9. Juni 2018
VdK-Zeitung

Spitzenpolitiker zollen dem VdK großen Respekt

CDU-Generalsekretärin sowie die Parteichefs von SPD, Grüne und Die Linke bei Schlussveranstaltung des Bundesverbandstags

Welchen Einfluss der VdK auf die Politik hat, ist bei der Abschlussveranstaltung des Bundesverbandstags deutlich geworden. Nach der Grundsatzrede der neuen VdK-Präsidentin Verena Bentele sprachen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, SPD-Vorsitzende Andrea Nahles, Grünen-Chef Dr. Robert Habeck und Linkspartei-Chefin Katja Kipping.

Gleich bei ihrer ersten öffentlichen Rede als VdK-Präsidentin riss Verena Bentele die VdK-Delegierten und die geladenen Gäste mit. Ihre kämpferische Art und die große Zustimmung im Saal beeindruckten auch die anwesenden Spitzenpolitiker. Dr. Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sprach von einer „Hurricane-Rede“. Das sei schon ein Ausrufezeichen gewesen, fügte er hinzu.

Die neue Präsidentin des fast 1,9 Millionen Mitglieder starken Sozialverbands kündigte auf der Abschlussveranstaltung des Bundesverbandstags an, den Politikern mächtig Druck zu machen. „Ich freue mich darauf, die laute Stimme für soziale Gerechtigkeit zu sein“, sagte Bentele. Die Bundesregierung müsse den größten Verband für Rentnerinnen und Rentner beim Thema Alterssicherung anhören, betonte sie. Bentele forderte, das Rentenniveau wieder anzuheben und die Mütterrente für alle gleich zu gestalten. Sie wies den Einwand zurück, es gebe kein Geld für Rentenerhöhungen.

Der Staat müsse dafür sorgen, dass große Konzerne wie Amazon, Ikea oder Google ihre Gewinne korrekt versteuerten, dann hätte man genug Finanzmittel, sagte Bentele. Sie beklagte die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Wenn die 36 reichsten Milliardäre in Deutschland so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen, „dann läuft einiges schief“, sagte die neue VdK-Präsidentin. Sie forderte eine Anhebung des Mindestlohns, eine sichere Rente, gute Pflegebedingungen und Barrierefreiheit.

Andrea Nahles, die SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende, gratulierte dem Sozialverband VdK zu seiner erst 36 Jahre alten Präsidentin. „Nicht jede Organisation, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, kriegt so einen Generationswechsel hin, wie es der VdK jetzt geschafft hat“, sagte Nahles mit großem Respekt. Sie lobte Verena Bentele dafür, Verantwortung zu übernehmen und sagte, sie sei sicher, dass die neue VdK-Präsidentin „das gut machen wird“.

Als Sozialministerin der letzten Bundesregierung habe sie selbst mit der damaligen Behindertenbeauftragten Bentele bei der Erarbeitung des Bundesteilhabegesetzes viel diskutiert. „Sie hat mich immer wieder genervt“, sagte Nahles anerkennend. Und mit ihren Einwänden „hat sie uns dazu gebracht, ein besseres Gesetz zu machen“, fügte die SPD-Chefin hinzu. Deswegen forderte sie Verena Bentele und den VdK auf: „Nervt uns ruhig ein bisschen! Wenn wir am Ende bessere Gesetze haben, werden wir alle etwas davon haben.“

Nahles sprach die geplante Änderung bei der Mütterrente an, die auch künftig keine vollständige Angleichung vorsieht. So werden, laut Koalitionsvertrag, bei vor 1992 geborenen Kindern nur dann drei Rentenpunkte gutgeschrieben, wenn die Mutter mindestens drei Kinder auf die Welt gebracht hat. „Da ist sicher das letzte Kapitel noch nicht geschrieben“, sagte Nahles.

