27. September 2013
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Furchterregende Folterwerkzeuge und wilde Wege

Wissenswertes aus dunkler Zeit im Hexenmuseum mit Hexenpfad im niederbayerischen Ringelai

Hexenglauben und Hexenverfolgung: Bis ins 18. Jahrhundert gab es diese Hetzjagden in Europa. Vor allem Frauen verloren ihr Leben auf dem Scheiterhaufen. In Deutschland starben zwischen den Jahren 1300 und 1750 etwa 25.000 Menschen, davon auch sehr viele in Bayern. Im Hexenmuseum in Ringelai wird ein unrühmliches Kapitel Heimatgeschichte aufgeschlagen.


1703 wurde in diesem kleinen niederbayerischen Ort im Bayerischen Wald die letzte Hexenverbrennung im Fürstbistum Passau vollzogen. Es traf die Magd Afra Dick und die Bäuerin Maria Kölbl. Das Museum, das im Hotel Gross in der Ortsmitte besichtigt werden kann, ist düster und schummrig. Man sieht einen nachgebildeten Scheiterhaufen, Folterinstrumente wie „spanischer Stiefel“ oder „Brustzange“ und einen Wipp-Galgen.

Grausige Folterinstrumente sind im Hexenmuseum Ringelai zu sehen. Und wer will, kann den 13 Kilometer langen Hexenpfad erkunden. | © Huschke

Hotelier und Museumsgründer Josef Gross hat die Szenerien nachgestellt, akribisch in der Vergangenheit des Ortes recherchiert und 1997 das Museum eröffnet. Gründe für den Hexenwahn gab es viele: Missernten, Krankheiten, Katastrophen, aber auch persönliche Rivalitäten und Machtkämpfe waren der Auslöser für Anschuldigungen. Hinter den Kulissen spielten wohl auch noch andere Beweggründe eine Rolle: Die Bevölkerung wurde damals durch solch ein Tribunal eingeschüchtert und zur religiösen Unterwürfigkeit gezwungen. Möglicherweise fürchtete die Obrigkeit auch eine Rebellion unterer Schichten.

Doch wie kam es, dass zwei Frauen des Dorfes als Hexen verunglimpft werden konnten? Afra wurde als uneheliches Kind in einer abgelegenen Mühle, der heute noch existierenden Heindlmühle bei Ringelai, an einem zur damaligen Zeit zwielichtigen Ort geboren. Maria, die ihren ersten Gatten überlebt und nochmals geheiratet hat, galt bei ihren Nachbarn als Ehebrecherin. Nächtens sollen sich beide mit böhmischen Musikanten und einheimischen Glücksspielern getroffen haben. Einige Einheimische glaubten damals, sie hätten Vieh verhext und mithilfe ihrer Hexenkünste Milch gestohlen.

Außerdem hätten sie einen Drachen angelockt, der mehrmals über das Tal von Ringelai geflogen sein soll. Bei den Frauen wurde eine Hexensalbe entdeckt, ein halluzinogenes Rauschgift. „Die beiden Frauen wollten wohl mit dieser Droge ihrem tristen, armseligen Leben entkommen“, vermutet Josef Gross. Auf dem Frueth-Hof, wo Afra als Magd diente, brach zudem ein Feuer aus, das man sich nicht erklären konnte. Die beiden Frauen wurden wegen Hexerei und Satansbuhlschaft angeklagt. Sie lagen monatelang im Kerker und wurden mehrmals verhört, bis man sie auf den Scheiterhaufen brachte.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörten große Teile des Bayerischen Waldes und damit auch das Dorf Ringelai zum Territorium des Passauer Fürstbistums. Der absolutistisch regierende Kirchenfürst dieser Zeit war es, der die beiden Frauen durch die Inquisition verfolgen und als Hexen hinrichten ließ. Das Schauspiel wurde bewusst öffentlich inszeniert. Am 3. Juni 1703 fand Afra den Tod, wenige Wochen später Maria. Auf dem weitläufigen Anger des Fürstenschlosses wurden die Scheiterhaufen entzündet. Das Hexenmuseum dokumentiert die Justizmorde anhand der Originalprotokolle und einer Reihe informativer Texttafeln.

Zudem ist im Museum auch der Roman „Der Hexenstein“ von Manfred Böckl zum Preis von 15,30 Euro erhältlich, der den örtlichen Hexenprozess beschreibt. Ein Wanderweg erinnert in Ringelai ebenfalls an die beiden Frauen. „Leider sind die Stationen bislang nicht beschildert, weil die Nachkommen nicht damit einverstanden sind“, erklärt Josef Gross. Trotzdem ist der 13 Kilometer lange Hexenpfad die Mühe wert. Etwa die Hälfte des Weges geht der Wanderer auf Waldwegen und stößt auf den im Hexenpfad integrierten vier Kilometer langen Kräuterweg. Das Wissen um die Kraft der Heilkräuter wird in Ringelai noch von Generation zu Generation weitergegeben.

Das Hexenmuseum im staatlich anerkannten Ferienort Ringelai ist täglich von 8 bis 19 Uhr im Hotel Gross geöffnet, der Eintritt ist frei. Das Hotel befindet sich mitten im Ort an der Dorfstr. 22, 94160 Ringelai. Ausgangsort für den Hexenpfad ist das Hotel Gross. Wanderführer sind auch bei der Tourist- Infostelle Ringelai erhältlich. Weitere Infos gibt es beim Hotel Gross unter der Telefonnummer (08555) 258 oder im Internet unter www.hotel-gross.de

Petra J. Huschke

Schlagworte Hexen | Hexenmuseum

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