VdK-Zeitung

Nervenkitzel nach 120 Minuten

Vor 50 Jahren wurde das Elfmeterschießen offizielle Regel – TV-Dokumentation blickt zurück

Große Fußballmeisterschaften ohne Elfmeterschießen sind kaum noch vorstellbar. Immer wieder werden Spiele auf diese Weise entschieden. Ein bayerischer Schiedsrichter sorgte dafür, dass es in die nationalen und internationalen Regeln aufgenommen wurde – vor 50 Jahren.

Uli Hoeneß zeigt ein Bild des Schiedsrichters Karl Wald. Der frühere Nationalspieler kommt in der BR-Dokumentation "Ein deutsches Drama - 50 Jahre Elfmeterschießen" zu Wort. | © BR/Christoph Nahr


Belgrad, 20. Juni 1976: Endspiel der Fußball-Europameisterschaft in Belgrad. Nach 90 Minuten und Verlängerung steht es zwischen Deutschland und der CSSR 2:2. Bundestrainer Helmut Schön hatte sich vor dem Finale gegen ein Wiederholungsspiel ausgesprochen, falls nach 120 Minuten noch immer kein Sieger feststehen sollte. Er hatte den europäischen Fußballverband Uefa gebeten, in dem Fall ein Elfmeterschießen zu veranstalten. Die Uefa folgte dem Vorschlag und so musste dies nun die Entscheidung bringen.

Die ersten sieben Spieler der beiden Mannschaften treffen. Dann geht Uli Hoeneß zum Punkt. Er läuft an, tritt mit Wucht gegen den Ball – und dieser fliegt weit über das Tor. Geknickt geht er zurück zur Mittellinie. Antonin Panenka, der fünfte Schütze der tschechischen Mannschaft, hat die große Chance, sein Team zum Sieg zu schießen. Er läuft an und mit einem gefühlvollen Lupfer düpiert er Sepp Maier und macht den Außenseiter zum Europameister.

Dieses Elfmeterschießen war das erste, zu dem das DFB-Team antreten musste. Im Gegensatz zu heute haben die Spieler dieses im Vorfeld auch nicht trainiert.

Erst sechs Jahre zuvor hatte der Schiedsrichter Karl Wald aus dem oberbayerischen Penzberg initiiert, dass das Elfmeterschießen in den nationalen und internationalen Fußball-Wettbewerben eingeführt wurde. Wald war es leid, bei K.-o.-Spielen, die nach einer Verlängerung unentschieden standen, eine Münze zu werfen, um den Sieger zu ermitteln. Für ihn war dies immer eine undankbare Aufgabe. Es war ein reines Glücksspiel, das über Triumph und Niederlage entschied. So kam er auf die brillante Idee des Elfmeterschießens.

Irische Vorgeschichte


Den Punkt im Strafraum gab es schon lange. In Irland wurde 1891 die Idee des Strafstoßes geboren. Zunächst wurde dafür eine Linie eingezeichnet, die genau zwölf Yards (knapp elf Meter) von der Torlinie entfernt war. Später wurde daraus der Elfmeterpunkt. Bis 1970 spielte dieser in Deutschland und bei internationalen Wettbewerben nur während des Spiels eine Rolle.

In anderen Ländern gab es zwar schon in den 1950er- und 1960er-Jahren unterschiedliche Formen des Elfmeterschießens. Doch Karl Wald entwickelte schließlich die Regeln, die bis heute gültig sind: So treten von beiden Mannschaften abwechselnd fünf Spieler an. Es gewinnt das Team, das mehr Treffer erzielt. Steht es nach den zehn Akteuren unentschieden, wird abwechselnd weiter geschossen, bis ein Sieger feststeht.
Wald stellte die Idee auf einer Sitzung des Bayerischen Fußball-Verbands vor. Eine Mehrheit stimmte für die Einführung und in kurzer Zeit übernahmen der Deutsche Fußball-Bund, die Uefa und auch der Weltverband Fifa diese Regel.

Für die deutsche Mannschaft war dies bis heute eine gute Lösung. Denn bis auf die bittere Niederlage in Belgrad folgten nur noch Siege im Nervenspiel vom Strafstoßpunkt. Die Nationaltorhüter Harald „Toni“ Schumacher, Bodo Illgner, Andreas Köpke, Jens Lehmann und Manuel Neuer konnten sich alle bei großen Turnieren als Helden im Elfmeterschießen feiern lassen. England verlor gleich zwei Halbfinals auf diese Weise gegen Deutschland.

Über die 50-jährige Geschichte des Elfmeterschießens hat der Bayerische Rundfunk eine sehenswerte Dokumentation gedreht. Unter dem Titel „Ein deutsches Drama“ ist diese in der ARD-Mediathek zu sehen. Im BR Fernsehen soll der Film am Samstag, 12. September, ab 17 Uhr gezeigt werden. Dabei kommen sowohl erfolgreiche deutsche Torhüter als auch Feldspieler zu Wort. Uli Hoeneß erzählt darin ebenfalls, warum er 1976 verschossen hat.

Sebastian Heise

Schlagworte Elfmeter | Elfmeterschießen | Fußball | Regeln | Karl Wald | Penzberg | Bayerischer Fußballverband | FIFA | Verlängerung

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