Aber "man muss sein eigenes Tempo gehen". Oft habe er erlebt, wie sich Paare gestritten haben, weil einer von beiden nicht mehr weiterlaufen wollte.

Auf dem 800 Kilometer langen Camino erlebte Messerklinger Höhen und Tiefen, sowohl in geografischer als auch in psychischer Hinsicht. "Der Weg macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück." Es habe Zeiten gegeben voller Elan, aber auch Zeiten, in denen es ihm nicht so gut ging.

Anders als Kerkeling, der es nicht lange in den Pilgerherbergen aushielt und dann in Pensionen oder Hotels schlief, übernachtete Messerklinger auf der gesamten Strecke in den einfachen Herbergen mit Mehrbettzimmern. Messerklinger erinnert sich gerne an die Unterkünfte. Er habe dort teilweise für nur drei Euro ein Bett, für zwei Euro ein gutes Frühstück und für weitere drei Euro "ein wunderbares Abendessen mit Nachspeise" bekommen, berichtet er.

Trotz unruhiger Nächte und einiger Schmerzen bewältigte er die komplette Strecke. An seine Gefühle am Zielort kann er sich nicht mehr so genau erinnern. "Nach der Tour war ich zuerst einfach nur platt." Aber die Pilgerreise habe ihn verändert. "Man lernt sich selber ein bisschen mehr kennen", sagt er. "Und man setzt andere Prioritäten." Noch immer zehre er von den Erfahrungen, die er auf dem Pilgerweg gemacht habe.

Inzwischen begleitet Messerklinger Menschen auf dem neuen "Via Nova Pilgerweg", an der seine Heimatgemeinde liegt. Dieser über­konfessionelle Pilgerweg verbindet Österreich mit Tschechien. Nicht nur die Zahl der Pilger nahm in den vergangenen Jahren immer weiter zu, sondern auch die Wege. Heute gibt es nicht mehr nur die klassischen Ziele wie Santiago de Compostela, Jerusalem, Rom oder Mekka. Das Ziel ist häufig eher die Suche zu sich selbst, zu seiner eigenen Mitte.

Sebastian Heise

Schlagworte Pilgern | Pilgerweg | Santiago de Compostela | Hape Kerkeling

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