Patientenverfügung

Experten-Tipp: Bei den wichtigen Themen Patientenwille und Vorsorgevollmacht sollten sich Betroffene beraten lassen

Vor einem schweren Schicksalsschlag ist niemand gefeit. Eine Patientenverfügung ist eine wichtige Richtschnur für Ärzte, wenn der Betroffene seine Wünsche nicht mehr selbst äußern kann. Werden die Interessen jedoch zu allgemein formuliert, hilft dies den Medizinern im Ernstfall nicht weiter. Zudem sollten Betroffene ihre Vorstellungen überdenken, wenn sich die aktuelle Lebenssituation geändert hat. Legt der geliebte Mensch seinen Patientenwillen zuvor fest, entlastet er seine Angehörigen. Denn sie müssen weniger quälende Entscheidungen treffen.

© Bernd Kasper/pixelio.de


Wie geht es weiter, wenn ein Familienmitglied plötzlich nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen anderen verständlich zu machen? Schwerwiegende Fragen sind zu klären, etwa wer seine Angelegenheiten nun regelt, welche Behandlung der Patient wünscht und wo für ihn dabei die Grenzen liegen.

Wurde zuvor in der Familie nie darüber gesprochen, sind Angehörige überfordert, weiß Dr. Kurt Schmidt, Leiter des Zentrums für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main. Gemeinsam mit seinem Team berät der Theologe in der Klinik Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte und weiß aus Erfahrung, dass Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sehr wichtige Dokumente sind, wenn es darum geht, in Gesundheitsfragen selbstbestimmt zu bleiben. „Beides zusammen ist eine große Entscheidungshilfe.“

Hürden beim Formulieren

In der Patientenverfügung hält der Betroffene schwarz auf weiß fest, mit welchen Therapien er einverstanden ist und welche er ablehnt. Im September 2009 ist in Deutschland das Patientenverfügungsgesetz in Kraft getreten. Seitdem sind die Patientenwünsche für Ärzte und Angehörige verbindlich, unabhängig davon, welche Krankheit vorliegt und welches Stadium sie erreicht hat. Voraussetzung ist jedoch, dass der Wille verständlich und konkret dargelegt wird. Dass dem oft nicht so ist, kann Kurt Schmidt aus dem Klinikalltag berichten. „Am Agaplesion Markus Krankenhaus bieten wir deshalb Seminare an, in denen die Teilnehmer erfahren, worauf sie achten sollten.“

Unterschiedliche Fachreferenten, etwa aus dem Bereich der Onkologie, Geriatrie oder der Intensiv- und Palliativmedizin, geben Einblicke in bestimmte Erkrankungen, die in einer Patientenverfügung berücksichtigt werden können. Im Seminar werden vor allem typische Missverständnisse ausgeräumt. Ein häufiger Fehler: Die Patientenverfügung wird nicht der aktuellen Erkrankung angepasst. „Beizeiten sollte man deshalb die Fassung überprüfen und auf den neuesten Stand bringen“, rät Kurt Schmidt. „Zudem machen sich viele Betroffene nicht klar, dass sich die Patientenverfügung an Fachärzte richtet“, betont der Theologe.

Deshalb helfen allgemein gehaltene Äußerungen wie „in Würde zu sterben“ den Medizinern nicht weiter. Vorgefertigte, konkrete Formulare bieten zwar den Vorteil, dass sie viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten abdecken. Der Haken daran wiederum ist, dass die medizinischen Details für Laien schwer zu durchschauen sind. „Damit eine Patientenverfügung ihr Ziel nicht verfehlt, sollten sich Arzt und Patient im Vorfeld unbedingt zusammensetzen“, rät Dr. Schmidt. Wenn sich ein Angehöriger nicht mitteilen kann, ist die erste Frage des behandelnden Arztes im Krankenhaus, wer die rechtliche Vertretung übernimmt.

Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts glauben 65 Prozent der Deutschen, dass die nächsten Verwandten automatisch Entscheidungen für sie treffen dürfen, wenn sie dazu selbst nicht in der Lage sind. Doch das ist ein Irrtum. Nur, wer zuvor in einer Vorsorgevollmacht schriftlich eine Vertrauensperson bestimmt hat, stellt sicher, dass diese die Gesundheitsangelegenheiten stellvertretend regelt. Fehlt das Dokument, bestellt das Betreuungsgericht einen rechtlichen Betreuer. Diese Aufgabe kann ein Ehrenamtlicher übernehmen, beispielsweise ein Angehöriger, oder ein Berufsbetreuer springt ein.

„Die Vorsorgevollmacht ist für jeden volljährigen Bürger relevant“, betont Kurt Schmidt. Obwohl sich mithilfe einer Vollmacht bürokratische Wege und zeitraubende gerichtliche Verfahren ersparen lassen, hat nach der Forsa-Studie nur jeder vierte Bürger hierzulande eine Vollmacht erteilt. Eine Vorsorgevollmacht muss grundsätzlich nicht von einem Notar beurkundet oder beglaubigt werden.

Sich nicht überfordern

Sich zum ersten Mal mit dem Ernstfall auseinanderzusetzen, kostet Überwindung, weiß Schmidt. Er gibt den Tipp, sich nicht zu überfordern. Seine Faustregel lautet: „Zuerst Vorsorgevollmacht, dann Patientenverfügung.“ Es ist sinnvoll, zunächst eine nahestehende Person zu wählen, die sich zutraut, solch wichtige Entscheidungen zu treffen. Wer bereit ist, den Willen eines anderen zu vertreten, übernimmt nämlich eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die Vollmacht kann darüber hinaus auch andere Themen wie Vermögen, Behördengänge, Vertretung vor Gericht, Wohnungsangelegenheiten sowie Post- und Fernmeldeverkehr umfassen.

Kurt Schmidt möchte unsicheren Menschen den Entscheidungsdruck nehmen: „Es ist schon ein großer Schritt getan, wenn zuerst einmal ein Stellvertreter für Gesundheit und Pflege gefunden wurde.“ Danach kann man sich um den Patientenwillen Gedanken machen und dem Bevollmächtigten die eigenen Werte und Wünsche mitteilen. Auch der Ort, wo das Dokument abgelegt ist, muss der Vertrauensperson bekannt sein.

Unabhängige Patientenberatung

Ein Ratgeber-Film auf DVD („Wie erstelle ich meine Patientenverfügung“) des Zentrums für Ethik in der Medizin kann für fünf Euro Schutzgebühr (zzgl. drei Euro Porto) bestellt werden bei: Silke Nelles-Kellner, Veranstaltungsbüro Agaplesion Markus Krankenhaus, Wilhelm-Epstein- Straße 4, 60431 Frankfurt, Telefon (0 69) 95 33-46 26, E-Mail silke.nelles@fdk.info

Online-Beiträge zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht stehen auch im VdK-TV, dem Videoportal des Sozialverbands, unter www.vdktv.de kostenlos und jederzeit zur Verfügung.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Paientenverfügung | Vorsorgevollmacht | Betreuungsverfügung

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