27. März 2019
VdK-Zeitung

Sorbische Ostereier als Geschenk für das Osternest

Mit Wachs, Farbe und Federkiel: VdK-Mitglied Lydia Noack kennt das alte Brauchtum und ist eine Meisterin des Verzierens

Filigrane Kunst: Lydia Noack aus Rohne ist Expertin für sorbische Ostereier. Jedes Jahr entstehen neue Werke. | © privat

Sorbische Ostereier: ein slawisches Brauchtum, das immer noch gepflegt wird. Die Muster werden mit einer besonderen Maltechnik aufgebracht. Sorben, auch Wenden genannt, sind ein Volksstamm aus der Niederlausitz in Sachsen und der Spreewaldregion in Brandenburg. Ihn gibt es bis heute, seine besondere Kunst ebenfalls.


Das Ei mit seiner vollendeten Form spielt schon lange als Kunstobjekt eine Rolle. So auch bei den Sorben. Dort gibt es immer noch Beispiele lebendiger Brauchtumspflege wie das Verzieren von Ostereiern, das meistens in der Wachsbatiktechnik geschieht. Dabei entstehen am Karfreitag im Kreis der Familie mit Wachs, Farbe, Federkiel und viel Sorgfalt wunderschöne, kleine Kunstwerke.

VdK-Mitglied Lydia Noack aus Rohne, das zur Gemeinde Schleife in Ostsachsen gehört, beherrscht diesen Osterbrauch seit ihrer Kindheit. Die 57-Jährige erzählt: „Das wurde mir von den Eltern und Großeltern weitergegeben.“ Seit mehreren Generationen sei es in ihrer Familie Tradition, am Karfreitag Eier zu bemalen. „Der Brauch ist hier noch sehr verbreitet, auch wenn viele nicht mehr Sorbisch sprechen“, sagt Lydia Noack. Schon in den Kindergärten und Schulen werde geübt. Üblich sei die Wachsbatiktechnik: Warmes Wachs wird auf das Ei aufgetragen. Erst, wenn das Wachs kalt ist, kommt Farbe drauf.

Das Ganze ist nicht nur eine Kunst, sondern erfüllt auch einen Zweck: Jedes Patenkind erhält am Ostersonntag in seinem Patengeschenk drei dieser reich verzierten Eier zusammen mit guten Wünschen für Gesundheit, Glück und Wohlergehen bis zum nächsten Osterfest. Die Eier sind gekocht und werden von den Kindern auch gegessen. Nur Patenkinder, die jünger als ein Jahr sind, erhalten drei rohe, weiße Eier. „Man gibt sich beim Verzieren der Eier für die Patenkinder sehr große Mühe. Je schöner und kunstvoller sie sind, umso mehr wünscht man dem Kind“, sagt Lydia Noack. Wiewohl der ganze Brauch sehr symbolhaft sei.

Zum Geschenk für das Patenkind kommen noch eine Ostersemmel, Süßigkeiten und Geld dazu. „Man braucht Übung zum Bemalen der Eier und natürlich eine ruhige Hand“, weiß Lydia Noack. Drei bis vier Stunden Zeit müsse man für ein reich verziertes Ei schon einrechnen. Sie selbst hatte neun Patenkinder, jetzt aber nur noch eines. Mit der Konfirmation endet die Patenschaft.

„Die Sorben waren sehr gläubig“, erklärt Lydia Noack. Dass genau drei Eier als Geschenk gegeben werden, hat einen tieferen Grund: die Dreifaltigkeit, das zentrale Glaubensgeheimnis des christlichen Glaubens und Lebens mit Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und wenn Lydia Noack an die Zeit ihrer eigenen Kindheit zurückdenkt, spielen die sorbischen Ostereier eine sehr große Rolle: „Ich bekam sie ja selber auch als Geschenk. Das war immer eine große Aufregung. Früher hatte man nicht viel Geld, da waren die gekochten, schönen Eier wertvoll.“

Heute gibt es in ihrer Gegend Ostereierwettbewerbe für verschiedene Altersstufen, schon Kinder können daran teilnehmen. Es wird nach Kriterien wie Traditionalität und Originalität bewertet. Man malt mit kleinen Federn Rhomben oder Dreiecke oder auch Muster wie Bienenwaben, die Fleiß und Wohlergehen symbolisieren. Mit Wolfszähnen werden der Winter, die Kälte und das Böse vertrieben. Für die Wettbewerbe werden ausgeblasene Eier verwendet, die haltbarer sind. Im Sorbischen Kulturzentrum in Schleife kann man sehr viele Oster eier bewundern.

Am 6. und 7. April, jeweils von 10 bis 17 Uhr, lädt das Kulturzentrum zum 22. Sorbischen Ostereiermarkt ein. 30 Ostereiermalerinnen und -maler aus der Lausitz lassen sich beim Verzieren der Kunstwerke über die Schulter schauen. Dort werden sogar vier in der Lausitz übliche Techniken des Ostereier-Verzierens vertreten sein: die Wachsbatik- und die Wachsbossiertechnik ebenso wie die seltenere Kratztechnik und die Ätztechnik. Wer selbst sorbische Ostereier in der Wachsbatiktechnik verzieren möchte, kann dies unter fachkundiger Anleitung in der "Eiermalwerkstatt" ausprobieren.

Petra J. Huschke

Schlagworte Ostern | Sorbische Ostereier | Brauchtum

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