7. September 2021
Presse

Fünf minus fürs Bildungssystem

VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert mehr Chancengleichheit für Kinder

Der große Aufseß-Saal im Germanischen Nationalmuseum war Schauplatz für die VdK-Veranstaltung in Nürnberg, bei der der Schwerpunkt auf den Themen Bildung, Familien und Inklusion lag. Nachdem VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder und VdK-Präsidentin Verena Bentele in ihren sozialpolitischen Reden die Positionen und Forderungen des Sozialverbands vorgestellt hatten, schloss sich eine lebhafte Diskussionsrunde mit VdK-Landesvorsitzender Ulrike Mascher an. In der Runde waren Vertreterinnen und Vertreter der Parteien SPD, Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen dabei. Der Kandidat der CSU hatte seine Teilnahme an der VdK-Veranstaltung in Nürnberg kurzfristig abgesagt.



VdK-Veranstaltung zur Bundestagswahl - Nürnberg (Mittelfranken)

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  • Die Corona-Pandemie hat wie ein Brennglas für soziale Ungleichheiten gewirkt. Beispiel Kinderarmut und Bildungsarmut. VdK-Präsidentin Verena Bentele zeigte sich besorgt: „Deutschland gehörte schon vor Corona zu den europäischen Ländern, in denen der Schulerfolg und das spätere Einkommen besonders stark vom Bildungsabschluss und der sozialen Herkunft der Eltern abhängen. Die Pandemie hat diesen Befund noch verstärkt“, so Bentele. Sie plädierte in ihrer Rede deshalb für die Einführung einer Kindergrundsicherung, um dringend notwendige Unterstützung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien zu leisten. Denn Kinderarmut wächst auch in einem reichen Land wie Deutschland.
    VdK-Präsidentin Verena Bentele
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  • VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder hat im sozialpolitischen Teil seiner Rede dem Land Bayern ein schlechtes Zeugnis in Sachen Barrierefreiheit ausgestellt: „Menschen mit Behinderung können immer noch nicht überall in Züge ein- oder aussteigen, finden in vielen Arztpraxen keine geeigneten Behandlungsgeräte vor, erreichen Geschäfte und Restaurants nicht ohne Hürden oder vermissen Behindertentoiletten. Noch nicht mal jedes Rathaus ist barrierefrei erreichbar.“ Pausder lobte den Erfolg des VdK in der Region: Er bezeichnete Franken als „Hochburg des VdK in Bayern und in ganz Deutschland.“ In keiner Region sei der Anteil der VdK-Mitglieder an der Gesamtbevölkerung höher als in Franken.
    VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder
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  • Mit Spannung war der Höhepunkt des Abends erwartet worden: die sozialpolitische Diskussionsrunde mit VdK-Landesvorsitzender Ulrike Mascher (Dritte von rechts), die BR-Journalist Rüdiger Baumann (Dritter von links) moderierte. Vier Bundestagskandidatinnen und -kandidaten äußerten sich zu den sozialpolitischen Forderungen des VdK und beantworteten Fragen des Publikums (von links): die Landessprecherin der Linken in Bayern, Kathrin Flach Gomez, Kristine Lütke von der FDP, Thomas Grämmer von der SPD sowie Sascha Müller von Bündnis 90/Die Grünen. Ursprünglich wollte an dem Abend auch das Mitglied des Bundestags, Sebastian Brehm von der CSU, dabei sein. Dieser hatte seine Teilnahme an der VdK-Veranstaltung jedoch kurzfristig abgesagt.
    Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion
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  • Der VdK Mittelfranken hat für perfektes Ambiente gesorgt: Der große Aufseß-Saal im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg war Schauplatz für die sozialpolitischen Reden sowie die Diskussionsrunde mit Ulrike Mascher.
    Blick ins Publikum
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  • In vollem Einsatz: Andrea Schaffers übersetzte Reden und Diskussionen in Gebärdensprache. So konnten alle hörgeschädigten Menschen die Veranstaltung vor den Bildschirmen verfolgen.
    Gebärdendolmetscherin
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  • Viel Technik hinter den Kulissen: Die Veranstaltung wurde per Live-Stream im Internet übertragen.
    Technik
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  • Die VdK-Veranstaltung in Nürnberg war ein voller Erfolg. Darüber freuten sich (von links): die Landessprecherin der Linken in Bayern, Kathrin Flach Gomez, Kristine Lütke von der FDP, BR-Journalist Rüdiger Baumann, VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, VdK-Präsidentin Verena Bentele, Mittelfrankens VdK-Bezirksgeschäftsführer Hans Kübber, Thomas Grämmer von der SPD sowie Sascha Müller von Bündnis 90/Die Grünen.
    Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion
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Unter dem Motto „Gute Bildung JETZT!“ fand am 7. September in Nürnberg die sechste der insgesamt acht bayerischen VdK-Veranstaltungen im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 statt. Als Schauplatz hatten die Organisatoren den coronakonformen, großen Aufseß-Saal im Germanischen Nationalmuseum gewählt. Mehr als 60 Zuhörerinnen und Zuhörer waren zur Veranstaltung gekommen. Das Event konnte wie schon bei den fünf VdK-Veranstaltungen zuvor vor Ort sowie per Live-Stream vor den Bildschirmen verfolgt werden. Höhepunkt des Abends war die sozialpolitische Podiumsdiskussion.

VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder erinnerte daran, dass dem VdK die Inklusion seit jeher am Herzen liegt. Mehr Barrierefreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger lautet deshalb eine zentrale Forderung des VdK an die Politik im Rahmen der bundesweiten VdK-Aktion zur Bundestagswahl 2021 „Sozialer Aufschwung JETZT!“. Er stellte Deutschland ein schlechtes Zeugnis in Sachen Barrierefreiheit aus: „Menschen mit Behinderung können immer noch nicht überall in Züge einsteigen, finden in vielen Arztpraxen keine geeigneten Behandlungsgeräte vor, erreichen Geschäfte und Restaurants nicht ohne Hürden oder vermissen Behindertentoiletten. Noch nicht mal jedes Rathaus ist barrierefrei erreichbar.“ Ebenso skandalös sei, dass hierzulande noch viel zu wenig Arbeitgeber Menschen mit Behinderung beschäftigen. „Für diese schwarzen Schafe fordern wir eine Verdoppelung der Ausgleichsabgabe“, bekräftigte Pausder.

VdK-Präsidentin Verena Bentele legte den Fokus auf das Thema Bildung, den angekündigten Schwerpunkt der Veranstaltung in Nürnberg. „Deutschland gehörte schon vor Corona zu den europäischen Ländern, in denen der Schulerfolg und das spätere Einkommen besonders stark vom Bildungsabschluss und der sozialen Herkunft der Eltern abhängen. Die Pandemie hat diesen Befund noch verstärkt“, betonte Bentele. „Die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems hätte in Schulnoten eine fünf minus verdient. Das finde ich absolut beschämend in einem Land wie Deutschland mit vielen Ressourcen“, betonte die VdK-Präsidentin. „In Zukunft müssen sich Fleiß und Ehrgeiz lohnen, auch wenn der Geldbeutel der Eltern schmal ist“, ergänzte sie.

Recht auf Ganztagesbetreuung kommt

Auch in Sachen Kinderbetreuung gibt es Verbesserungsbedarf. So lag Bayern im Jahr 2019 laut einem Bildungsmonitor bei der Ganztagesbetreuung nur auf Platz 15. Die VdK-Präsidentin begrüßte daher ausdrücklich, dass das Recht auf eine Ganztagesbetreuung an Grundschulen nun von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde: „Jedes Kind, das ab 2026 und später eingeschult wird, soll ein Recht auf eine Ganztagesbetreuung haben. Das ist sensationell“, freute sich die VdK-Präsidentin.

Verena Bentele kritisierte die Bildungsmisere anhand weiterer Beispiele. Eine Befragung unter Lehrerinnen und Lehrern hatte ergeben, dass schätzungsweise ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Krise nicht richtig mithalten konnte, weil ihnen die notwendigen digitalen Geräte oder Internetzugänge fehlten. Viele Kinder und Jugendliche hatten zudem niemanden, der ihnen den Lernstoff hätte erklären können. Oder sie verfügten über kein eigenes Zimmer, um sich zurückzuziehen und in Ruhe zu lernen. Die psychische Belastung unter Kindern und Jugendlichen aber auch bei den Eltern, die unter Existenzängsten leiden, ist gestiegen. Zudem spitzten sich sie Situationen oft zu: „Häusliche Gewaltdelikte sind in der Corona-Pandemie um sechs Prozent gestiegen“, sagte Bentele.

Die VdK-Präsidentin befürchtet, dass die Lebensläufe der sozial benachteiligten Kinder dadurch geprägt sein werden, dass sie in der Corona-Pandemie nochmal deutlich verloren haben. „Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, könnte sich das auch auf die Wirtschaftskraft Deutschland auswirken“, warnte Bentele. „Kinder aus sozial benachteiligten Familien müssen dringend unterstützt werden.“ Sie hielt abschließend ein glühendes Plädoyer für die Einführung einer Kindergrundsicherung, die alle familienpolitischen Leistungen bündelt. Des Weiteren sei es dringend erforderlich, die BAföG-Regeln zu reformieren.

