21. September 2015
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Sozialverband VdK: Flüchtlinge willkommen!

Erklärung des Sozialverbands VdK Deutschland zur aktuellen Flüchtlingsfrage

Derzeit wird Deutschland für eine wachsende Zahl von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten, in denen bittere Not, Hunger und Perspektivlosigkeit herrschen, zu einem Zufluchtsort. Mit großer Hilfsbereitschaft der Bürger werden sie in Deutschland willkommen geheißen. Auch Deutschlands größter Sozialverband macht sich für Solidarität und Menschlichkeit stark und erteilt zugleich Gewalt, Fremdenhass und Ausgrenzung eine klare Absage.

© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de


Der Sozialverband VdK wurde gegründet, weil ein schrecklicher Krieg und ein menschenverachtendes Regime für die große Not in Deutschland nach 1945 verantwortlich waren und sich die Menschen selbst helfen mussten. Nicht nur die Kriegsheimkehrer, die Verwundeten, Witwen und Waisen mussten sich im zerstörten Nachkriegsdeutschland zurechtfinden. Millionen Menschen waren damals auf der Flucht. Sie suchten Schutz in einem Deutschland, das ihnen sicherlich erst einmal sehr fremd erschienen ist. Es ist eine der größten Leistungen, dass diese Flüchtlinge integriert wurden und sich irgendwann keiner mehr dafür interessierte, wo jemand geboren worden war.

Ganz im Sinne der Frauen und Männer, die den Sozialverband VdK gründeten, ruft der VdK alle Mitglieder und alle MitarbeiterInnen dazu auf, solidarisch zu sein. Viele Mitglieder, Landes-, Kreis- und Ortsverbände des Sozialverbands VdK engagieren sich bereits bei der Hilfe für die Flüchtlinge. Sie leisten Großartiges und zeigen Menschlichkeit und Solidarität. Der VdK-Bundesverband bedankt sich für dieses Engagement und ermutigt alle anderen dazu, ebenfalls aktiv zu werden und die Kommunen vor Ort bei der Hilfe für Flüchtlinge zu unterstützen. Dabei scheint es sinnvoll, sich gemeinsam mit anderen Vereinen und Organisationen in lokalen Bündnissen einzubringen, die die Hilfe vor Ort organisieren.

Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder anderen Gefahren für ihr Leben oder ihre Freiheit fliehen, haben in Deutschland aus humanitären und völkerrechtlichen Gründen einen Rechtsanspruch auf Asyl und Schutz. Dieser Rechtsanspruch muss erfüllt werden, auch wenn es Geld kostet. Rentner oder Hartz-IV Empfänger brauchen wegen der Flüchtlinge keine Angst vor Leistungskürzungen zu haben. Ohne die Flüchtlinge würden sie auch nicht mehr Geld bekommen. Grund für die zunehmende Kluft zwischen arm und reich ist die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung.

Notwendig ist, dass das Bleiberecht schnell geklärt wird. Nur so können die Menschen schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden, so dass aus Hilfeempfängern Steuerzahler werden. Eine Vielzahl der Flüchtlinge ist sehr motiviert und hat eine berufliche oder akademische Ausbildung. Wegen des zunehmenden Fachkräftemangels braucht die deutsche Wirtschaft Zuwanderung. Notwendig ist auch, dass im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik generell wieder mehr getan wird, um insbesondere durch Weiterbildungsmaßnahmen die Integrationschancen von Menschen mit Vermittlungshemmnissen wie unzureichende Deutschkenntnisse, Langzeitarbeitslosigkeit, gesundheitlichen Einschränkungen oder mangelnder Qualifikation zu verbessern.

Die Kommunen unternehmen vielfältige Anstrengungen, um Flüchtlinge im Ort oder Stadtteil zu integrieren. Wichtig ist hierzu insbesondere die Unterbringung in normalen Wohnungen statt Großunterkünften. Damit die Kommunen diese Aufgabe erfüllen können, müssen die vom Bund bereitgestellten finanziellen Mittel auch bei den Kommunen ankommen.

Außerdem sollte der Sprachunterricht für Flüchtlinge sofort beginnen. Sie haben ein Recht, ihre Qualifikation durch einen Schulabschluss, eine Weiterbildung oder berufliche Ausbildung zu beenden. Flüchtlingskinder und junge Erwachsene müssen auch ohne Deutschkenntnisse schnell am Regelunterricht teilnehmen können. Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern nach Deutschland kommen, brauchen besondere Unterstützung.

Eine aktive Sozialpolitik ist auch in Zeiten von Schuldenkrise, Schuldenbremse und Haushaltskonsolidierung durch eine gerechtere Steuerpolitik finanzierbar. Der VdK warnt deshalb die Bundesregierung davor, die Flüchtlingsfrage als Vorwand zu benutzen, soziale Leistungen einzuschränken oder notwendige Reformen wie die Einführung eines Bundesteilhabegesetzes entsprechend den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention zurückzustellen.

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, im Namen des VdK-Bundesvorstands

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Erklärung als PDF-Datei zum Download:

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Flüchtlingsfrage | Erklärung | Flüchtlinge | Solidarität | Menschlichkeit

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