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Inklusion: Film ab!

Kino und Fernsehen werden langsam diverser

In Film und Fernsehen fehlt es oft an Inklusion. So wird zum Beispiel eine blinde Anwältin von einer sehenden Schauspielerin gespielt. Doch es gibt positive Tendenzen.

Vespa Vasic (rechts) spielt in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ die Blindenfußballerin Sandra Schmidt, die sich schwer verletzt und in die Klinik muss.
Vespa Vasic (rechts) spielt in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ die Blindenfußballerin Sandra Schmidt, die sich schwer verletzt und in die Klinik muss. | © MDR/Saxonia Media/Robert Strehler

„Darsteller mit Behinderung gesucht“, hieß es im Juni in einer Medienmeldung. Die ARD-Serie „In aller Freundschaft“ solle mehr Diversität zeigen, war zu lesen. So machte sich eine Agentur auf die Suche nach Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung und landete bei Wolfgang Janßen. Dieser betreibt „Rollenfang“, eine Plattform für Inklusion in Film und Fernsehen, und auf dieser findet man auch Vespa Vasic.

Seltene Augenerkrankung

Die 28-jährige Berlinerin steht, seit sie ein Baby war, vor der Kamera. Zunächst als Model für ein Eltern-Magazin, später in Film- und Fernsehrollen. Mit acht Jahren spielte sie im „Traumschiff“, mit zwölf im „Tatort“. In der Grundschule erlebte sie einen schweren Rückschlag: Sie konnte immer schlechter lesen. Ihre Schulleistungen litten. Nach vielen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sie von der seltenen Augenerkrankung Morbus Stargardt betroffen ist. Dabei werden absterbende Zellen nicht abgetragen und bleiben auf der Netzhaut liegen. Leider ist dies bisher nicht behandelbar.

Trotz großer Widerstände machte sie Abitur und bewarb sich danach bei zahlreichen Schauspielschulen. Spätestens beim Vorsprechen stieß sie immer wieder auf Vorbehalte wegen ihrer Sehbehinderung und kassierte letztendlich nur Absagen. Daraufhin studierte sie Rehabilitationspädagogik, blieb aber der Schauspielerei treu und kam so zu Rollenfang.

Nun bewarb sie sich erfolgreich für eine Rolle bei „In aller Freundschaft“, bekam eine Zusage und spielt in der Folge „Ausgebremst“, die am 1. Dezember um 21 Uhr im Ersten laufen soll (oder jederzeit in der ARD-Mediathek), eine Blindenfußballerin, die sich schwer verletzt und in die „Sachsenklinik“ muss. Der Dreh habe ihr viel Spaß gemacht, sagt Vespa Vasic, und das Ziel, die Serie diverser zu machen, begrüßt sie.

Wolfgang Janßen findet dies auch gut. Allerdings ist es nach seinen Worten nur der erste Schritt zur Inklusion. „Fast immer werden die Rollen auf die Behinderung reduziert“, sagt er. Ziel müsse es sein, dass der Rollstuhl oder die Sehbehinderung in den Hintergrund rücken. Vespa Vasic will auch lieber Rollen spielen, „bei denen der Konflikt des Charakters nicht mit der Behinderung zusammenhängt“.

Genügend gute Akteure gibt es offensichtlich, wie auch Jana Brandt, Fernsehfilm-Chefin des MDR, bestätigt. „Die enorme, positive Resonanz auf die Ausschreibung hat uns gezeigt, dass es sich lohnt, von gewohnten Wegen abzuweichen“, sagt sie. „Wir hatten mit hochwertigen Bewerbungen gerechnet, aber uns hat die Vielfalt und die Menge überrascht.“

So soll es noch mehr Folgen mit Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung geben. Ein Rollstuhlfahrer bekommt sogar eine neue durchgehende Rolle als Arzt in der Serie, und der Fokus wird laut MDR nicht auf seiner Behinderung liegen, sondern auf seiner Tätigkeit.

Bei Wolfgang Janßen hat sich inzwischen ein großer Streaming-Dienst gemeldet: Dieser will auch diverser werden und setzt auf Rollenfang.

Sebastian Heise

Schlagworte Inklusion | Diversität | Film | Fernsehen | Schauspielerin | Vespa Vasic | Rollenfang | Wolfgang Janßen | Jana Brandt | In aller Freundschaft | MDR | Behinderung

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