27. Juni 2022
VdK-Zeitung

Keine Angst vor dem Briefkasten

In München helfen ehrenamtliche Postpatinnen und -paten Senioren bei der Bearbeitung der Post

Ältere und kranke Menschen sind oft überfordert mit der Bearbeitung ihrer Post. Manche wissen nicht, wie man die Schreiben beantwortet, andere können die Schrift nicht lesen, und einige öffnen ihre Briefe schon längst nicht mehr. In der Region München gibt es sogenannte Postpaten, die diesen Menschen bei der Erledigung ihrer Korrespondenz zur Seite stehen.

Dr. Elisabeth Träder sortiert die Korrespondenz
Als Postpatin hilft Dr. Elisabeth Träder Menschen, ihre Post zu bearbeiten und die Unterlagen in Ordnung zu halten. | © Annette Liebmann

Eine von ihnen ist Dr. Elisabeth Träder. Die 70-Jährige hatte 2018 von diesem Ehrenamt erfahren und sich gleich für eine Schulung über die Beratungsstelle für ältere Menschen und Angehörige vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) angemeldet. „Wenn man sich engagiert, muss es etwas sein, das einen interessiert“, sagt sie.

Sie liebt es, neue Menschen kennenzulernen. Die Betriebswirtin kennt sich mit Ämtern, im Mietrecht und in weiteren juristischen Angelegenheiten gut aus und will mit diesem Wissen anderen helfen. „Als Postpatin ist es nützlich, wenn man lange berufstätig war.

Ihr erster Schützling war ein Informatiker, der von Geburt an blind ist. Nach dem Tod seines Vaters, mit dem er zusammengelebt hatte, wurde kein einziger Brief mehr geöffnet. „Ich lese ihm die Papierpost vor sowie manche Dateien, die er mit dem Vor­lese­programm seines Computers nicht abrufen kann“, erzählt sie. „Für diese Hilfe ist er sehr dankbar.

Seine Briefe schreibt der Mann zwar selbst, aber aufgrund seiner Behinderung ist es ihm nicht möglich, seine Unterlagen in Ordnung zu halten. Träder hilft ihm dabei. Wenn sie zu ihm kommt, hat sie immer einen schweren Locher und Trennblätter dabei. Und manchmal auch einen Kaffee, denn mittlerweile ist neben der gemeinsamen Arbeit ein netter Kontakt entstanden.

Schon 50 Postpaten

Postpaten unterstützen ältere Menschen bei der Bewältigung von offiziellen Briefen“, sagt Angelika Mertin, im Sozialreferat der Stadt München zuständig für das Postpaten-Projekt. „Sie helfen beim Öffnen, Sortieren, Beantworten und Ablegen von Briefen, beim Kopieren und Zusammenstellen von Unterlagen. Sie bereiten den Schriftverkehr vor, den der Betroffene dann selbst übernimmt.“ Mittlerweile gibt es rund 50 Ehrenamtliche in München, und ein ähnliches Projekt im Landkreis München befindet sich gerade im Aufbau.

Vermittelt werden die Postpaten von den Beratungsstellen für ältere Menschen und Angehörige, die sich auf das gesamte Stadtgebiet verteilen und von verschiedenen Trägern – der Caritas, der Diakonie, der AWO, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem BRK und der Israelitischen Kultusgemeinde – betrieben werden. Die Stadt München hat mit den Beratungsstellen das Konzept entwickelt und die Standards festgelegt. Sie koordiniert und bezuschusst das Projekt, organisiert die zentralen Einführungskurse für Ehrenamtliche durch ein Erwachsenenbildungswerk und druckt den Flyer. Ziel ist es, dass die Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt ihre schriftlichen Angelegenheiten regeln können.

Wer die Hilfe einer Postpatin oder eines Postpaten in Anspruch nehmen möchte, sollte noch geistig fit und voll geschäftsfähig sein. Vor dem ersten Postpaten-Einsatz machen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle ein genaues Bild von der Seniorin oder dem Senior und von der Situation vor Ort, um einzuschätzen, welche Unterstützung gebraucht wird, wie groß der Hilfebedarf ist, und welche Postpatin oder welcher Postpate gut passen würde.

Chemie muss stimmen

Die Chemie zwischen den Hilfesuchenden und Ehrenamtlichen muss stimmen. Das kann Elisabeth Träder bestätigen. Sie begleitet noch weitere Schützlinge und hat erfahren, dass es nicht ausreicht, einfach nur die Post zu öffnen und zu fragen, was die oder der Hilfesuchende damit machen möchte. „Man muss mit diesen Menschen behutsam umgehen“, ist sie überzeugt. Schließlich dringe man in die Privatsphäre der anderen ein. Manche schämten sich für ihre Wohnung oder dafür, dass sie ihre Post nicht selbst erledigen können. „Dieses Ehrenamt setzt viel Sensibilität und Vertrauen voraus“, sagt Träder.

Annette Liebmann

Schlagworte Postpatinnen | Postpaten | Vorlesen | Post | Hilfe bei Korrespondenz

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