3. Mai 2018
VdK-Zeitung

„Tor in Gladbach! ... Elfmeter in Köln!“

Die ARD-Bundesliga-Konferenz im Radio sorgt am Samstagnachmittag für große Spannung – Wie die Kultsendung entsteht

Bei den letzten Spieltagen der Fußball-Bundesliga am 5. und 12. Mai werden wieder Millionen Radios laufen: in der Küche, im Auto, bei der Gartenarbeit. Fans werden gebannt die ARD-Hörfunk-Konferenz verfolgen. Die Live-Sendung gibt es seit Beginn der Bundesliga vor 55 Jahren, und sie funktioniert noch immer nach dem gleichen Prinzip. Ein Blick hinter die Kulissen.

BR-Reporter André Siems berichtet live aus dem Augsburger Stadion. | © Sebastian Heise

Samstag, 16 Uhr, Pressetribüne in der Augsburger Fußball-Arena. André Siems, Sportreporter des Bayerischen Rundfunks (BR), hat seit 15.05 Uhr bereits mehrfach für die Bayern-1-Sendung „Heute im Stadion“ vom Bundesligaspiel FC Augsburg gegen FC Bayern München berichtet. Nun steigt nochmal die Spannung. Nach den Nachrichten beginnt die Halbzeit-Konferenz aller Nachmittagsspiele. Der 42-Jährige geht mit drei anderen Reportern auf Sendung.

Goldene Regeln

Auf seinem Kopfhörer hört André Siems WDR 2. Der Sender produziert die Bundesligakonferenz für 26 öffentlich-rechtliche Radiosender im gesamten Bundesgebiet. Im Studio des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln sitzt Regisseur Holger Dahl. Als die Wettervorhersage läuft, hustet André Siems noch mal kräftig. Schließlich muss die Stimme gleich funktionieren. Der Regisseur meldet sich: „Der Wunsch bleibt unter 30“, sagt er. Heißt: In der ersten Runde soll kein Reporter länger als eine halbe Minute reden. Dies sei eine der goldenen Regeln, erläutert Marcus Tepper, ARD-Sportkoordinator Hörfunk. Es geht darum, den Zuhörern einen Überblick zu geben: Wie steht es und wie ist es bisher gelaufen? 16.05 Uhr. Nach den Nachrichten ist WDR-Moderator Sven Pistor zu hören, der zum vorentscheidenden Spiel um die deutsche Meisterschaft nach Augsburg gibt.

„Schnipp, schnapp, schnupp – und das Ding war gedreht.“ So leitet André Siems seinen Bericht über die erste halbe Stunde ein, in der der FC Augsburg zunächst das 1:0 geschossen hatte, und Bayern München durch zwei Tore kurz hintereinander in Führung ging. Ein zum Spielfeld gerichtetes Mikrofon an seinem Reportertisch fängt die Atmosphäre im Stadion ein. Auf André Siems folgen Stephan Kaußen in Köln, Detlev Lindner in Freiburg, Armin Lehmann in Mönchengladbach, und dann geht es wieder von vorne los. Die Konferenzreihenfolge legen die ARD-Sportchefs in der Woche vorher fest. Der Auftakt ist dabei traditionell dem Team vorbehalten, das am höchsten in der Tabelle steht, oder aber einer Partie, die sportlich besonders brisant ist.

Nach dem letzten Pausenpfiff endet die Konferenzschaltung zunächst. Die Sender machen ihr eigenes Programm. In Augsburg sind beispielsweise die beiden Interview-Reporter Lutz Bäucker und Philipp Nagel unterwegs, um Stimmen zum Spiel einzuholen.

16.30 Uhr. Die zweite Halbzeit beginnt. André Siems berichtet immer wieder in Einblendungen für Bayern 1. Als das 3:1 für die Münchner fällt, ist er sofort auf Sendung. Neben ihm sitzt Edgar Endres, der für andere ARD-Sender das Spiel kommentiert. 16.45 Uhr. Die Schlusskonferenz, der Höhepunkt jedes Spieltags, steht bevor. Regisseur Holger Dahl meldet sich. Kurz vorher war die schreckliche Amokfahrt in Münster, bei der zwei Menschen getötet wurden. Dahl bittet die Reporter um das Vermeiden von Wörtern wie „Schicksalsspiel“.

