2. Dezember 2013
VdK-Zeitung Archiv

Valentins Mutter ist kein Weg zu weit

Mithilfe des VdK setzt sich Martina Brand für ihren gehbehinderten Sohn ein

Als Valentin ein Jahr alt war, lernte er trotz seines stark verkürzten Oberschenkels laufen. Ein kleiner Kämpfer, das wusste seine Mutter Martina Brand schon damals. Und für ihren außergewöhnlichen Jungen hat die Münchnerin ein außergewöhnliches Ziel: dass Valentin ohne Hilfsmittel auf eigenen Beinen durchs Leben gehen kann. Ein steiniger Weg.

Der vierjährige Valentin Brand aus München hat eine seltene Oberschenkel-Hüft-Fehlbildung. Seine Mutter Martina hofft, dass er irgendwann einmal auf eigenen Beinen durchs Leben gehen kann. | © Faltus

Strohblondes Haar, strahlende Augen, süßer Schmollmund: ein kleiner Junge wie aus dem Bilderbuch. Dass Valentin beim Gehen hinkt, fällt im ersten Moment kaum auf. Die sehr seltene, angeborene Oberschenkel-Hüft-Fehlbildung, in der Fachsprache PFFD (proximaler fokaler Femurdefekt), und die Orthoprothese sind unter den weiten Hosen nicht zu sehen. Doch was für Außenstehende im Verborgenen bleibt, ist für den Vierjährigen und seine Mutter Martina Brand allgegenwärtig.

Einen ganz normalen Alltag kennt die Alleinerziehende nicht. Statt Mutter-Kind-Turnen stehen Physiotherapeuten-Besuche im Kalender, statt Kaffeeklatsch Beratungsgespräche beim VdK. Dass sie der VdK Bayern in sozialrechtlichen Fragen unterstützt, dafür ist Martina Brand sehr dankbar. Zuletzt ging es um die Anerkennung des Merkzeichens aG (außergewöhnlich gehbehindert) die Erhöhung des Grades der Behinderung (GdB) auf 80 in Valentins Schwerbehindertenausweis. Die Alleinerziehende hatte einen Antrag beim Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) gestellt. Dieses lehnte aber nicht nur den Antrag auf aG ab, sondern wollte Valentin auch das bereits bestehende Merkzeichen B (Begleitperson) wieder entziehen.

Außerdem sollte der kleine Junge auf einen GdB von 50 heruntergestuft werden. Weil Valentin kurz zuvor eine aufwendige Operation bei einem Spezialisten in den USA hinter sich gebracht hatte, ging das Versorgungsamt von einer Verbesserung seiner Behinderung aus. Weit gefehlt. Die Operation von Hüfte und Oberschenkel war erst der Anfang eines langen Weges der Besserung. Mindestens weitere zehn Operationen werden folgen, bis der rechte Oberschenkel lang genug ist, dass Valentin auf seinen eigenen Beinen durchs Leben gehen kann. Dann wird er 20 Jahre alt sein.

Doch seiner Mutter ist kein Weg zu weit und keine Hürde zu hoch. „Ich werde alles dafür tun, dass Valentin einmal ohne Hilfsmittel gehen und beide Beine auf den Boden setzen kann“, sagt sie. Weil die Operationen nicht nur mit großen Strapazen für Mutter und Kind, sondern auch mit hohem finanziellen Aufwand verbunden sind, sammelt die Alleinerziehende unermüdlich Spenden.

Erfolge wie die Anerkennung des Merkzeichens aG und den Erhalt des GdB 80 sowie des Merkzeichens B, geben Martina Brand Kraft, weiter für ihren Sohn zu kämpfen. Auch Sven Schrems, Sachbearbeiter beim VdK-Kreisverband Starnberg, freut sich mit den Brands über diesen Erfolg, den er mithilfe eines medizinischen Attests erreichen konnte. „Vor allem, dass das Merkzeichen aG anerkannt wurde, ist für Frau Brand eine große Hilfe.“ Dieses erlaubt es der Mutter, auf einem Behindertenparkplatz zu parken. Zwei Buchstaben, die eine große Erleichterung für sie bedeuten.

Caroline Faltus

Schlagworte Oberschenkel-Hüft-Fehlbildung | proximaler fokaler Femurdefekt | Merkzeichen | Grad der Behinderung

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