21. Juni 2022

200 Botschaften an die Politik

VdK-Kampagne „Nächstenpflege“: Schilderaktion auf dem Augsburger Königsplatz kommt gut an

Mehr als 67.000 Pflegebedürftige leben in Schwaben. Die meisten von ihnen (Stand 2019: 48.220) werden zu Hause versorgt. Weil pflegende Angehörige keine Zeit haben, für Verbesserungen auf die Straße zu gehen, hat der VdK-Bezirk Schwaben für sie mit 200 Schildern auf dem Augsburger Königsplatz demonstriert.

Augsburg - Impressionen von der Demo ohne Menschen

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  • Der Schilderwald am Königsplatz in Augsburg.
    Panoramabild
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  • Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Hier werden die Schilder für die Stille Demo in Augsburg verladen.
    Schilder im Transporter
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  • Es geht los: Der Schilderwald am Königsplatz in Augsburg wird aufgebaut.
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  • Die VdK-Mitarbeiterinnen Hannah und Ruby beim Aufstellen der Schilder.
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  • Die Schilder stehen!
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  • Auf den Schildern sind die Statements von Mitgliedern zu lesen, die eine Angehörige oder einen Angehörigen zu Hause pflegen.
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  • Hier ist unser Schilderwald mit Blick auf die Bahnhofstraße.
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  • Bezirksgeschäftsführerin Martina Schroeder im Interview mit atv.
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  • VdK-Kreisgeschäftsführerin Sylva Gebhardt (Donau-Ries) im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Cemal Bozoglu.
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  • Helga und Albrecht Hung kamen für den VdK extra aus Kempten angereist, um als Betroffene über ihre Pflegeerfahrungen zu berichten.
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Wer am 21. Juni in die Augsburger Innenstadt wollte, konnte den Schilderwald nicht verfehlen, der die Kurze Bahnhofstraße zu beiden Seiten säumte. Mit Forderungen wie „Ohne Pflege zuhause bricht das Pflegesystem zusammen. Sorgt endlich für Entlastung!“ machte der VdK auf seine Kampagne „Nächstenpflege“ aufmerksam. 200 Schilder – das sind 200 Menschen, die jemanden zu Hause versorgen oder selbst gepflegt werden. Und 200 Botschaften an die Politik, deren Situation endlich zu verbessern.

Der VdK Bayern fordert stellvertretend für seine Mitglieder den Ausbau der Tagespflege, den Aufbau der Nachtpflege, mehr verfügbare Kurzzeitpflege­plätze, Pflegestützpunkte in jedem bayerischen Landkreis sowie den Abbau der hohen Hürden, um haushaltsnahe Entlastungsleistungen unkompliziert zu ermöglichen.

Die Schilder waren nicht einfach nur ein Hingucker. Sie regten zum Nachdenken, zum Reden und zum Diskutieren an. Einige Passanten blieben spontan stehen, weil sie dachten, es handle sich um eine Unterschriftenaktion, und wollten das Anliegen des VdK unterstützen. Andere suchten das Gespräch mit VdK-Bezirksgeschäftsführerin Martina Schroeder, VdK-Kreisgeschäftsführerin Sylva Gebhardt und den anderen VdK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern, erzählten von ihrer Pflegesituation und ließen sich beraten.

Ich finde die Aktion so schön, dass ich gleich Gänsehaut bekomme“, sagte Sieglinde Wegner. Sie war für einen Tagesausflug nach Augsburg gekommen. In ihrer Heimatstadt München betreut sie für die Diakonie ehrenamtlich Pflegebedürftige, insbesondere Demenzkranke. „Die eine will gern tanzen, die andere singen, und eine unterrichte ich in Französisch“, erzählte sie. Selbst schwer Demenzkranke könnten mehr Neues lernen, als man denkt.

An die Familien denken

Auch Isolde Coquio aus Gersthofen war begeistert von der Aktion. „Pflege ist ein Knochenjob“, bestätigte sie. „Ich habe selbst meine demente Mutter gepflegt, bis es nicht mehr ging.“ Die Kinderkrankenschwester wies insbesondere auf die Situation von Familien mit Kindern mit Behinderung hin. Viele Partnerschaften zerbrächen an dieser Last. „Wenn ein Frühgeborenes eine Behinderung hat, kümmern sich anfangs noch beide Eltern um das Neugeborene, später oft nur noch ein Elternteil“, hat sie erlebt. Sie wünscht sich für die betroffenen Familien viel mehr Unterstützung – auch, damit sich die Eltern mehr um die Geschwisterkinder kümmern können, die meistens nur „nebenher“ laufen.

Davon konnten auch Helga und Albrecht Hung berichten. Das Ehepaar, beide VdK-Mitglieder, war extra aus Kempten im Allgäu gekommen, um den Vertretern der Medien aus seinem Pflegealltag zu erzählen. Neben ihrer eigenen, gesunden Tochter haben sie einen Sohn adoptiert und ein Pflegekind angenommen. Wie sich herausstellte, sind beide Jungen schwerbehindert. Sie werden mittlerweile in einer Einrichtung betreut. Als sie noch zu Hause lebten, forderten sie die volle Aufmerksamkeit der Eltern.

Unser Pflegesohn hat einen Gendefekt und ist mit Mitte 30 auf dem Stand eines Sechsjährigen. Und der Adoptivsohn hatte bei seiner Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten, was das Gehirn geschädigt hat. Das äußerte sich vor allem durch extreme Wutanfälle“, sagte Helga Hung. Sie hätte sich oft gewünscht, mal ein paar Tage Erholung zu bekommen – „raus aus dem Hamsterrad, um wieder Luft holen zu können“. Albrecht Hung ergänzt: „Mehr Informationen und eine bessere Beratung wären auch hilfreich gewesen.“

Wie wichtig auch die Politik das Thema Pflege nimmt, zeigte sich daran, dass Augsburgs Sozialreferent Martin Schenkelberg, stellvertretend für Erste Bürgermeisterin Eva Weber, und Landtagsabgeordneter Cemal Bozoglu im Namen von Kulturministerin Claudia Roth den Stand des VdK besuchten. Beide waren sich einig, dass die Situation der pflegenden Angehörigen verbessert werden muss.

Annette Liebmann

Schlagworte Demo ohne Menschen | Stille Demo | Schwaben | Aktion | Schilderwald | #naechstenpflege

Banner zur VdK-Pflegekampagne mit der Aufschrift "Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung. #naechstenpflege. Sozialverband VdK"

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Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung. Wir kämpfen für bessere Bedingungen. Mehr unter https://www.vdk-naechstenpflege.de

Pflegebroschüren zum Download

  • VdK-Ratgeber Nächstenpflege.pdf (615,28 KB, PDF-Datei)

    „Pflege zu Hause. Was muss ich wissen?“ - Alles, was Sie auf die Nächstenpflege vorbereitet.
    Stand: Mai 2022. © Sozialverband VdK Deutschland

  • „Ab wann ist man pflegebedürftig?“ - Alles, was Sie über die Pflegebegutachtung wissen müssen.
    Stand: Mai 2022. © Sozialverband VdK Deutschland

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