29. November 2013
VdK-Zeitung Archiv

Ein Laden, der hilft, sich selbst und anderen Gutes zu tun

Der Verein Freie Selbsthilfe vermittelt seit 65 Jahren Kunst, Krempel und Klamotten – Ehrenamtliche nehmen an und verkaufen

Der älteste Münchner Secondhand-Laden hat nicht nur Gebrauchtes zum kleinen Preis im Angebot, sondern auch wahre Schätze im Regal stehen. Arme und Reiche, Junge und Alte gehen bei der Freien Selbsthilfe auf die Suche – fündig wird jeder. Und wenn es ein gutes Gespräch mit einer der ehrenamtlichen Damen ist.

Die ehrenamtlichen Frauen sind die Seele des Secondhand-Ladens Freie Selbsthilfe. Gertrud Dähne (rechts) und Hedda Dommaschk gehören zum Team. | © Faltus

Es ist angenehm warm. Nicht nur die Zimmertemperatur, auch die Atmosphäre im Raum. Einem Raum voll von Kleidern, Schuhen, Porzellan, Kristall, Schmuck und Bildern. Wer den Laden der Freien Selbsthilfe betritt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – obwohl die alten Uhren an den Wänden unermüdlich ticken. Der Trubel der Großstadt bleibt draußen, unpersönliches Kaufhausklima ebenfalls.

Was im zweiten Stockwerk im Rückgebäude der Theresienstraße 66 in München angenommen und verkauft wird, hat Geschichte. 26 Frauen zwischen 65 und 90 Jahren kümmern sich darum, dass der Laden läuft. Täglich sind bis zu sieben Frauen in der Annahme, im Verkauf und im Büro im Einsatz. Ehrenamtlich, versteht sich. Eine der Frauen ist Brigitte von Zeddelmann. Die Kunsthistorikerin schätzt für die Freie Selbsthilfe seit 35 Jahren Gemälde, Porzellan und andere Kunstgegenstände. Schon während ihrer Berufstätigkeit arbeitete sie ehrenamtlich im Secondhand-Laden, heute ist sie Rentnerin. „Es ist unglaublich schön, hier zu sein“, sagt sie. „Wenn die Leute ihre Koffer öffnen, ist das für mich jedes Mal wie Weihnachten.“

Denn nicht nur Krempel, auch wahre Schätze bringen die Kunden in den Laden. Dann ist es an ihr und ihren Kolleginnen, herauszufinden, ob es etwas wert ist und, wenn ja, wie viel. Wenn die Gegenstände verkauft sind, bekommt der Kunde den Schätzpreis, der ihm bei der Annahme genannt wurde.

Faire Preise für die Kunden

Fairness ist für die Frauen der Freien Selbsthilfe selbstverständlich. Über den Tisch gezogen wird hier keiner. Der Verein verdient gerade so viel, um seine Ausgaben, wie etwa die Miete, zu bezahlen. Brigitte von Zeddelmann erinnert sich an einen älteren Herrn, der eine Armbanduhr in Kommission geben wollte und fragte, ob er dafür wohl noch zehn Euro bekäme. Die Expertin nahm die Uhr unter die Lupe und riet ihm, damit zum Auktionshaus zu gehen. „Das Stück war 700 Euro wert“, sagt sie. Die leuchtenden Augen des Mannes wird sie nicht vergessen.

Sowieso geht es dem Verein in erster Linie um den guten Zweck. Das war schon immer so. Im Jahr 1948 gründeten US-Amerikanerinnen und Münchnerinnen die Freie Selbsthilfe e. V., um Familien zu unterstützen, die nach dem Krieg wenig Geld hatten. So halfen sie sowohl denen, die schnell an Geld kommen mussten, als auch denen, die sich die teuren Waren in den Kaufhäusern nicht leisten konnten. Und heute? Heute kommen verarmte Adelige mit Familienschätzen und Enkelinnen mit Omas Tischdecken, Sammler auf der Suche nach wertvollem Porzellan und Geringverdiener auf der Suche nach einer warmen Jacke. Eines haben die Gegenstände gemeinsam: Sie sind alle gut erhalten.

Was schnell wieder über die Theke geht und was sich als Ladenhüter entpuppt, kann keiner so genau sagen. „Bei außergewöhnlich schönen Dingen bin ich mir oft sicher, dass sie weggehen wie warme Semmeln, und dann stellt sich heraus, dass das grausige Stück daneben viel schneller verkauft wird“, sagt die Kunsthistorikerin und lacht. „Geschmäcker sind eben verschieden.“ Bevor die Waren im Schrank verstauben, werden sie nach einer gewissen Zeit entweder aussortiert oder reduziert. Kleidung wird bereits nach zwei Monaten vom Bügel genommen und durch neue ersetzt. „Wenn die Eigentümer die Kleider dann nicht holen, geben wir sie umsonst an die Diakonie weiter“, erklärt Gertrud Dähne, die seit 17 Jahren zur Freien Selbsthilfe gehört. So kommen die Sachen immer da an, wo sie am meisten gebraucht werden. „Wer etwas bei uns abgibt, kann sich selbst und vor allem anderen helfen.“

Info

Der Verein Freie Selbsthilfe in der Theresienstraße 66 in München hat Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet, zwischen 10 und 15 Uhr werden Waren angenommen. Donnerstags ist der Secondhand-Laden von 13 bis 18.30 Uhr offen, Annahme ist von 13 bis 17 Uhr. Am Samstag findet der Verkauf von 11 bis 14 Uhr statt, Waren werden nicht angenommen. Infos gibt es unter der Nummer (089) 282715.

Caroline Faltus

Schlagworte Secondhand-Laden | Gebrauchtes | Ehrenamt | Freiwilliges Engagement

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