27. Januar 2015
VdK-Zeitung Archiv

„Mein großer Traum ist es, Medizin zu studieren“

VdK-Mitglied Antonia Zwick lässt sich von chronischer Krankheit nicht unterkriegen – Im Beruf möchte sie sich für andere einsetzen

Während ihre Mitschüler sich den Prüfungsstoff für das Abitur einprägten und die Facharbeiten schrieben, lag Antonia Zwick im Krankenhaus. Sie stand 2007 kurz vor einem Nierenversagen. Bald darauf brachten Untersuchungen die schockierende Gewissheit: Sie leidet an einer seltenen, unheilbaren Erkrankung der Stammzellen. Zum Glück gab es bereits eine Behandlung, die einen akuten Verlauf verhindert. Heute steht für die 26-Jährige nicht mehr ihre Krankheit, sondern der Einsatz für andere im Vordergrund.Nachdem sie bereits ausgebildete Rettungsassistentin ist, möchte sie als Nächstes Medizin studieren.

Mutmacherin: VdK-Mitglied Antonia Zwick möchte trotz einer seltenen chronischen Erkrankung an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, die hier im Hintergrund zu sehen ist, Medizin studieren, um eines Tages Ärztin zu werden. | © Antritter

„Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie“, was für ein Zungenbrecher. Antonia Zwick kommen die drei Worte flüssig über die Lippen. Kein Wunder, erfuhr sie doch vor sieben Jahren, dass der Fachbegriff mit ihr selbst sehr viel zu tun hat. Der Name bezeichnet eine seltene chronische Erkrankung der Stammzell en, an der sie seit 2007 leidet. In einem Café im Münchner Univiertel erklärt Antonia Zwick, was die Erkrankung (kurz PNH) auszeichnet: „Es handelt sich um eine seltene Form von Anämie, also Blutarmut. Die roten Blutkörperchen werden zerstört und vom Knochenmark nicht mehr richtig gebildet.“ Als chronisch Kranke trägt sie einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis mit einem Grad der Behinderung von 50 bei sich.

Abitur trotz Krankheit

Antonia Zwick erinnert sich noch gut daran, wie sie sich fühlte, als sie die Nachricht bekam, unheilbar krank zu sein. „Das war wirklich ein Schock. Damals wohnte ich noch bei meinen Eltern in Coburg, wo ich die zwölfte Klasse auf dem Gymnasium besuchte.“ Eine Zeit, in der sich bei den Schülern viele Weichen stellen und Zukunftsentscheidungen getroffen werden müssen, etwa über die berufliche Laufbahn. Antonia Zwicks größter Wunsch: Ärztin werden. „Die Krankheit hat meine Pläne erst mal durchkreuzt.“

Angesichts der erschwerten Umstände hat sie eine Meisterleistung vollbracht, indem sie die Abiturprüfungen 2008 bestanden hat. Ihre Familie, Freunde und Lehrer standen hinter ihr. Trotzdem knabbert die junge Frau heute noch daran, dass der Notendurchschnitt für ein Medizinstudium nicht genügte. Derzeit wohnt die 26-Jährige in München. „Ich habe viel Lebensqualität zurückgewonnen. Ich würde sagen, sie liegt bei 80 Prozent“, schätzt Antonia Zwick. Seit der Diagnose ist sie in medizinischer Behandlung. Das VdK-Mitglied bekommt alle zwei Wochen eine Infusionstherapie, durch die das Risiko, eine Anämie zu entwickeln, erfolgreich in Schach gehalten wird.

Nicht aufgeben

„Es ist wichtig, den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, betont die junge Frau, die trotz der Krankheit ihren beruflichen Weg geht. Letztes Jahr hat sie eine zweijährige Ausbildung zur Rettungs assistentin abgeschlossen. „Ich bin mit Blaulicht anderen Menschen zu Hilfe geeilt, die in Lebensgefahr schwebten“, erzählt Antonia Zwick. Auf die Frage, weshalb sie sich ausgerechnet dieses Arbeitsfeld ausgesucht hat, antwortet sie: „Für den Rettungsdienst muss man natürlich belastbar und unerschrocken sein, aber am wichtigsten ist es mir, anderen Menschen helfen zu können.“ Sie hat aber auch festgestellt, dass die Arbeit ihr selbst hilft. „Der Einsatz für andere lenkt mich vom eigenen Schicksal ab.“

Der Rettungsdienst war zudem eine gute Schule für ihr nächstes Ziel: Sie nimmt ihren Plan, Ärztin zu werden, wieder auf. Denn nach sechs Jahren Wartezeit nach dem Abitur werden in Deutschland Studienplätze für Medizin vergeben, auch wenn beim Zeugnis keine Eins vorm Komma steht. Das „Mediziner-Gen“ liegt offenbar in der Familie. „Mein Vater ist Internist und meine jüngere Schwester studiert gerade Medizin.“ Antonia Zwick hat sich nun für ein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München beworben und hofft, dass sie einen Studienplatz in der bayerischen Landeshauptstadt bekommt.

Info

Am 28. Februar ist der „Tag der seltenen Erkrankungen“, der auf die Betroffenen aufmerksam macht. Wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von einer Erkrankung betroffen sind, gilt sie in der EU als selten. Im Bereich der seltenen Erkrankungen fehlt es häufig an Informationen, Experten, Therapien und Forschung. Ratsuchende können sich an den bundesweit aktiven Verein „ACHSE – Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen“ wenden. Betroffene und Angehörige werden unter der Rufnummer (030) 33 007 08-0 jeweils montags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung per E-Mail beratung@achse-online.de beraten. Mehr Infos im Internet unter www.achse-online.de

Elisabeth Antritter

Schlagworte Chronische Erkrankungen | Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie | Antonia Zwick | Medizinstudium

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