1. Januar 2019
Fall des Monats

Unsicher bei der Medikamenteneinnahme? Ein Medikationsplan kann helfen!

Diesen Monat informiert Sie Greta Schuler im Beratungsfall des Monats über die Notwendigkeit sich bei Einnahme mehrerer Medikamente zu informieren und einen Medikationsplan beim Arzt anzufordern.

© freestocks.org/unsplash.com


Seit dem letzten Besuch beim Hausarzt ist VdK-Mitglied Maria Platzek, verunsichert. Denn ihr Arzt hat Bluthochdruck diagnostiziert und Frau Platzek deswegen zwei Medikamente zum Senken des Blutdrucks verschrieben. Tabletten für die Schilddrüse muss die Patientin schon lange nehmen. Diese verordnet ihre Internistin. Ein frei verkäufliches Ginkgopräparat und ein Vitaminpräparat bestellt die 65-Jährige regelmäßig im Internet. Und gegen ihre trockenen Augen nimmt sie immer wieder Augentropfen. „Mir geht der Überblick über meine Tabletten verloren“, klagte Frau Platzek unlängst beim Besuch der VdK Patienten- und Wohnberatung Baden-Württemberg: „Ich weiß gar nicht, ob sich meine Medikamente alle vertragen und wann und wie ich sie am besten einnehmen soll. Die Apothekerin hat zwar auf den Blutdrucksenkern die Einnahme notiert, aber was mache ich mit dem Rest?“ Verunsichert ist Frau Platzek auch, weil ihr eine gute Bekannte beraten hat, auf ihre Grapefruitschorle zum Mittagessen besser zu verzichten.

„Es ist wichtig, dass sich Frau Platzek Gedanken macht“, erklärt Greta Schuler von der VdK-Patientenberatungsstelle in Stuttgart. „Wenn plötzlich regelmäßig mehrere Medikamente eingenommen werden müssen, darf der Überblick nicht verloren gehen. Einnahmefehler können die Wirkung einzelner Arzneimittel verstärken oder verringern und damit Schaden anrichten“, betont Schuler. Denn auch frei verkäufliche Medikamente und pflanzliche Präparate können Wechsel- und Nebenwirkungen haben. „Viele Medikamente könnten nur dann richtig wirken, wenn sie zum empfohlenen Zeitpunkt und genau nach Verordnung eingenommen werden“, ergänzt die VdK-Patientenberaterin und verweist hier auf Einnahmemöglichkeiten beispielsweise nüchtern, nach oder zu einer Mahlzeit oder auch vor dem Schlafengehen. Und Greta Schuler bestätigt: „Die Wirkung bestimmter Medikamente kann sich durch den Genuss von Grapefruits oder Grapefruitsaft verstärken“.

Persönlicher Medikationsplan


Daher rät sie Frau Platzek dazu, in der Hausarztpraxis um einen persönlichen Medikationsplan zu bitten. Darauf haben Patienten bereits seit Oktober 2016 einen Anspruch, wie § 31a SGB V (Fünftes Sozialgesetzbuch) regelt. Voraussetzung ist, dass mindestens drei auf Kassenrezept verordnete Medikamente angewendet werden und die Anwendung über mindestens vier Wochen vorgesehen ist. Dabei soll die erstmalige Erstellung des Medikationsplans in der Regel durch den Hausarzt erfolgen – und wenn der Versicherte keinen Hausarzt hat – über den behandelnden Facharzt. Frei verkäufliche Arzneimittel werden auf Wunsch des Versicherten ergänzt.

„Das Besondere an dem Plan ist“, so Schuler, „dass er nach einheitlichen Standards erstellt wird und immer gleich aussieht, selbst wenn er durch andere Ärzte aktualisiert wird“. Sie rät dazu, diesen Medikationsplan zu jedem Arztbesuch und in der Apotheke vorzulegen. Denn er listet alle parallel verwendeten Arzneimittel mit Wirkstoff, Handelsname, Stärke, Darreichungsform, mit Hinweisen zur Dosierung und Einnahme und mit ergänzenden Angaben zur Indikation auf. „Nicht nur der Hausarzt, sondern auch Fachärzte und Ärzte im Krankenhaus können den Plan ändern oder ergänzen“, hebt Greta Schuler hervor. Dazu seien alle Angaben auf dem Plan in der rechten oberen Ecke in einem Barcode zu hinterlegen. Die VdK-Expertin gibt Frau Platzek noch den Tipp, mit der Apothekerin oder dem Arzt über die Medikamente zu sprechen, die sie im Internet bestellt, damit diese ebenfalls auf Wechselwirkungen überprüft werden können. „Der Körper unterscheidet nämlich nicht zwischen verschreibungspflichtigen oder frei verkäuflichen Medikamenten“, so Schuler. Und sie rät dazu, den Plan immer griffbereit bei den Medikamenten bereitzulegen und zudem eine Kopie in der Handtasche mitzuführen, um den Plan bei allen Arzt- und Apothekenbesuchen vorlegen zu können.

Greta Schuler

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