25. Februar 2013
VdK-Zeitung Archiv

Mit Gas und heißer Luft in himmelhohe Sphären

Das Ballonmuseum in Gersthofen gibt spannende Einblicke in die Geschichte der Ballonfahrt

Nur wenige der Touristen, die jedes Jahr Augsburg mit seinen unzähligen Sehenswürdigkeiten besuchen, dürfte es ins benachbarte Gersthofen verschlagen. Doch eine Stippvisite in der beschaulichen Kleinstadt lohnt sich. Denn hier, zwischen Einkaufszentrum und Einfamilienhäusern, befindet sich ein in Europa einmaliges Ballonmuseum, das ein abenteuerreiches Kapitel der Luftfahrtgeschichte aufschlägt.

Nachbildung des prächtigen Gasballons „Erdlieb“ aus dem Jahr 1786, zu sehen im Ballonmuseum Gersthofen. | © jvr


Da möchte man am liebsten gleich selbst einsteigen und abheben: Wie ein exzentrisches Möbelstück aus den Zeiten des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. wirkt das reich verzierte und mit Samt ausgekleidete Schiffchen, das im Atrium des Museums unter einem rot-gelben Luftball baumelt.

Tollkühne Helden

Diese originalgetreue Nachbildung eines historischen Gasballons aus dem späten 18. Jahrhundert ist zentrales Ausstellungsstück des Ballonmuseums in Gersthofen und gleichzeitig der spektakuläre Auftakt einer ganzen Fülle spannender Geschichten, die hier auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern nacherzählt werden. Sie handeln von tollkühnen Helden und Forschern, ihren Träumen, Rekorden und technischen Errungenschaften – aber auch von ihrem manchmal verhängnissvollen Scheitern. Eine dieser Geschichten ist die des französischen Luftfahrtpioniers Jean-François Pilâtre de Rozier. Als erster Mensch hob er 1783 in einem Heißluftballon ab. Ganz Paris jubelte ihm zu, als er elegant und lautlos über die Seine schwebte.

Später wollte er die Technik verbessern, konstruierte einen Ballon mit kombinierter Wasserstoffund Heißluftkammer, der länger fliegen konnte. Doch seine „Rozière“ explodierte, und ihr Erfinder stürzte mit ihr in den Tod. Vergleichsweise glimpflich kam hingegen Maximilian Freiherr von Lütgendorf davon, der drei Jahre nach Rozier von Augsburg aus als erster deutscher Ballonfahrer die Lüfte erobern wollte. Nach zwei verpatzten Startversuchen, für die der Baron eigens ein Amphitheater errichten und hunderttausende Eintrittskarten verkaufen ließ, wurde er kurzerhand aus der Fuggerstadt verjagt. In Gersthofen, damals noch ein Dorf, versuchte er erneut sein Glück. Wieder erfolglos. „Erdlieb“ taufte die Öffentlichkeit daraufhin voller Hohn den prächtigen Ballon, der nicht fliegen wollte und jetzt die Besucher im Eingangsbereich des Museums empfängt.

Während die Frühgeschichte der Ballonfahrt im Erdgeschoss vor allem anhand von Bildern, Zeichnungen und Textdokumenten sowie mit Hilfe amüsanter Kurzhörspiele erzählt wird, dreht sich in den oberen Stockwerken des Museums alles um die Technik der Ballonfahrt sowie um ihre Nutzung für Wissenschaft, Sport und Militär im 20. Jahrhundert. Hier sind die Ausstellungsstücke greifbarer und interaktiver. So erklärt etwa eine Installation, die sich mit Druckknöpfen steuern lässt, anschaulich den Unterschied zwischen einem Gas- und einem Heißluftballon. Die aus Romanen und Filmen bekannten Sandsäcke, erfährt man, gibt es nur bei Gasballonen. Um aufzusteigen, muss der Ballonfahrer den Ballast entweder mit einer Schaufel in kleinen Portionen oder eben säckeweise abwerfen. Die Flughöhe von Heißluftballonen wird hingegen über einen Brenner reguliert, der erhitzte Luft in die Hülle pumpt und so für Auftrieb sorgt. Da wirklich leistungsfähige Geräte mit langer Brennkraft erst Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden, waren Gasballone den Heißluftballonen technisch lange Zeit überlegen.

Mekka für Ballonfahrer

Da traf es sich gut, dass sich im Jahr 1901 in Gersthofen eine Chemiefabrik ansiedelte, die die geeigneten Gase zur Füllung von Ballonhüllen produzierte. Bereits vier Jahre zuvor hatte August Riedinger im Augsburger Stadtteil Oberhausen die erste Ballonfabrik des Landes ins Leben gerufen. Beide Unternehmen trugen dazu bei, dass Augsburg und Gersthofen ein Mekka für Ballonfahrer aus ganz Deutschland wurden. Auch dieser Abschnitt in der Geschichte der Ballonfahrt wird im Ballonmuseum Gersthofen ausführlich beleuchtet. Und wie fühlt es sich nun an, tatsächlich in einem Ballon in luftiger Höhe über der Erde zu schweben? Zumindest eine Ahnung davon vermittelt der aus Weidenholz geflochtene begehbare Ballonkorb, der frei hängend über dem Gipsmodell einer Alpenlandschaft angebracht ist – und respekteinflößend knirscht und schaukelt, wenn man ihn betritt.

Info


Ballonmuseum Gersthofen
Bahnhofstraße 12
86368 Gersthofen
Telefon: (0821) 2491-506
Fax (0821) 2491-509
Internet: www.ballonmuseum-gersthofen.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch und Freitag 13 bis 17 Uhr
Donnerstag 10 bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis 17 Uhr

Eintrittspreis:
3,50 Euro, Kinder und Menschen mit Schwerbehinderung erhalten 2 Euro Ermäßigung.

Die meisten Räumlichkeiten des Museums sind barrierefrei.

jvr

Schlagworte Museum | Ballonfahrt | Luftfahrt | Gersthofen | Ausflug

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