21. September 2020
VdK-Zeitung

Der ungewohnte erste Vorname

Praxen, Behörden und Fluggesellschaften kennen keinen Rufnamen – Standesamt ermöglicht Namenstausch

Mehrere Vornamen zu haben, bietet Vorteile. Im Laufe seines Lebens kann man diese problemlos wechseln. Doch es gibt auch Nachteile, vor allem, wenn der erste nicht gleichzeitig der bevorzugte Vorname ist. Der Autor dieses Textes spricht aus eigener Erfahrung.

Beim Kieferorthopäden, mit neun Jahren, stellte ich erstmals fest, dass es ungünstig sein kann, wenn der erste Vorname nicht der ist, mit dem man gerufen wird. Ich saß bereits seit gut einer Stunde im Wartezimmer der offensichtlich schlecht organisierten Praxis, als die Mitarbeiterin einen Namen aufrief, bei dem niemand reagierte. Erst als sie nach mehrmaliger Wiederholung und in mahnendem Tonfall neben dem Vor- auch den Nachnamen nannte, fiel mir auf, dass ich gemeint war.

Zwar blieb es bei den folgenden Besuchen ungewohnt, mit meinem ersten von zwei Vornamen aufgerufen zu werden. Doch ich konzentrierte mich und stand die kommenden Male schneller auf, wenn mein Erstname genannt wurde. In Kindheit und Jugend machte ich keine weiteren schlechten Erfahrungen mit meinem ersten Vornamen, der nur kurz nach der Geburt mein Rufname war. Bis zum Schulabschluss unterschrieb ich Klausuren und Prüfungen mit Ruf- und Nachname, und im Zeugnis wurden alle drei Namensbestandteile genannt.

In der Universität machte es ebenfalls keinen Unterschied, ob ich mit einem oder zwei Vornamen die Scheine ausfüllte. Das Diplom bekam ich mit vollständigem Namen ausgehändigt. Bei Miet- und Arbeitsverträgen beließ ich es ebenfalls meist bei meinem Ruf- und Zunamen – ohne negative Folgen.

Kritische Bankberaterin

Als ich mich aber vor einiger Zeit bei der Bank ausweisen musste, brauchte ich große Überzeugungskraft, um deutlich zu machen, dass mein Zweitname der Rufname ist. Die Angestellte war trotz ihrer anfänglichen Skepsis sehr nett und wies mich darauf hin, dass ich die Vornamen tauschen könne. Für mich ist dies keine Alternative, da ich die Reihenfolge so, wie meine Eltern sie einst festgelegt hatten, beibehalten möchte. Schließlich finde ich, dass es in der vorgesehenen Reihenfolge schöner klingt.

Für Namensforscher Knud Bielefeld ist mein Argument nicht nachvollziehbar. Wenn man nur einen Rufnamen verwende, spiele der Klang doch keine Rolle, sagt er. Aus logischen Gründen muss ich ihm recht geben. Aus Tradition jedoch lehne ich den Vornamenstausch ab. Knud Bielefeld taucht jährlich in den Schlagzeilen auf, wenn er die beliebtesten Vornamen des Landes verkündet. Der Namensforscher aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein bekommt zu dem Thema regelmäßig Zuschriften und kennt die Probleme von Menschen mit ihren Namen.

Eine Frau, die ebenfalls nur ihren zweiten Vornamen verwendet, berichtete ihm, dass sie einmal am Flughafen in Erklärungsnot kam, weil auf dem gebuchten Ticket ein anderer Vorname an erster Stelle stand. Diese Erfahrung war so lehrreich, dass sie bei der nächsten Buchung alle Vornamen verwendete. Der Experte sieht auch Vorteile darin, wenn jemand mehrere Vornamen hat. So können diese Menschen problemlos ihr Leben lang den Rufnamen wechseln. Denn alle Vornamen sind gleichberechtigt.

Seit November 2018 lässt sich dank einer Änderung des Personenstandsgesetzes die Reihenfolge der Vornamen beim Geburtsstandesamt zudem ohne Probleme wechseln. Wer nur einen Vornamen hat, tut sich mit einem neuen Namen schwerer. Er muss den Wunsch gut begründen. Bei Vornamen wie Adolf oder Osama ist dies für die zuständige Meldebehörde gut nachvollziehbar. Ansonsten kann das Standesamt ein psychologisches Gutachten verlangen, damit es den Namenswechsel akzeptiert.

Aus Dieter wurde Max

Der ARD-Moderator Max Moor hieß ursprünglich Dieter, mochte diesen Vornamen aber seit seiner Kindheit nicht und änderte ihn im Alter von 54 Jahren. Künstler, Schriftsteller und Journalisten haben einen Vorteil: Im Beruf dürfen sie ein Pseudonym verwenden. Wenn sie zum Arzt gehen oder ein Flugticket buchen, müssen sie jedoch wie alle anderen Menschen auch ihre standesamtlich festgelegten Namen verwenden.

Sebastian Heise

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