26. Juni 2014
VdK-Zeitung Archiv

Kleiner Salon als großes Vorbild

Friseurmeisterin Heidi Bender aus Schnaittach zeigt, was Inklusion bedeutet

Was viele große Unternehmen, die eigentlich dazu verpflichtet sind, noch immer nicht machen, ist für eine Friseurmeisterin im mittelfränkischen Schnaittach eine Herzensangelegenheit: Inklusion. Heidi Bender hat in ihrem Salon eine junge Frau mit Behinderung angestellt. Nina Scheuring ist sogar die einzige angestellte Vollzeitkraft neben drei Teilzeitbeschäftigten.

Nina Scheuring arbeitet als Friseurin im Salon von Heidi Bender im mittelfränkischen Schnaittach. | © Heise

Schon als Kind träumte Nina Scheuring davon, einmal als Friseurin zu arbeiten. Ihr Großvater hatte einen Salon und dann ihre Tante. Bereits im Elternhaus in Hüttenbach im Nürnberger Land versuchte sie sich in jungen Jahren an den Haaren der Zwillingsschwester und von Freunden. Doch als sie mit elf Jahren an Lymphknotenkrebs erkrankte, rückte ihr Berufstraum in weite Ferne. Weil der Krebs nicht komplett entfernt werden konnte, muss die 20-Jährige seitdem immer wieder operiert werden.

Außerdem hatte Nina Scheuring bei einer Operation großes Pech. Die Chirurgen verletzten aus Versehen einen Nerv, sodass seitdem eine Gesichtshälfte gelähmt ist. Wegen der Lähmung und ihrer Narben musste sie in der Schulzeit viel Spott ertragen. Doch sie ließ sich von all den Rückschlägen nie entmutigen. Ihre Zwillingsschwester versorgte sie bei jeder Auszeit mit den Unterrichtsmaterialien und Schulaufgaben. Die Fränkin schaffte so den Hauptschulabschluss – und das sogar genauso schnell wie die anderen.

Hilfe der Mitschülerinnen

Schätzen sich beide sehr: Nina Scheuring (rechts) und Salonbesitzerin Heidi Bender. | © Heise

Doch als sie sich dann für eine Lehrstelle bewarb, bekam sie nur Absagen – bis sie sich an Heidi Bender wandte. Diese vertraute Nina Scheuring. In einem von der Arbeitsagentur geförderten Qualifizierungsjahr bewies Nina Scheuring ihr Talent und großes Engagement, so dass Heidi Bender sie als Lehrling anstellte. Trotz der gesundheitlich bedingten Ausfälle schloss Nina Scheuring ihre Gesellenprüfung erfolgreich ab. Neben ihrer Chefin halfen ihr dabei auch die Mitschülerinnen an der Berufsschule Nürnberger Land in Lauf.

Nach ihrem Abschluss übernahm Heidi Bender die junge Friseurin. Seit mehr als einem Jahr arbeitet die 20-jährige Fränkin nun im Salon von Heidi Bender als ausgebildete Friseurin. Neben der Chefin ist Nina Scheuring sogar die einzige Vollzeitkraft. Bei der vergangenen Preisverleihung der Initiative „JobErfolg“ bekam Heidi Bender den Ehrenpreis. Die Auszeichnung des Bayerischen Landtags, des bayerischen Sozialministeriums und der Behindertenbeauftragten der bayerischen Staatsregierung, Irmgard Badura, wird jedes Jahr an Betriebe verliehen, die sich besonders um das Thema Inklusion verdient machen. Die Berufsschullehrer von Nina Scheuring hatten die Friseurmeisterin Heidi Bender vorgeschlagen, und die Jury wählte sie schließlich für den Ehrenpreis aus. „Solche Dienstleister brauchen wir“, sagte Irmgard Badura.

In einem vom Sozialverband VdK Bayern finanzierten Film, der bei der Preisverleihung in Straubing gezeigt wurde, wird deutlich, wie gut sich Nina Scheuring und Heidi Bender verstehen und welches Vertrauen sie zueinander haben. „Wir halten zusammen“, sagt Nina Scheuring. Neben ihrem Können schätzt Heidi Bender an ihrer Mitarbeiterin eine ganze Reihe von Eigenschaften, wie ihre Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Korrektheit und vor allem auch ihre Loyalität gegenüber der Chefin und dem Friseursalon. Bei den Kolleginnen ist Nina Scheuring ebenfalls sehr beliebt. Sie mögen ihre offene Art und Teamfähigkeit. Über Mangel an Arbeit kann sich die junge Friseurin auch nicht beklagen. Nina Scheuring ist so gut gebucht, dass es schwierig ist, einen Interviewtermin mit ihr zu vereinbaren.

Neben dem fachlichen Können verbindet Nina Scheuring mit ihrer Chefin das private Schicksal. Heidi Bender ist vor acht Jahren ebenfalls an Krebs erkrankt. Glücklicherweise ist sie geheilt worden. Immer wieder tauschen sich die beiden Frauen über ihre Erkrankungen aus. „Dann weinen wir zusammen, und dann lachen wir auch wieder zusammen“, sagt Heidi Bender, die ihren Salon in Schnaittach bereits seit 24 Jahren betreibt. „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Diesen Spruch hat Heidi Bender an einer Wand in ihrem Salon hängen, und sie füllt ihn selbst immer wieder mit Leben. Kunden, die wegen einer Behinderung nicht allein in ihren Salon kommen können, lässt sie abholen oder in deren Wohnung frisieren.

Dass Nina Scheuring an Krebs leidet, haben viele ihrer Kunden erst erfahren, als die Lokalpresse über den Preis „JobErfolg“ berichtet hat. Die Friseurin stellt sich selbst nicht in den Vordergrund. Außerdem liebt sie ihren Beruf so sehr, dass sie ihre gesundheitlichen Sorgen vergisst. „Ich fahre jeden Tag gerne in die Arbeit“, sagt sie. „Ich kann dann meine Kreativität ausleben.“ Aber auch in ihrer Freizeit kann Nina Scheuring gut abschalten. Sie ist gerne an der frischen Luft – beim Inlineskaten, Fahrradfahren oder Schwimmen.

Auch künftig muss Heidi Bender immer wieder auf ihre engagierte Mitarbeiterin verzichten. Alle vier Wochen muss Nina Scheuring zur Kontrolluntersuchung in die Tumorsprechstunde, und wenn der Krebs sich wieder zu stark ausgebreitet hat, muss die junge Frau erneut operiert werden. Denn ganz entfernen können die Ärzte den Tumor nicht, weil sie sonst lebenswichtige Funktionen gefährden würden. „Klar, dass Angst dabei ist“, sagt Nina Scheuring. „Ich lass mich aber nicht unterkriegen.“

VdK INTERNET-TV

Video im VdK-TV

Auf dem Portal des VdK-Internet-TV ist ein Video über Heidi Bender und Nina Scheuring abrufbar. Den Beitrag finden Sie hier:

Erfolg mal anders: Der Salon Heidi

Sebastian Heise

Schlagworte Inklusion | Inklusion im Arbeitsleben | JobErfolg | Friseurin | Heidi Bender | Nina Scheuring

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