2. September 2021
Presse

Bedarf muss Vorrang vor Profit haben

Podiumsdiskussion in Zeil am Main über Mängel im Gesundheitssystem

Bei der VdK-Veranstaltung zur Bundestagswahl im unterfränkischen Zeil am Main (Landkreis Haßberge) hat VdK-Präsidentin Verena Bentele mit Politikerinnen und Politikern der Parteien CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke über notwendige Veränderungen im Gesundheitssystem diskutiert. Wie lässt es sich besser und vor allem gerechter gestalten?


Die Veranstaltung in Zeil am Main war die vierte ihrer Art im Zuge der VdK-Aktion zur Bundestagswahl “Sozialer Aufschwung JETZT!“. Vor der Gesprächsrunde auf dem Podium erfuhren die rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer im Rudolf-Winkler-Haus zunächst von VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, dass sich der VdK-Bezirk Unterfranken mit seinen derzeit mehr als 97.000 Mitgliedern bereits auf der Zielgeraden zur 100.000er-Marke befindet. Er dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Ehren- und Hauptamt, die „unsere Mitglieder auch in dieser so niederdrückenden Corona-Krise nicht allein gelassen“ haben.

Dass der Sozialverband VdK für alle Altersgruppen da ist, zeigte Pausder, indem er sowohl auf die wachsende Altersarmut als auch die steigende Kinderarmut in unserem Land aufmerksam machte. „Kinder aus ärmeren Familien haben nicht die gleichen Chancen, so gut ins Leben zu starten wie Kinder in normal- und besserverdienenden Familien.“ Daher gebe es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, eine Kindergrundsicherung einzuführen. Um die Menschen im Alter vor Armut zu schützen, müssten vielerorts die Arbeitsbedingungen verbessert und die Erwerbsminderungsrenten erhöht werden. Und was die beispielsweise vom wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums geforderte Erhöhung des Renteneintrittsalters betrifft, stellte Pausder klar: „Wer die Rente mit 68, 69 oder 70 einführen möchte, muss mit dem erbitterten Widerstand des VdK rechnen.“

Anschließend nahm VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher in ihrem Vortrag die Mängel des derzeitigen Gesundheitssystems in Deutschland unter die Lupe. Noch immer sei der Zugang zum Gesundheitswesen nicht für alle Menschen uneingeschränkt möglich. Beispielsweise führten zu niedrig angesetzte Festbeträge für Medikamente zu hohen Aufzahlungen in der Apotheke. „Diese belasten Menschen mit geringem Einkommen, Ältere und chronisch Kranke. Sie entscheiden sich im Zweifel leider immer wieder dafür, Medikamente nicht abzuholen, weil sie das Geld in anderen Lebensbereichen dringend brauchen.“

Aber in einem reichen Land wie Deutschland sollte jeder eine bezahlbare gesundheitliche Versorgung bekommen, sagte Mascher: „Wir fordern ein Krankenversicherungssystem, in das alle – je nach ihren finanziellen Möglichkeiten – einzahlen.“ Darüber hinaus müsse das Fallpauschalensystem von Krankenhäusern geändert werden, um Fehlanreize, wie zum Beispiel die Durchführung überflüssiger Operationen, zu beseitigen. Zudem brauche es eine bessere Verzahnung ambulanter, stationärer und digitaler Angebote. Und nicht zuletzt müssten alle Einrichtungen und Angebote der medizinischen Versorgung endlich barrierefrei zugänglich sein.

In der von BR-Journalist Nikolaus Nützel moderierten Podiumsdiskussion forderte Linken-Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos eine Abkehr von der Profitorientierung im Gesundheitsbereich. Ihr FDP-Kollege Prof. Dr. Andrew Ullmann möchte die Qualität in der Behandlung und in der Zuwendung von Patientinnen und Patienten verbessern und wünscht sich Kooperationsmöglichkeiten zwischen ambulanten und stationären Sektoren sowie der Rehabilitation. Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar von der SPD plädierte dafür, dass alle Behandlungsmaßnahmen versorgungsorientiert, also vom Patienten aus gedacht werden müssen. Außerdem brauche es eine richtige Pflegereform, die diesen Namen auch verdient.

Dr. Manuela Rottmann, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, forderte eine verbindliche Festlegung der Krankenhausplanung in den Ländern und dass Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal „nicht mehr den ganzen Tag aufschreiben, sondern das medizinisch Notwendige machen können“. CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker will das Thema Prävention voranbringen, die Digitalisierung zum Wohle der Patientinnen und Patienten und der Mitarbeitenden nutzen und den öffentlichen Gesundheitsdienst als wichtige dritte Säule für Beratung und Information im Gesundheitssystem gestalten.

VdK-Präsidentin Verena Bentele kritisierte, dass in der Gesundheitsversorgung „viel zu wenig Geld in die Rehabilitation und Prävention gesteckt wird“. Zudem forderte sie ein, dass „nicht die Patienten zuerst einen Termin kriegen, die privat versichert sind, sondern die, die wirklich einen Bedarf haben“. Sie hoffe auf deutliche Fortschritte in puncto Bürgerversicherung und versicherte, dass die Versorgungsfrage auf dem Land ein zentrales Thema für den VdK bleiben werde.

VdK-Veranstaltung zur Bundestagswahl - Zeil am Main (Unterfranken)

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  • VdK-Kreisgeschäftsführerin Andrea Stühler-Holzheimer, Moderator Nikolaus Nützel, Prof. Dr. Andrew Ullmann (FDP), Simone Barrientos (Die Linke), VdK-Bezirksgeschäftsführer Carsten Vetter, VdK-Präsidentin Verena Bentele, VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, Barbara Becker (CSU), Sabine Dittmar (SPD) und Dr. Manuela Rottmann von Bündnis 90/Die Grünen (von links).
    Gruppenbild
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  • Vor der Veranstaltung in Zeil am Main wurde VdK-Präsidentin Verena Bentele von TV Mainfranken interviewt.
    Verena Bentele im Interview
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  • Die Mängel des derzeitigen Gesundheitssystems nahm VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher in ihrem Vortrag unter die Lupe.
    Ulrike Mascher am Rednerpult
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  • VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder kündigte den Widerstand des VdK gegen die Pläne zur Erhöhung des Renteneintrittsalters an.
    VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder
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  • Coronabedingt durften rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer der VdK-Veranstaltung im Rudolf-Winkler-Haus in Zeil am Main beiwohnen.
    Blick ins Publikum
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Mirko Besch

Schlagworte Bezirksveranstaltung Unterfranken | Gesundheitssystem

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