9. Mai 2022
Presse

VdK Bayern: Pflege zu Hause braucht mehr Unterstützung!

VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher fordert Ausbau der Pflegestützpunkte in Bayern

Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich extrem belastet und können die Pflegesituation nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewältigen. Dies ist eines von vielen Ergebnissen der bislang größten Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, die die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK Deutschland durchgeführt hat.

Das Bild zeigt VdK-Ehrenpräsidentin Ulrike Mascher.
Ulrike Mascher | © Heidi Scherm

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“, sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland und stellvertretende Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Unabhängige Beratung in Bayern fehlt
Die bayerische VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher bestätigt diese Ergebnisse: „Der Beratungsbedarf von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen in den VdK-Geschäftsstellen und an unserem VdK-Pflegeberatungstelefon ist enorm groß. Hier in Bayern gibt es immer noch viel zu wenige unabhängige Anlaufstellen, wo Ratsuchende Beratung und Hilfe aus einer Hand bekommen. Die jahrelange Tatenlosigkeit der Staatsregierung bei der Einrichtung von wohnortnahen Pflegestützpunkten ist schuld an diesem Dilemma. Der Ausbau der Pflegestützpunkte muss viel schneller vorangehen.“ Mehr Beratung führt zu einer deutlich besseren Pflegesituation zu Hause, wie die VdK-Studie zeigt: Erhält ein pflegender Angehöriger keine Beratung, werden viel weniger Pflegeleistungen in Anspruch genommen. Wird beraten, steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Pflegeleistung zu nutzen, um ein Vielfaches – etwa bei der Tagespflege von 17 auf 83 Prozent.

63 Prozent körperlich überfordert
Der Sozialverband VdK hat die bundesweit größte Befragung zur häuslichen Pflege in Auftrag gegeben. Die Studie, die auf der Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr basiert und von Professor Dr. Andreas Büscher durchgeführt wurde, bringt erstmals Licht in das Dunkel der häuslichen Pflege. Demnach sind 72 Prozent der Pflegenden weiblich. Die Hälfte der Befragten versorgt einen Elternteil. Jeder Zweite der Pflegenden ist bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit: 63 Prozent haben täglich körperliche Beschwerden und 59 Prozent geben an, wegen der Pflege die eigene Gesundheit zu vernachlässigen.

VdK fordert Recht auf Tagespflegeplatz
Die hohen Zuzahlungen und der Mangel an Entlastungsleistungen wie Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege wird von den Angehörigen besonders beklagt. „Hier muss auch in Bayern in die Infrastruktur investiert werden. Der VdK fordert einen Rechtsanspruch auf einen Tagespflegeplatz – so wie es diesen auch auf einen Kindergartenplatz gibt“, sagt Ulrike Mascher.

Pflege macht arm
Entlastungen sind insbesondere für berufstätige Angehörige, die zu Hause pflegen, wichtig. 25 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen in Bayern gaben an, in Vollzeit berufstätig zu sein. Wer seine Arbeitszeit aufgrund der Pflegetätigkeit reduziert, muss trotz Pflegegeld mit erheblichen finanziellen Einbußen klarkommen, diese liegen zwischen 500 und 1500 Euro monatlich, bei 9 Prozent der Befragten sogar deutlich höher. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege muss dringend gestärkt werden. Aktuell birgt die häusliche Pflege für Angehörige die Gefahr, in die Armut abzurutschen – aktuell und später in der Rente“, warnt Mascher.

Start der VdK-Pflegekampagne Nächstenpflege
Der größte Wunsch von Pflegebedürftigen ist, zu Hause gepflegt zu werden. Doch unter den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist dieser Wunsch immer schwieriger zu erfüllen. Der Sozialverband VdK macht sich als Interessenvertreter für die häusliche Pflege stark und startet am Montag, 9. Mai, die bundesweite Kampagne #Nächstenpflege. „Es geht bei der häuslichen Pflege um mehr als die reine Pflege, es geht um die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir in dieser Kampagne von Nächstenpflege“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Dieser Ansatz wird in der VdK-Pflegestudie auch für Bayern bestätigt: Für 79 Prozent der Pflegenden ist es „selbstverständlich“, ihre Nächsten zu pflegen. Jede zweite Person gab an, dass die Beziehung von großer Nähe und Liebe geprägt sei.

