27. März 2019

Wege zu einer besseren Rente

Spannende Vorträge und Diskussionen beim VdK-Forum in München

Im Vorfeld der VdK-Rentenkampagne hat sich das sozialpolitische Forum des VdK Bayern in München mit dem Thema generationengerechte Alterssicherung beschäftigt. Die Referentinnen und Referenten sprachen sich für grundlegende Reformen aus.

Gastgeber und Referenten des ersten Tags (von links): Annelie Buntenbach, Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB, VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, Hubert Seiter, 1. Direktor der DRV Baden-Württemberg a.D., VdK-Präsidentin Verena Bentele, VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, Moderatorin Sybille Giel und Mag. Wolfgang Panhölzl, Arbeiterkammer Wien. | © Sebastian Heise

VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher sagte in ihrer Begrüßungsrede, die deutsche Rentenversicherung sei „leider noch nicht für die Zukunft gerüstet“. Dies sei überdeutlich an der ungebremst wachsenden Altersarmut abzulesen. Jeder zweite Deutsche fürchtet sich vor großen finanziellen Einbußen im Alter. „Leider zu Recht“, stellte Mascher fest. „Deshalb bin ich sehr froh, dass aktuell eine breite öffentliche Debatte über die Rentenpolitik stattfindet.“

VdK-Präsidentin Verena Bentele präsentierte im Vorgriff auf die im Mai startende bundesweite VdK- Rentenkampagne vier zentrale Forderungen: gerechte Renten für alle Generationen, für alle Erwerbstätigen, für Geringverdiener und für Erwerbsminderungsrentner. Dafür müsse einiges verändert werden, erklärte Bentele: „Das Rentenniveau muss auf 50 Prozent steigen und dauerhaft dort festgeschrieben sein.“ Einen weiteren Anstieg der Regelaltersgrenze lehnt sie klar ab. Außerdem plädiert der VdK dafür, die Rentenversicherung nach österreichischem Muster zu einer Erwerbstätigenversicherung umzubauen, in die alle einzahlen: Arbeitnehmer, Selbstständige, Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften, politische Mandatsträger und Beamte.

Vorbild Österreich

Warum das österreichische Rentensystem ein Vorbild für Deutschland sein kann, zeigte Mag. Wolfgang Panhölzl. Die gesetzliche Altersvorsorge in der Alpenrepublik wurde in den vergangenen 16 Jahren umfassend reformiert. Zentrale Änderung ist die Einbeziehung fast aller Arbeitnehmer, darunter Beamte und Selbstständige, in ein gemeinsames System. Im Gegensatz zu Deutschland wurde auch keine private Altersvorsorge gefördert, sondern ausschließlich die gesetzliche Rentenversicherung gestärkt. Die monatliche Durchschnittsrente (gerechnet auf zwölf Monate) lag dadurch 2016 für männliche Neurentner in Österreich bei 2001 Euro und damit um fast 900 Euro höher als in Deutschland. Bei Frauen betrug die Rente im Schnitt 1253 Euro und damit 500 Euro mehr als in Deutschland.

Hubert Seiter, 1. Direktor der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg a.D., plädierte für ein „Vorsorgekonto“ bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Dieses sollte eine kostengünstige Alternative zu den Angeboten der Privatwirtschaft sein. Annelie Buntenbach, Mitglied im Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand, sprach sich für eine Stärkung der gesetzlichen Rente aus. „Gute Arbeit und gute Renten gehören untrennbar zusammen“, sagte sie. Um Alters armut zu vermeiden, müsse der Mindestlohn deutlich angehoben werden. Einer Erhöhung des Renteneintrittsalters erteilte sie ebenfalls eine Absage.

Diskutierten über den Weg zu einer besseren Altersversorgung (von rechts): VdK-Präsidentin Verena Bentele, Dr. Wolfgang Gründinger, Stiftung Generationengerechtigkeit, Moderatorin Sybille Giel, Dr. Joachim Rock, Der Paritätische Gesamtverband, und Prof. Dr. Christoph Butterwegge. | © Sebastian Heise

Am zweiten Tag des Forums kritisierte Dr. Joachim Rock, Abteilungsleiter Arbeit, Soziales und Europa beim Paritätischen Gesamtverband, dass im aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kein hohes Armutsrisiko im Alter festgestellt wird. Dabei belegten verschiedene Statistiken das genaue Gegenteil. So verdienten 64 Prozent der rentenversicherten Beschäftigten im Jahr 2017 unterdurchschnittlich. Dadurch dürfte der Bedarf der betroffenen Gruppe an Grundsicherung im Alter in Zukunft steigen.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge ergänzte: „Viele Menschen vermeiden es aus Scham, Sozialhilfe zu beantragen, oder haben Sorge, dass ihre Kinder dann in Regress genommen werden.“ Der Armutsforscher warf einigen Politikern vor, das Problem zu ignorieren und schönzureden. Um die wachsende Altersarmut zu bekämpfen, sprach er sich ebenfalls für das Modell einer solidarischen Bürgerversicherung aus, in die alle Arbeitnehmer einzahlen. Gleichzeitig forderte er, diejenigen mit hohen Einkommen und Vermögen stärker am Sozialstaat zu beteiligen.

