23. November 2021
VdK-Zeitung

Beharrlich bleiben und Hilfe anbieten

Wie ehrenamtliche VdK-Frauen weibliche Gewaltopfer unterstützen können

Juliane von Krause
Engagiert für Frauenrechte: Juliane von Krause. | © Terre des Femmes

Juliane von Krause setzt sich seit mehr als 35 Jahren für Frauen ein, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung geworden sind. Sie ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation „Stop dem Frauenhandel“ und arbeitet ehrenamtlich für die Frauenrechts­organisation „Terre des Femmes“. Für ihr Engagement ist die Münchnerin 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Die VdK-ZEITUNG hat mit ihr über das Thema Gewalt gegen Frauen gesprochen.

Wie sehr sind Gewalterfahrungen immer noch mit Scham behaftet?
Frauen schämen sich weltweit, darüber zu sprechen, dass sie Gewalt erfahren oder in der Vergangenheit Opfer wurden. Denn Mädchen und Frauen lernen leider noch immer, dass es von ihrem Verhalten abhängt, ob sie Opfer werden. Wer etwa von einer Vergewaltigung hört, stellt sich oftmals als Erstes die Frage: „Was hat die Frau getan, dass ihr dies passiert ist?“ Und nicht: „Welcher Idiot hat das gemacht?“ Oder: „Schrecklich, was die arme Frau erleiden musste.“ Die Folge: Nur jede zehnte Betroffene wendet sich mit einer Anzeige an die Polizei.

Wer sind die Täter?
Die allermeisten Gewalttaten werden von Männern verübt, die die Frau kennen. Daher ist für Frauen ihr Zuhause der gefährlichste Ort.

Was muss sich ändern?
Zuallererst unser Denken: Der Täter ist verantwortlich. Da spielt es keine Rolle, ob es der Ehemann, ein flüchtiger Bekannter oder ein Unbekannter ist. Wir müssen lernen: Egal wo und zu welcher Tageszeit eine Frau unterwegs war, egal, was sie anhatte, ob sie betrunken war oder nicht – es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt.

Welche erste Anlaufstelle empfehlen Sie einer betroffenen Frau, um sich Hilfe zu suchen?
Sie braucht eine verständnisvolle Freundin oder Kollegin als erste Ansprechpartnerin, der sie sich anvertraut. Diese sollte sie darin unterstützen, sich fachlich beraten zu lassen. Über die bundesweite Notrufnummer für Frauen – 08000 116 016 – ist zu erfragen, welche Hilfsangebote es vor Ort gibt: das Frauenhaus, den Frauennotruf, andere Frauen-Organisationen. Es ist ratsam, die Polizei einzuschalten und Verletzungen ärztlich dokumentieren zu lassen.

Wie können unsere ehrenamtlich aktiven VdK-Frauen betroffene Frauen unterstützen?
Es gilt, aufmerksam zu bleiben, damit sich Frauen Hilfe holen und aus Gewaltbeziehungen herausfinden. Leider offenbaren sich Betroffene oft sehr lange nicht, noch nicht einmal gegenüber Freundinnen. Daher ist es wichtig, in einem Verdachtsfall immer wieder nachzufragen, Hilfe anzubieten, geduldig und beharrlich zu bleiben. Wer vermutet, dass eine Frau unter Gewalterfahrungen leidet, sollte sie nicht unter Druck setzen und nichts ohne ihr Einverständnis unternehmen. Es ist wichtig, die Gewalt zu verurteilen, eine solidarische Haltung einzunehmen und die Betroffene zu ermutigen, sich weitere Unterstützung zu suchen.

Welche politischen Erfolge im Kampf für Frauenrechte konnten bisher erreicht werden?
Etwa jede siebte Frau ist von sexualisierter Gewalt betroffen. Positiv ist zu vermerken, dass in den letzten Jahren mehr Strafverfahren zu sexualisierter Gewalt stattfinden, weil die Gesetze verbessert wurden. Dafür hatte sich auch „Terre des Femmes“ sehr eingesetzt.


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Schlagworte Interview | Gewaltopfer | Menschenhandel | Zwangsheirat | Genitalverstümmelung | Frauenhandel | Gewalt gegen Frauen | sexualisierte Gewalt | Terre des Femmes

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