Alle auf Sendung

16.55 Uhr. Die Konferenzschaltung beginnt. Der Moderator im Studio gibt an André Siems, der Regisseur dreht dessen Regler voll und die der anderen Reporter halb auf, sodass alle auf Sendung sind. André Siems hat wieder 30 Sekunden Zeit, in denen er darüber berichtet, dass der FC Bayern 3:1 führt und damit auf dem besten Weg zu seinem 28. Meistertitel ist. In der ersten Runde durch die vier Stadien gibt es keine Besonderheiten. Doch dann geht es Schlag auf Schlag. André Siems berichtet über einen gefährlichen Freistoß für die Bayern, Köln hat ebenfalls eine „Riesen-Chance“, erzählt Stephan Kaußen, und dann: „Tor in Gladbach!“ Der Regisseur zieht den Regler von Armin Lehmann hoch, der zunächst aufklärt, dass Borussia Mönchengladbach das 1:1 geschossen hat, bevor er den Ablauf zum Tor schildert.

Der Ausruf „Tor in ...“ ist ebenfalls eine goldene Regel, erklärt Marcus Tepper, der selbst regelmäßig samstagnachmittags auf dem Regiestuhl sitzt. Zum einen ist die Ortsangabe das Zeichen für den Regisseur, welchen Regler er hochziehen muss. Zum anderen sorgt der Ausruf für zusätzliche Spannung. Denn die Hörer wissen zunächst nur, wo das Tor gefallen ist, aber nicht für wen: Es folgen Sekunden des Bangens und Hoffens. Ähnlich ist es bei einem Strafstoß. Auch dann ruft der Reporter nur „Elfmeter in Köln!“. In diesem Fall schildert er kurz die Szene, die dazu führte, gibt aber dann zunächst wieder zurück an den Kollegen, den er unterbrochen hat. Erst, wenn der Spieler zum Elfmeter antritt, meldet er sich wieder. Dieses Hin und Her macht die Live-Sendung so einzigartig und spannend. Besonders an den letzten beiden Spieltagen wechseln die Reporter oft innerhalb weniger Sekunden, da alle neun Spiele gleichzeitig stattfinden.

André Siems, der bereits EM- und Champions-League-Endspiele kommentiert hat und für das WM-Finale vorgesehen ist, gibt zu, bei der Konferenz angespannter zu sein, was man bei seinen gekonnten Beschreibungen der Spielszenen nicht merkt. Bis zu acht Millionen Menschen hören regelmäßig zu. Viele bekannte Reporter prägten die Konferenz wie Manfred Breuckmann oder Günther Koch.

Marcus Tepper, ARD-Sportkoordinator Hörfunk (rechts), im Regieraum in Köln. | © Bernd-Michael Maurer/WDR

Die Idee für die Live-Konferenz hatten gleich im ersten Jahr der Bundesliga, 1963, die damaligen Sportchefs von BR und WDR, Fritz Hausmann und Kurt Brumme. Sie wurde zum „Aushängeschild“ des Hörfunks. Immer wieder ging es in den letzten Sekunden der Saison drunter und drüber, wie beispielsweise 1992, als der VfB Stuttgart im Dreikampf mit Frankfurt und Dortmund überraschend noch Meister wurde. 17.17 Uhr. Diese Entscheidung fällt dieses Mal schon im April in Augsburg. André Siems verkündet nach dem Schlusspfiff: „Das Spiel ist aus. Zum sechsten Mal hintereinander wird Bayern München Meister.“

Sebastian Heise

Schlagworte ARD-Bundesliga-Konferenz | Radio | Fußball | Andre Siems | ARD | Hörfunk | Bundesliga | Bayern München | FC Augsburg

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