1. Mai 2022
VdK-Zeitung

Kaputtes wieder brauchbar machen

Vor zehn Jahren starteten die ersten Repair Cafés – Inzwischen gibt es mehr als 1500 Initiativen für mehr Nachhaltigkeit

10,3 Kilogramm Elektrogeräte pro Person landen in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts jedes Jahr im Müll. Doch es gibt Bürgerinnen und Bürger, die den Müllbergen trotzen und gegen die Wegwerfgesellschaft ein Zeichen setzen. In „Repair Cafés“ treffen Laien auf ehrenamtliche Expertinnen und Experten, die ihnen beim Reparieren der Haushaltsgeräte helfen.

Im Repair Café
Wenn sich die Kassette nicht mehr abspielen lässt, kann das am Antriebsriemen liegen. Diese Erfahrung hat eine Münchnerin (links) gemacht, die ihren defekten Kassettenrekorder zum Repair Café ins Haus der Eigenarbeit brachte. Der ehrenamtliche Mitarbeiter konnte das Gerät reparieren. | © Haus der Eigenarbeit/Dr. Elisabeth Redler

Dr. Elisabeth Redler hat vor zehn Jahren Münchens erstes Repair Café im Haus der Eigenarbeit (HEi) im Stadtteil Haidhausen ins Leben gerufen. Das war nach der „DingFabrik“ in Köln die bundesweit zweite Gründung dieser Art. „Die Idee ist aus den Niederlanden nach Deutschland herübergeschwappt. Seitdem macht sie auch hierzulande Schule“, berichtet die heute 73-Jährige. Inzwischen sind in Deutschland mehr als 1500 Ini­tiativen aktiv.

Die ehrenamtliche Organisatorin des Repair Cafés im HEi erinnert sich, dass zum ersten Termin im Juni 2012 gerade einmal zwei Besucher kamen. Doch der regelmäßig stattfindende Reparaturtag hat sich schnell herumgesprochen. „Schon ein Jahr später standen mehr als 100 Gäste Schlange.“ Seitdem ist das kostenlose Angebot nicht mehr aus Haidhausen wegzudenken. Bald wurden viele weitere Reparatur-­Initiativen gegründet. Aktuell sind es in München 32. Spitzenreiter unter den defekten Elektrogeräten sind Lampen, gefolgt von Toastern, Wasserkochern und Kaffeemaschinen.

Austausch mit Tüftlern

Wer einen kaputten Gegenstand hat, kann diesen am Reparaturtag mitbringen und dort von Ehrenamtlichen kostenlos reparieren lassen. Redler erzählt, dass vor der Corona-Pandemie das Café im Vorraum der Werkstätten ein Treffpunkt für Jung und Alt war: Die Begegnung bei Kaffee und Kuchen ist genauso wichtig wie die Reparatur. Die Besucherinnen und Besucher geben das Gerät übrigens nicht einfach ab, sondern werden eingebunden, betont sie. Am Reparaturtisch kommen sie mit den ehrenamtlichen Expertinnen und Experten ins Gespräch, während diese versuchen, die Ursache für den Defekt zu finden und – gemeinsam mit dem Ratsuchenden – zu beheben.

Für die Reparaturen melden sich meistens männliche Tüftler im HEi. Einer, der bereits seit sieben Jahren begeistert schraubt, lötet und neu verkabelt, ist Ralph Maas. Der berufstätige Elektroingenieur wohnt in der Nähe des HEi und kommt gern in seiner Freizeit in die Werkstätten. „Alle, die ehrenamtlich im Repair Café aktiv sind, haben einen leidenschaftlichen Basteltrieb. Wir lernen viel voneinander“, sagt der 52-Jährige. Die bislang spannendste Aktion: Eine 80-Jährige kam mit ihrer 60 Jahre alten Nähmaschine vorbei. „Da war ein Teil eingebaut, das hatte noch keiner von unserem Team gesehen. Wir haben den Fehler lange gesucht. Am Ende konnte die Nähmaschine repariert werden. Dabei halfen uns auch YouTube-­Videos“, sagt Maas. „Es ist eine gute Sache, wenn Geräte nicht weggeworfen werden müssen“, findet der Familienvater.

Auf Lebensdauer achten

Elisabeth Redler setzt auch auf kluge Verbraucherinnen und Verbraucher, um die Ressourcenverschwendung aufzuhalten. Die Münchnerin ist überzeugt, dass Kundinnen und Kunden schon vor dem Kauf auf die Lebensdauer eines Geräts achten können. Ein Beispiel: „Wenn man das Gehäuse von allen Seiten betrachtet und keine Schrauben entdeckt, ist das Gerät mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu retten, sollte es eines Tages kaputtgehen“, sagt die Repair-Café-­Gründerin.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Repair Café | Reparieren | Nachhaltigkeit

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