„Spaltung stoppen!“


Grünen-Chef Dr. Robert Habeck griff in seinem Grußwort das Motto des VdK-Bundesverbandstags „Soziale Spaltung stoppen!“ auf. Er verglich den Riss in unserer Gesellschaft mit den riesigen Schluchten des Grand Canyons. Das Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich „müssen wir stoppen“, sagte Habeck. Die Politik müsse einsehen, dass in den letzten Jahrzehnten viel falsch gelaufen sei, fügte er hinzu. „Wir brauchen eine Trendwende, eine Schub umkehr, sonst fliegt uns der Laden irgendwann um die Ohren.“ Habeck beklagte einen „schamlosen Reichtum, wie ihn Karl Marx nicht hätte schlimmer beschreiben können“. Ähnlich wie Verena Bentele forderte er, die Steuerschlupflöcher zu schließen. „Die Politik muss handeln und die Firmen an die Kandare nehmen.“ Die Gier vieler müsse gestoppt werden.

Nach einem musikalischen Intermezzo der Klassikformation „Opera Concertante“, die aus Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters besteht, gratulierte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer Verena Bentele ebenfalls herzlich zur Wahl als VdK-Präsidentin. Sie lobte Bentele als jemanden, der seine Überzeugungen „mit aller Klarheit, freundlich und charmant, aber hartnäckig vorträgt“.

Auch die CDU-Generalsekretärin griff die Spaltung der Gesellschaft in ihrem Grußwort auf. Es gebe Entwicklungen in Deutschland, die mit massiven Ängsten verbunden seien. Gewissheiten, die früher galten, seien unter Druck geraten, sagte Kramp-Karrenbauer. Menschen fragten sich: „Was wird mit meiner Rente sein? Wie ist es mit der Pflege?“ Kramp-Karrenbauer sprach in dem Zusammenhang ebenfalls die Mütterrente an. Sie habe sich in ihrer Partei für Verbesserungen eingesetzt. Schließlich gehe es um den hohen Wert der Kindererziehung. Auch ihre Mutter, die sechs Kinder großgezogen hat, habe sich gefreut, als sie den geänderten Rentenbescheid gesehen habe. „Wir sind aber noch nicht am Ziel“, betonte Kramp-Karrenbauer. „Ich werde weiter dafür kämpfen.“

Die CDU-Generalsekretärin plädierte für ein gerechteres Steuer- und Abgabensystem. Sie setze sich ein für „eine Gesellschaft, in der es wieder selbstverständlich ist, dass starke Schultern mehr tragen“. Der Sozialverband VdK sei „als kritische Stimme in den kommenden Diskussionen absolut notwendig“, sagte Kramp-Karrenbauer zum Schluss ihrer Rede. Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke, lobte ebenfalls den Einsatz des Verbands für die sozial Benachteiligten: „Der VdK ergreift Partei, und das ist nötig!“ Sie dankte den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern für ihren „beharrlichen“ Einsatz.

Kipping sprach sich für eine deutlich bessere Bezahlung von Pflegekräften aus. „Warum verdienen diejenigen, die Menschen pflegen, viel weniger als diejenigen, die Autos reparieren?“, fragte die Linken-Vorsitzende. Außerdem beklagte sie, dass die Armut in Deutschland kontinuierlich zugenommen habe. Dies dürfe nicht nur bedauert, sondern müsse bekämpft werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung hat die neue VdK-Präsidentin Verena Bentele ihrer Vorgängerin Ulrike Mascher für ihren großen Einsatz für den Sozialverband VdK Deutschland gedankt. In einem Film wurden wichtige Stationen ihrer zehnjährigen Tätigkeit an der Spitze des größten deutschen Sozialverbands gezeigt. Anschließend blickte Bentele auf Maschers vielfältiges Wirken zurück, bevor sie ihr ein Abschiedsgeschenk überreichte sowie „Danke! Danke! Danke!“ sagte. Als die VdK-Ehrenpräsidentin Ulrike Mascher auf die Bühne trat, gab es von den VdK-Delegierten und den Gästen im Saal minutenlang stehende Ovationen.

Sebastian Heise

Schlagworte Bundesverbandstag | Abschlussveranstaltung

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