Dr. Wolfgang Gründinger von der Stiftung Generationengerechtigkeit kritisierte, Kinderarmut werde in der öffentlichen Diskussion vernachlässigt. Dabei seien Haushalte mit Kindern besonders armutsgefährdet. Bei der abschließenden Diskussion zeigte sich, dass alle Teilnehmer den Vorschlag einer Grundrente von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil als „Schritt in die richtige Richtung“ ansehen. Die Runde war sich auch darin einig, dass eine Erwerbstätigenversicherung der richtige Weg sei. Verena Bentele betonte, es gehe um Gerechtigkeit: „Ich kenne Beispiele, wo angestellte Lehrer den identischen Job machen und die gleiche Leistung bringen wie verbeamtete Lehrer, ohne deren Privilegien genießen zu können.“

ant/hei

Schlagworte Sozialpolitsches VdK-Forum | Rente | VdK-Forum

Vergessen und verdrängen - die Angst vor der Demenz

Um Demenz als Herausforderung für die Gesellschaft ging es 2013 beim Forum des Sozialverbandes VdK im oberbayerischen Tutzing am Ufer des Starnberger Sees.


Berichte aus der VdK-Zeitung über vergangene VdK-Foren:

Ältere Menschen wollen möglichst lange zu Hause leben. Dazu sind sie auf eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung angewiesen. Doch auf dem Land gibt es oft große Lücken. Das VdK-Forum widmete sich 2018 dem Thema „Allein auf weiter Flur? Altwerden im ländlichen Raum“. | weiter
19.03.2018 | Annette Liebmann
„Kleine Rente – große Probleme“: So lautete das Thema des VdK-Forums 2017. Die Experten, darunter VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher und VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, waren sich einig: Das beste Mittel gegen Altersarmut ist eine sozial gerechte Rente. Das bewährte System müsse beibehalten und das Niveau wieder erhöht werden. | weiter
23.03.2017 | Sebastian Heise
Teilnehmer beim VdK-Forum „Inklusion ist machbar“
Mit der Bahn verreisen, das Internet nutzen, zum Arzt gehen – für viele Menschen ist das nicht so einfach, denn sie stoßen dabei oft auf Hindernisse. Das sozialpolitische VdK-Forum 2016 widmete sich dem Thema „Inklusion ist machbar – eine Gesellschaft ohne Barrieren nützt allen“. Denn von Barrierefreiheit profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Senioren oder Eltern mit Kinderwagen. | weiter
29.03.2016 | bsc/ali
VdK-Forum Tutzing
Die Lebenserwartung steigt, aber soll und kann auch das Renteneintrittsalter steigen? Beim VdK-Forum 2015 in der Evangelischen Akademie Tutzing stand die Arbeitswelt für Ältere zur Diskussion. Immer noch haben über 50-Jährige auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten. Und die Zahl derer, die aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen müssen, wächst. | weiter
26.03.2015 | ali/ant/bsc
Forum Tutzing
Wer aus Krankheitsgründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheidet, tut das meist ganz und gar nicht freiwillig – und bekommt oft nur eine magere Rente. Auf dem sozialpolitischen Forum des VdK Bayern 2014 in Tutzing diskutierten Experten über Gesundheitsmaßnahmen, Rehabilitation und die Erwerbsminderungsrente. | weiter
27.03.2014 | A. Liebmann/S. Heise
VdK-Forum in Tutzing
Auf dem sozialpolitischen VdK-Forum 2013 in der Evangelischen Akademie Tutzing diskutierten Experten aus Politik, Medizin und Wissenschaft über die „Herausforderung Demenz“. „Wie ist ein selbstbestimmtes Leben mit Demenz möglich?“ | weiter
20.03.2013 | Dr. Bettina Schubarth
Alter als „Restzeit“ oder „Feierabend des Lebens“: Darüber können die meisten Älteren nur den Kopf schütteln. Politik, Medizin und Gesellschaft tun sich schwer, mit dem neuen selbstbestimmten Altersbild der Generation 60plus umzugehen. Wie heute die Weichen für eine zeitgemäße Zukunft des Alters gestellt werden müssen, darüber diskutierten beim VdK-Forum 2012 in der Evangelischen Akademie Tutzing Wissenschaftler und Praktiker. | weiter
30.04.2012 | bsc
VdK Bayern
Symbolfoto: Eine glueckliche Familie, bestehend aus drei Generationen
Allein in Bayern vertritt der Sozialverband VdK die Interessen von 700.000 Mitgliedern. Und die Zahl der Mitglieder wächst ständig! Das macht den VdK zu einer gewichtigen Stimme in sozialpolitischen Fragen.
Rechtsberatung
Symbolfoto: Eine Justitia-Statue
Sozialrecht ist unsere Stärke. Die VdK-Rechtsberatung auf den Gebieten Rente, Behinderung, Gesundheit und Pflege ist einzigartig – auch im Preis-Leistungsverhältnis. Erfahrene Experten helfen VdK-Mitgliedern durch den Paragrafendschungel.
VdK vor Ort
Symbolfoto: Gruppenbild von Senioren beim Wandern
Der Sozialverband ist nah an den Menschen: Rund 2000 VdK-Ortsverbände gibt es in Bayern. Ratsuchende VdK-Mitglieder finden in sieben Bezirks- und 69 Kreisgeschäftsstellen eine flächendeckende und bürgernahe Betreuung.
Presse
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Tipps und Termine
Symbolfoto: Ausgeschnittene Papiermännchen bilden einen Kreis
In unserer Rubrik "Tipps und Termine" stellen wir Ihnen aktuelle Neuigkeiten aus dem Verbandsleben, Aktionen, Veranstaltungen, Pressemitteilungen sowie Links zu interessanten Beiträgen vor.