24. September 2021
VdK-Zeitung

„Das erlebst du nur einmal im Leben“

Radsportler Michael Teuber führte das Team Deutschland bei der Eröffnungsfeier der Paralympics als Fahnenträger ins Stadion

Bei den Paralympischen Spielen im japanischen Tokio erkämpfte sich Radprofi Michael Teuber die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren. Im Interview gibt das VdK-Mitglied aus Odelzhausen atmosphärische Einblicke hinter die Paralympics-­Kulissen und sportliche Ausblicke hinsichtlich seiner Karriere.

Michael Teuber, Radprofi und VdK-Mitglied aus Odelzhausen, gewann bei den Paralympics in Tokio Bronze im Einzelzeitfahren.
Michael Teuber, Radprofi und VdK-Mitglied aus Odelzhausen, gewann bei den Paralympics in Tokio Bronze im Einzelzeitfahren. | © privat

Herr Teuber, Sie haben bei der Eröffnungsfeier gemeinsam mit Mareike Miller die deutsche Fahne ins Olympiastadion getragen. Wie war das für Sie?
Eine größere Ehre, als die Mannschaft anzuführen, gibt es nicht! Du trägst ja nicht einfach so die Fahne ins Stadion. Der ganze Tag war aufregend, aber total positiv – Vorfreude eben. Am Vormittag habe ich noch auf der Radrennbahn im 200 Kilometer von Tokio entfernten Izu trainiert, danach ging es mit dem Auto ins Olympische Dorf. Am Nachmittag sammelte sich die Mannschaft für den Transfer zum Olympiastadion. Es wurden Fotos gemacht, Interviews, da war bereits einiges los. Dann kam das große Warten. Die Mannschaften wurden nach und nach durch die Katakomben ins Stadion geleitet. Als wir im Tunnel unter den Tribünen standen, hat unsere Mannschaft schon richtig Stimmung gemacht. Fangesänge wie im Fußballstadion – da fing es schon an zu kribbeln. Kurz vor dem Tor zum Innenraum bekamen Mareike Miller und ich schließlich die Fahne in die Hände gedrückt, und dann führst du das Team Germany rein ins Olympia­stadion. Wow! Dieser Moment war Gänsehaut pur. Das erlebst du nur einmal im Leben.

Ehre, wem Ehre gebührt. Sie sind fünffacher Paralympics-Sieger, es waren die sechsten Paralympics, an denen Sie teilgenommen haben. Wie haben Sie die Atmosphäre im Stadion und bei den Wettkämpfen im Vergleich zu Ihren bisherigen Teilnahmen empfunden – so völlig ohne Zuschauer?
Es waren ja schon relativ viele Menschen unterwegs: die Mannschaften, Betreuer, Volunteers. Es herrschte also schon eine gewisse Atmosphäre. Die Sportler brannten darauf, nach fünf Jahren endlich zu zeigen, was sie draufhaben. Das Entladen dieser aufgestauten Spannung hat zu sehr intensiven Emotionen geführt. Aber natürlich haben die Zuschauer gefehlt, das braucht man nicht schönzureden. Das war bei allen anderen Spielen schöner.

Wie groß waren die Einschränkungen vor Ort aufgrund der Corona-­Pandemie?
Zwei PCR-Tests vor der Abreise, einer direkt am Flughafen in Tokio, jeden Tag Spucktests, eine strenge Maskenpflicht, Quarantäne in der Unterkunft und am Wettkampfort – das waren die wichtigsten Maßnahmen. Am Ende hat die Blase, wie zuvor schon bei Olympia, sehr gut gehalten.

Haben sich die Maßnahmen negativ auf Ihr Training oder Ihre Wettkampfleistung ausgewirkt?
Nein, es gab dadurch keine negativen Auswirkungen auf das Training oder den Wettkampf. Im Gegenteil. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit hat bei mir zu einer besseren Fokussierung auf meinen Hauptwettkampf geführt.

Welche Ziele haben Sie überhaupt noch als einer, der in seinem Sport doch schon alles – und das mehrfach – erreicht hat? Wie motivieren Sie sich?
Ich sehe mich als Lebenssportler. Mich anzustrengen, mir persönliche Ziele zu setzen und auf sie hinzuarbeiten, macht mir bei allem notwendigen „sich Quälen“ Freude. Es gibt mir eine tiefe Zufriedenheit, wenn ich mal wieder wie beim Bergsteigen meine Grenzen verschoben habe oder im Leistungssport Erfolge feiern konnte. Erreichte Ziele und Erfolge sind – schöne – Vergangenheit. Ich blicke immer nach vorne und setze mir neue Ziele. An Motivation fehlt es mir da nie.

Sie sind jetzt 53 Jahre alt. Haben Sie für sich schon festgelegt, an wie vielen Paralympischen Spielen Sie als Athlet noch teilnehmen möchten? Paris (2024), Los Angeles (2028) und Brisbane (2032) sind ja recht interessante Städte …
Wie interessant die Städte sind, spielt für mich als Leistungssportler keine große Rolle. Wenn ich mich für Paralympische Spiele qualifiziere, möchte ich dort meine beste Leistung zeigen und um die Medaillen mitkämpfen. Paris 2024 ist in jedem Fall noch ein Thema. Mal sehen, wie es in den nächsten zwei Jahren läuft. 2023 ist ja schon das Qualifikationsjahr für Paris.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere? Möchten Sie dem Radsport als Trainer oder in anderer Funktion erhalten bleiben?
Ich bin ja schon seit 2011 Landestrainer Para-Radsport in Bayern, zuletzt mit einer halben Stelle. Diese Aufgabe lässt sich derzeit sehr gut mit dem eigenen Leistungssport verbinden. Wenn ich mit den Rennen aufhöre, kann ich mir gut vorstellen, noch etwas mehr Zeit in den Trainerberuf zu investieren.


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Schlagworte Paralympics 2021 | Paralympics | Michael Teuber | Para-Radsport | Radsport | Corona | Paralympische Sommerspiele | Paralympische Spiele

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