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Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?

Prof. Dr. Ute Lindauer und Dr. Peter Radtke über Präimplantationsdiagnostik und ein mögliches Verbot

Er ist Schauspieler und Mitglied im Ethikrat. Sie ist Kuratoriumsvorsitzende am Institut „Mensch, Ethik und Wissenschaft“ (IMEW) und gehört zum VdK-Bundesausschuss. Beide haben sie eine Behinderung und beide sind gegen Präimplantationsdiagnostik. Aus unterschiedlichen Gründen.

Im Juli entscheiden die Parlamentarier über einen Gesetzesentwurf zur PID. Welche Regelung wünschen Sie sich?Lindauer: Ich bin ein Gegner der PID und für ein vollständiges Verbot. Ich verstehe den Wunsch nach einem gesunden Kind, aber ein Recht darauf gibt es nicht. Viele Menschen wissen nicht, wie erfüllt ein Leben mit Behinderung sein kann.
Radtke: Ich wünschte mir, dass wir überhaupt nicht in die Notwendigkeit einer Entscheidung gekommen wären, denn wie immer diese ausfällt, wird man einer Seite nicht gerecht, entweder den betroffenen Paaren oder dem Wertesystem der Gesellschaft. Bei Abwägung aller Argumente bin ich aber wegen der Konsequenzen der PID für unser Zusammenleben für ein Verbot dieser Untersuchungsmethode.

Welche Konsequenzen meinen Sie, Herr Radtke?
Radtke: Erstmals in der Geschichte wird menschliches Leben in den Gestaltungswillen des Menschen gestellt. Dabei geht es weniger um das oft beschworene „Designerbaby“, obwohl dies durchaus zu einem späteren Zeitpunkt möglich wäre. Vielmehr wird das Prinzip, dass der Mensch zweckfrei, das heißt, dass er einen unantastbaren Wert in sich selbst hat, infrage gestellt. Das darf nicht sein.

Frau Prof. Lindauer, Sie wurden mit Spina Bifida geboren, Herr Radtke, Sie haben die Glasknochenkrankheit. Können Sie als Behinderte in dieser Frage überhaupt objektiv urteilen?
Radtke: Ich argumentiere in erster Linie als Teil einer Gesellschaft und erst in zweiter Linie als Mensch mit einer Behinderung. Keiner von uns kann in dieser Frage „objektiv“ sein, denn die PID betrifft uns alle als Beteiligte und Verantwortliche eines Wertesystems, das unsere Zukunft und die unserer Kinder bestimmt.
Lindauer: Ich sehe das anders. Für mich ist ein objektiver Standpunkt in dieser Frage ohnehin nicht angemessen. Wer, wenn nicht wir, kann denn besser beurteilen, ob unser Leben als Menschen mit Behinderung lebenswert ist oder nicht?

Was sagen Sie Eltern, die sich für eine PID entscheiden wollen oder entschieden haben?
Radkte: Ich darf niemanden verurteilen, der den Weg der PID geht, sei es im Ausland oder vielleicht später auch in Deutschland. Ich kann ihm nur verdeutlichen, dass es für mich noch andere Werte gibt als die ausschließlich persönliche Selbsterfüllung. Ein Kind ist kein Besitztum und darf es auch nicht sein.
Lindauer: Ich glaube nicht, dass betroffene Eltern sich leichtfertig für eine PID entscheiden. Dennoch: Wenn man sich der Aufgabe, möglicherweise ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, nicht gewachsen fühlt, gibt es immer noch die Möglichkeit einer Adoption. Für mich ist das die einzige Alternative zur PID.

Interview: Ines Geier

Schlagworte Prof. Dr. Ute Lindauer | Dr. Peter Radtke | PID | Interview | Präimplantationsdiagnostik

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