Aktionen in Bayern
Der Sozialverband VdK Bayern unterstützt mit eigenen Aktionen die bundesweite VdK-Pflegekampagne. So finden am 21. Juni in allen sieben Bezirken, nämlich in München, Augsburg, Nürnberg, Würzburg, Bayreuth, Passau und Regensburg, an zentralen Plätzen ganztägige Veranstaltungen statt. Es sind „Demos ohne Menschen“, denn diejenigen, um die es geht – Pflegebedürftige und ihre Angehörigen – haben keine Zeit und keine Möglichkeit, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen. Statt Menschen stehen Schilder auf den Plätzen, auf jedem Schild steht ein Zitat eines pflegenden Angehörigen oder eines Pflegebedürftigen mit Appellen an die Politik.

Zwei Drittel der Pflegebedürftigen in Bayern von Angehörigen versorgt
Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen zum Jahresende 2019 leben in Bayern 491.996 pflegebedürftige Menschen. Der deutlich überwiegende Teil der Menschen mit den Pflegegraden 2 bis 5, rund 71 Prozent (349.888), wird zu Hause gepflegt. Hinzu kommen 26.908 pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrad 1 und ausschließlich landesrechtlichen Leistungen bzw. teilstationärer Pflege. Rund zwei Drittel der zu Hause Lebenden werden ausschließlich von ihren Angehörigen versorgt. Ein Drittel der zu Hause Lebenden wird von ambulanten Pflegediensten versorgt oder von ambulanten Pflegediensten zusammen mit Angehörigen. Nach einem IGES-Gutachten im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Bayern bis zum Jahr 2050 auf mindestens 671.000 bis hin zu 888.000 ansteigen.

Unterstützung für Pflegebedürftige und Angehörige durch den VdK Bayern
Der Sozialverband VdK Bayern berät seine Mitglieder in 69 Geschäftsstellen bei sozialrechtlichen Fragen zur Pflegebedürftigkeit und unterstützt bei Auseinandersetzungen um Leistungen mit Pflege- und Krankenkassen. VdK-Geschäftsstellen unter Geschäftsstellensuche

Das VdK-Beratungstelefon „Pflege und Wohnen“ berät kostenlos und unabhängig von einer VdK-Mitgliedschaft zu Fragen der Organisation der häuslichen Pflege: Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr und zusätzlich Donnerstag, 15 bis 18 Uhr; Telefon (089) 2117-112; E-Mail: lebenimalter.bayern@vdk.de

Weitere Infos zur VdK-Pflegekampagne unter www.vdk-naechstenpflege.de

Zur ausführlichen Online-Pressemappe mit Hintergrund-Informationen, den VdK-Forderungen, der Pflegestudie und Bildmaterial: https://www.vdk-naechstenpflege.de/presse

Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung - Film zur VdK-Pflegekampagne

Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung. Wir kämpfen für bessere Bedingungen. #naechstenpflege - Mehr unter https://www.vdk-naechstenpflege.de

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Schlagworte Pressemitteilung | Presse-Info | VdK-Kampagne | #Nächstenpflege | häusliche Pflege | Pflegestudie

VdK-Kampagne #Nächstenpflege

Kampagnenbild: Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung.

Die häusliche Pflege ist am Limit. Ein Drittel der pflegenden Angehörigen ist überfordert. Wir kämpfen für bessere Bedingungen für die Pflege zuhause. Machen Sie mit! Alle Infos zur großen VdK-Pflegekampagne unter:
www.vdk-naechstenpflege.de.

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