9. Mai 2022
VdK-Zeitung

Keine Angst vor großen Bühnen

VdK-Mitglied Carl Josef hat in nur drei Jahren eine rasante Karriere als Komiker gemacht

Er klopft Sprüche wie „Der erste Witz ist vergleichbar mit mir: Der muss sitzen“, er tritt vor Tausenden Menschen auf: Carl Josef ist einer der jüngsten Komiker Deutschlands. Der 17-Jährige sitzt wegen einer Muskelerkrankung im E-Rollstuhl.

Carl Josef
Durch seine Auftritte in Shows und Fernsehsendungen hat Carl Josef auch seine Erkrankung bekannt gemacht. | © Richard Schmidt

Carl Josef war sechs Jahre alt, als bei ihm die Erbkrankheit Muskeldystrophie Duchenne festgestellt wurde. Bei dieser seltenen Erkrankung schwinden unaufhaltsam die Muskeln, ein früher Tod ist die Folge. Seinen Humor hat das VdK-­Mitglied dennoch nicht verloren: „Ich lache gerne und bringe auch gern andere zum Lachen“, sagt er. Humorvoll ließen sich heikle Themen eben leichter ansprechen als mit erhobenem Zeigefinger.

Entdeckt wurde der Jugendliche im Jahr 2019. Auf der sozialen Plattform Instagram hatte er Kontakt mit dem Comedian Jan Overhausen aufgenommen. „Als er gemerkt hat, dass ich lustig bin, hat er mich im Mai zu einer Offenen Bühne nach Berlin eingeladen, damit ich mal Stand-up-Comedy ausprobieren kann“, erzählt er. Natürlich sagte er zu.

Nur ein paar Wochen später folgte sein erster Auftritt in der Comedy-­Show „Nightwash“ für den Fernsehsender One. Auf YouTube wurde das Video innerhalb einer Woche vier Millionen Mal abgerufen und hat bis heute 6,8 Millionen Nutzer erreicht. Danach war Carl Josef in mehreren Fernsehsendungen zu sehen, unter anderem in „Genial daneben“, im „Quatsch Comedy Club“ und in „Menschen 2019“ mit Markus Lanz.

Viel Zuspruch

Carl Josef will die Menschen nicht nur zum Lachen bringen. „Von Anfang an war es mein Ziel, auch meine seltene und unheilbare Erkrankung bekannt zu machen“, sagt er. Sein Wunsch ist es, auch die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Für seine Auftritte hat er viel Zuspruch erfahren. „Dass ich anderen Menschen damit Mut mache und sie motiviere, ist natürlich schön“, sagt er.

Scheu, vor bis zu 15.000 Menschen aufzutreten, hat er keine. Schon als Kind liebte er es, andere zu unterhalten. In den vergangenen Jahren hat er an Selbstbewusstsein dazugewonnen. Dennoch habe er vor Auftritten Lampenfieber, „aber das gehört dazu“, sagt er. Halt gibt ihm seine Familie. Der Jugendliche lebt mit seinen Eltern und seiner fünf Jahre älteren Schwester in der Nähe von Braunschweig in Niedersachsen.

In nur drei Jahren hat der Komiker eine rasante Karriere hingelegt: 2020 drehte er für die „Aktion Mensch“ die sechsteilige Mini-Serie „Die Außenseiter. Nichts kann uns aufhalten. Außer Bordsteine.“ Darin setzt er sich für eine inklusivere Gesellschaft ein.

Eigene Sendung

Im Sommer legte er eine Pause ein, weil er wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung operiert werden musste. Danach stand er für die erste Staffel der Krimi-­Comedy­Serie KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ vor der Kamera. Ende des Jahres wurde er auf der Comedy-­App „Smyle“ zum besten Nachwuchs-Comedian gewählt. Bei der Kampagne „What if …? In 80 Fragen um die Welt“, eine Aktion der Stiftung „Gesunde Erde, gesunde Menschen“ von Eckart von Hirschhausen in den sozialen Medien, war er für das Thema Inklusion zuständig.

2021 bekam er eine eigene Sendung im Ersten: In „Carl Josef trifft …“ unterhält er sich mit jeweils zwei Jugendlichen mit und ohne Behinderung über deren Hobbys, Träume und Wünsche. Das Besondere an diesem Format für junge Menschen ist der lockere und dennoch angemessene Umgang mit Behinderung. So spricht beispielsweise Interview­partnerin Emily von „Beeinträchtigung“, weil der Begriff Behinderung negativ besetzt sei. „Es ist schade, dass Behinderung fast schon einen negativen Touch hat“, entgegnet Carl Josef. „Das müssen wir alle gemeinsam ändern. Eine Behinderung ist da, sie ist nichts Schlimmes, das nennen wir so.“

Auf Augenhöhe

Die 14-teilige Sendereihe erhielt viel Lob, auch weil sie das Thema auf Augenhöhe vermittelt. „Ich habe erfahren, dass Folgen meiner Sendung sogar in Schulen zum Thema Inklusion gezeigt werden“, erzählt Carl Josef. Formate wie dieses seien gut geeignet, um Barrieren in den Köpfen abzubauen, oder besser noch, um zu verhindern, dass Barrieren überhaupt entstehen. Ob die Sendung verlängert wird, steht noch nicht fest. „Spaß hat es auf jeden Fall gemacht“, sagt er. „Es war aber auch mega anstrengend – 28 Drehtage an 14 verschiedenen Orten.“

Im Herbst 2021 erschien in der ARD-Sendereihe „Echtes Leben“ ein Film mit dem Titel „Carl Josef – StandUp im Rollstuhl“. Die Dokumentation begleitet ihn in seinem Alltag und gibt Einblick hinter die Kulissen bei Comedy-­Auftritten und bei der Produktion seiner Fernsehsendung.

Den Bereich Stand-up-Comedy will Carl Josef in diesem Jahr etwas ruhiger angehen. Es warten aber weiter spannende Projekte auf ihn: „Gerade laufen Gespräche für eine Hauptrolle in einer Serie, in einem Spielfilm und in einer Casting­show“, verrät er. Außerdem will er einen Podcast ins Leben rufen.

Und es stehen die Vorbereitungen für eine große Tour durch Deutschland an: Nächstes Jahr wird er mit seinem ersten großen Stand-up-Programm „The Hype is Wheel“ unterwegs sein. Zentrales Thema: der gesellschaftliche Umgang mit Menschen mit Behinderung.

Annette Liebmann

Schlagworte Carl Josef | Komiker | Stand-up-Comedy | Inklusion

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