An die VdK-Statements schloss sich eine lebhafte Diskussionsrunde mit VdK-Landesvorsitzender Ulrike Mascher an. In der Runde waren Vertreterinnen und Vertreter der Parteien SPD, Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen an. Der Kandidat der CSU, Sebastian Brehm, hatte seine Teilnahme an der VdK-Veranstaltung in Nürnberg kurzfristig abgesagt. BR-Journalist Rüdiger Baumann moderierte die Gesprächsrunde.

Kathrin Flach Gomez von den Linken, die selbst Lehrkraft ist, sorgte sich um die seelische Gesundheit der Jugendlichen. „Wir haben es in der Corona-Pandemie schon nach einem halben Jahr gemerkt, dass Schülerinnen und Schüler massiv unter psychologischen Problemen leiden.“ Doch wer professionelle Hilfe braucht, bekommt diese oft nicht, weil zu wenig Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter oder Psychologinnen und Psychologen zur Verfügung stehen. „Hier braucht es eine Offensive und große Investitionen, um Arbeitskräfte heranzuziehen und an den Schulen einzusetzen“, so die Pädagogin. Dafür müssten allerdings die Berufsbedingungen attraktiver gestaltet werden.

Kristine Lütke von der FDP schloss sich den Forderungen ihrer Vorrednerin an, gab jedoch zu bedenken, dass diese Fachkräfte erst einmal ausgebildet werden müssen. Sie schlug daher vor, jetzt auf Studierende sowie pensionierte Lehrerinnen und Lehrer zuzugehen, damit diese den Kindern und Jugendlichen kurzfristig zur Seite stehen können. Lütke berichtete zudem von einem Flüchtlingsheim, in dem die Schülerinnen und Schüler zwar digitale Geräte hatten, aber die Internetverbindung nicht ausreichte. „Daher setzt sich die FDP für den Glasfasernetzausbau ein“, betonte die FDP-Politikerin.

Auch Sascha Müller von Bündnis 90/Die Grünen hält es für dringend notwendig, zu investieren, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen. „Ich würde mir mehr Bullerbü in Deutschland wünschen.“ Er erklärte, was er mit diesem dörflichen Bild meint: „Es geht darum den Zusammenhalt vor Ort zu stärken.“ Beispielsweise könnte der örtliche Sportverein sich darum bemühen, dass sich die Kinder nachmittags bewegen. Die Musikschulen könnten den unteren Jahrgangsstufen Musikunterricht anbieten. Und der IT-Experte vor Ort könnte den Familien und Lehrkräften bei Fragen zur technischen Ausstattung helfen. Daraus könnten regionale Konzepte entstehen, die auch woanders in Deutschland Schule machen.

Raus aus dem Korsett des Lehrplans

VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher plädierte angesichts der coronabedingten Schwierigkeiten an Förderschulen und Regelschulen und der Rückschritte bei der Inklusion dafür, ein Stück weit aus dem Korsett des bisherigen Lehrplans auszusteigen. „Ich halte es für wichtig, sowohl das intellektuelle Lernen als auch die Teilhabe und das soziale Beisammensein zu fördern.“ Sie schlug vor, in Projekten zu arbeiten, etwa an einem großen Theaterprojekt oder einem großen Sportprojekt, um die Kinder, die ja wieder gern in die Schule gehen und ihre Freunde treffen wollen, zusammenzubringen. Daraus entsteht etwas, das Freude macht und wo bestimmte Dinge gelernt werden können. Nach einer gewissen Zeit könne man langsam wieder in den schulischen Alltag einsteigen.

Thomas Grämmer von der SPD sorgte sich um die Kinderarmut. Der Diakon, der in der Kinder- und Jugendhilfe tätig ist, hat schon viele sozial benachteiligte Haushalte besucht. Er schloss sich Verena Benteles Forderung an, dass Bildung von Anfang an kostenfrei sein muss, damit Chancengleichheit hergestellt werden kann. „Das beginnt in der Kindertageseinrichtung, geht weiter beim Schulbus und bei der Mittagsbetreuung in den Einrichtungen“, erläuterte Grämmer. „Wir setzen uns ebenfalls für eine Kindergrundsicherung ein“, so der Erzieher.

Elisabeth Antritter

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