20. März 2020
VdK-Zeitung

Menschen zur Seite stehen

Wer regelt die Angelegenheiten, wenn man selber nicht mehr kann? Alles zum Thema gesetzliche Betreuung

Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um das Leben von Menschen, die aufgrund einer körperlichen oder psychischen Erkrankung oder einer Behinderung ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Es gibt sowohl ehrenamtliche Betreuer, Vereinsbetreuer als auch Berufsbetreuer.

© Rainer Sturm/pixelio.de

Seit fast 30 Jahren arbeitet Edith Kernstock, VdK-Ortsvorsitzende im bayerischen Leutershausen, zunächst als ehrenamtliche, mittlerweile auch als freiberufliche Betreuerin. Sie vertritt Menschen, die sonst niemanden haben, in wichtigen Angelegenheiten. Zu ihrem Job gehört Büroarbeit, aber auch, dass sie ständigen Kontakt zu ihren rund 25 Schützlingen hält. Deshalb ist sie viel unterwegs.

Im Umgang mit den Betreuten ist ihr die Menschenwürde besonders wichtig. „Ich behandle sie so, wie ich selbst gern behandelt werden möchte“, sagt die 72-Jährige. In Deutschland werden mehr als zwei Drittel aller Betroffenen ehrenamtlich betreut, rund 85 Prozent davon durch Familienangehörige. Nur ein ganz kleiner Teil der Betreuungen wird beruflich geführt, entweder von Mitarbeitern eines Betreuungsvereins oder von freiberuflichen Betreuern. Kernstock ist eine Ausnahme, weil sie nicht nur freiberuflich, sondern auch ehrenamtlich arbeitet. Der Bedarf an Berufsbetreuern ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, weil immer mehr Menschen keine Angehörigen haben oder diese überfordert sind.

Ehrenamt hat Vorrang

Grundsätzlich hat die ehrenamtliche Betreuung Vorrang. Dafür kommen nicht nur Familienmitglieder infrage, sondern auch Freunde, Nachbarn, Berufskollegen sowie sozial engagierte Personen. Eine Betreuerin oder ein Betreuer wird vom Betreuungsgericht bestellt. Bei der Auswahl der Person hat die oder der Betroffene das Recht zur Mitwirkung. Allerdings wird beispielsweise der Partner oder die Tochter nicht automatisch zum Betreuer berufen. Wer schriftlich festlegen will, dass ein bestimmter Angehöriger die Vertretung seiner Angelegenheiten übernimmt, sollte eine Betreuungsverfügung verfassen.

Insbesondere bei einer Demenzerkrankung empfiehlt es sich, diese Frage zu regeln, solange man noch voll geschäftsfähig ist, damit die Verfügung tatsächlich rechtswirksam ist. Das Betreuungsgericht bestimmt, in welchen Bereichen die oder der Betroffene vertreten werden soll. Mögliche Aufgabengebiete sind beispielsweise die Vermögenssorge, die Gesundheitssorge, die Aufenthalts bestimmung sowie Behördenangelegenheiten. Darüber hinaus legt das Gericht fest, wie lang die Betreuung angeordnet wird.

Der maximale Zeitraum einer Betreuungsanordnung umfasst sieben Jahre. Nach dieser Zeit wird die Notwendigkeit der Betreuung nochmals geprüft. Die Kosten für einen Berufsbetreuer finanziert die oder der Betroffene aus eigener Tasche. Sollte dieser dazu nicht in der Lage sein, werden die Kosten von der Staatskasse getragen. Ehrenamtliche Betreuer können eine jährliche Aufwandspauschale geltend machen.

Berufsbetreuer kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Allerdings ist es von Vorteil, wenn man Kenntnisse aus dem kaufmännischen und sozialen Bereich, im Sozialrecht oder aus dem Verwaltungs- oder Gesundheitswesen mitbringt. Edith Kernstock beispielsweise war Verwaltungskauffrau und profitiert von diesem Wissen, weil sie für ihre Schützlinge viel mit Behörden zu tun hat. Noch wichtiger findet sie die menschliche Eignung. Ihrer Meinung nach sollte ein Betreuer herzlich und einfühlsam sein und keine Berührungsängste haben – vor allem nicht im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

Wer Berufsbetreuer werden will, kann sich bei der Betreuungsbehörde der Stadt oder im Landratsamt bewerben. Um als Betreuer anerkannt zu werden, sollten mindestens elf Personen dauerhaft betreut werden. Um von diesem Beruf leben zu können, sind jedoch 45 bis 50 Personen notwendig. Dabei sollte beachtet werden, dass der Kontakt zu den Schützlingen nicht abreißen darf, da deren Wohl immer im Mittelpunkt stehen muss. Das gilt auch bei der Verwaltung der Finanzen – Betreuer haben die Pflicht, das Vermögen vor Verlusten zu schützen.

Vorsorgevollmacht

Wer die Bestellung eines Betreuers vermeiden will, kann bereits im Vorfeld eine Vorsorgevollmacht erteilen. Im Gegensatz zur gesetzlichen Betreuung gibt es hier allerdings keine gerichtliche Kontrolle. Für die Erteilung einer Vollmacht ist daher die Grundvoraussetzung ein absolutes Vertrauensverhältnis zur bevollmächtigten Person. Beratung hierzu sowie zum Thema der gesetzlichen Betreuung bieten die Betreuungbehörden oder Betreuungsvereine.

Auch der VdK Bayern informiert zu diesen Themen:

Annette Liebmann

Schlagworte Betreuung | Vorsorgevollmacht

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