25. Mai 2021
VdK-Zeitung

Verständnis zeigen und Ruhe bewahren

Demenz-Expertin Laura Mey erklärt, was zu tun ist, wenn Demenzkranke unruhig sind

Viele Menschen mit Demenz sind unruhig und wollen nicht an dem Ort bleiben, an dem sie gerade sind. Auch schlüssige Argumente können sie nicht überzeugen. Pflegende Angehörige sind daher oft ratlos, wie sie sich verhalten sollen. Laura Mey von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) weiß, was man in solchen Fällen tun kann.

Zwei Frauen von der Seite, eine im Rollstuhl sitzend, die andere legt die Hände um ihre Schultern. Beide schauen auf einen Fluss.
© picture alliance/Westend61/Uwe Umstätter

Mey ist Beraterin am Alzheimer-­Telefon der DAlzG. Bei ihr rufen viele Menschen an, die mit diesem Problem konfrontiert sind, und bitten sie um Rat. „Es gibt verschiedene Gründe, warum sich jemand auf den Weg macht“, erklärt sie. Es könne beispielsweise sein, dass die oder der Betroffene eine unangenehme Situation erlebt, Stress oder Angst verspürt, oder weil Abläufe, Menschen oder die Umgebung nicht vertraut erscheinen.

Meist wollen die erkrankten Personen nicht weglaufen, sondern folgen ihrem inneren Gefühl, eine wichtige Aufgabe erledigen zu müssen: „Manche wollen in die Arbeit, zu ihren Eltern oder zu ihrem Kind. Sie leben in der eigenen Vergangenheit und glauben, noch im Berufsleben zu stehen, bei ihren Eltern zu wohnen oder frisch verheiratet zu sein.“ Hier helfe es nicht, die Betroffenen mit vernünftigen Argumenten wieder in die Realität zurückzuholen. Besser ist es, so die Expertin, auf der Gefühls­ebene zu antworten.

Etwa so: „Ich verstehe, du willst in die Arbeit. Du hattest immer schon ein großes Verantwortungsgefühl.“ Indem die Pflegeperson die Identität der oder des Erkrankten stärkt, kann sie sie beziehungsweise ihn beruhigen. „Die oder der Pflegebedürftige fühlt sich angenommen. Das nimmt den Druck raus“, sagt Mey.

Trost und Ablenkung

Auch wer verunsichert ist und weglaufen will, lässt sich besänftigen. Wichtig ist es, den Grund dafür herauszufinden und ihn zu thematisieren, sodass sich die Person verstanden fühlt. Danach kann man sie in eine andere Richtung lenken. Etwa, indem man ihr Trost spendet und sie mit einer einfachen Tätigkeit oder einem positiven Thema ablenkt.

„Wichtig ist, dass man ruhig bleibt und nicht in Stress gerät, sonst überträgt sich das auf die Pflegebedürftige oder den Pflegebedürftigen“, betont Mey. Ebenso müsse man darauf achten, dass man das Gegenüber nicht mit Worten überschüttet, denn das überfordere Menschen mit Demenz.

„Es ist nicht immer einfach, ruhig zu bleiben, wenn jemand schon seine Jacke anhat und an der Haustür steht“, gibt die Expertin zu. „In einem solchen Fall hilft es, wenn man sagt: ,Warte, ich komme mit‘ und mit der oder dem Betroffenen eine Runde läuft. Das Laufen hilft auch, die Unruhe abzubauen.“

Die gute Nachricht: Die Tendenz zum Hin- oder Weglaufen tritt nur phasenweise auf. Wie lange diese Zeitspanne andauert, ist individuell verschieden. Auch die Uhrzeit lässt sich gut eingrenzen: „Meist werden die Menschen am späten Nachmittag oder frühen Abend unruhig. Sie haben das Gefühl, sie müssten irgendwohin“, erläutert Mey.

Darüber hinaus lässt sich auch das Zuhause sicherer machen: Die Haustür kann mit einem elektrischen Sensor versehen werden, der beim Öffnen einen Signalton abgibt. Oft reicht es, nur ein Glöckchen an die Tür zu hängen. Hier kann man ausprobieren, welche Lösungen hilfreich sind. Manchmal helfen auch kreative Ideen, wie beispielsweise, die Tür mit einem Vorhang zu verdecken, ein Absperrband anzubringen oder ein Schild mit der Aufschrift „Frisch gestrichen“.

Info

Wer weitere Fragen zu Demenz­erkrankungen hat, kann sich an das Alzheimer-Telefon unter (030) 259 37 95 14 wenden. Die Beratungszeiten sind Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und Freitag von 9 bis 15 Uhr. Beratung in türkischer Sprache gibt es mittwochs von 10 bis 12 Uhr.

Annette Liebmann

Schlagworte Pflege | pflegende Angehörige | Demenz | Demenz-Erkrankungen | Alzheimer | Deutsche Alzheimer Gesellschaft

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