25. Oktober 2018
VdK-Zeitung

Kleine Lebensretter

Vor 60 Jahren wurde erstmals ein Herzschrittmacher eingesetzt – moderne Geräte sind sicher und langlebig

Damals war es eine medizinische Sensation, heutzutage ist es ein Routineeingriff, der für viele Menschen ein besseres Leben verspricht: Vor sechs Jahrzehnten wurde in Stockholm zum ersten Mal einem Patienten ein Herzschrittmacher eingesetzt.

Herzspezialist Prof. Dr. Andreas Schuchert. | © F.­Ebert­Krankenhaus

Die verzweifelte Ehefrau eines herzkranken Mannes hatte einen Ingenieur und einen Chirurgen zu einer Operation veranlasst, die bahnbrechend war. Das Herz des 43­-jährigen Arne Larsson war nicht mehr im Takt, schlug nur ganz langsam und zwischendurch blieb es stehen. Immer wieder verlor er das Bewusstsein und musste bis zu 30­mal am Tag wiederbelebt werden. Larsson litt an einem AV-­Block, einer Störung der Erregungsleitung zwischen Vorhof und Kammer, und an wiederkehrenden Adams-­Stokes­-Anfällen, kurzen Herzstillständen, während denen der Patient das Bewusstsein verliert.

Ingenieur Rune Elmqvist und der Chirurg Åke Senning hatten bereits einen Herzschrittmacher entwickelt, ihn aber noch nicht am Menschen ausprobiert. Auf Drängen von Larssons Frau Else ­Marie wagten sie es und setzten am 8. Oktober 1958 im Karolinska Hospital in Stockholm in einer Notoperation Arne Larsson das Gerät ein. Es hielt drei Stunden. Dann setzten sie ein neues ein, das eine Woche funktionierte. Larsson bekam insgesamt 26 Schrittmacher implantiert, bis er im Jahr 2001 mit 86 Jahren an Krebs starb.

Sensationelle Erfindung

Für den Kardiologen Prof. Dr. Andreas Schuchert war die erste Implantation eines Herzschrittmachers „sensationell“ und „etwas grundsätzlich Neues“. Arne Larsson litt unter einer „tödlichen Erkrankung“ am Herzen, und so konnte er noch 43 Jahre leben. Der Herzschrittmacher besteht vom ursprünglichen Prinzip her aus zwei wesentlichen Teilen. Eines ist das Gehäuse, in dem das Steuerelement, sozusagen der „Computer“, eine langlebige Batterie und die Anschlüsse für die Sonden integriert sind.

Der Operateur macht dafür einen kleinen Schnitt in die Brust und legt das Gerät zwischen den Brustmuskel und das Fettgewebe unterhalb der Haut. Der zweite Teil ist die Sonde. Sie wird bei der Operation über große Körpervenen zum Herzen geführt und im Herzmuskel fixiert. Verbunden mit dem Gehäuse stimuliert die Sonde in dem Moment den Herzmuskel, sobald der Herzschlag aussetzt.

Die technische Entwicklung habe die Geräte deutlich stabiler und langlebiger gemacht, erläutert Schuchert, der dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört. Die Schrittmacher seien mittlerweile auch Minicomputer, die sich selbst steuern. Das heißt, falls der Impuls zu schwach ist, um den Muskel zu bewegen, wird er automatisch verstärkt. Außerdem sammelt das Gerät viele Daten, die für die Therapie nützlich sind.

Mittlerweile gibt es auch eine zweite sondenlose Herzschrittmacher­Variante, die nur noch aus einem Teil besteht. In diesem Gerät, das nur 2,6 Zentimeter lang und 1,8 Gramm schwer ist, ist alles kompakt untergebracht. Dieser Schrittmacher wird direkt in das Herz eingesetzt, erklärt Schuchert. Allerdings ist er nur für Patienten geeignet, die aufgrund ihrer langsamen Herzrhythmusstörung lediglich eine Stimulation in der rechten Herzkammer benötigen.

75.000 Implantationen

Andreas Schuchert und sein Team vom Friedrich­-Ebert­-Krankenhaus im holsteinischen Neumünster setzen jedes Jahr etwa 200 Herzschrittmacher ein. Bundesweit sind es etwa 75.000. 55 Prozent der Operierten sind Männer,
und 95 Prozent sind 65 Jahre alt oder älter. Der Eingriff geschieht meist mithilfe von Lokalanästhesie und dauert kurz, die Patienten sind oft schnell wieder fit – und im Gegensatz zu Arne Larsson kommen die meisten mit nur einem Herzschrittmacher aus.

Herzwochen

„Herz außer Takt – Vorhofflimmern“: Wie kann man sich vor der Volkskrankheit Vorhofflimmern und seiner größten Gefahr, dem Schlaganfall, schützen? Wie wird Vorhofflimmern festgestellt? Welche Therapien helfen? Vom 1. bis 30. November finden die Herzwochen mit bundesweit mehr als 1000 Seminaren statt.

Termine und Infos: www.herzstiftung.de

Deutsche Herzstiftung
Bockenheimer Landstraße 94–96
60323 Frankfurt/Main
Tel: (0 69) 95 51 28­4 00
E-Mail: info@herzstiftung.de


Sebastian Heise

Schlagworte Herzschrittmacher

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