heute
Beratungsfall des Monats

Professionelle Zahnreinigung – muss das sein?

Die Zahnreinigung wird heutzutage nahezu jedem Patienten beim Zahnarzt empfohlen. Als wichtige Maßnahme zur Prophylaxe soll sie schwerwiegende Erkrankungen im Mundraum und Zahnbereich, wie Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis vorbeugen. Unsere VdK-Patientenberaterin Monika Müller hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

© iStock

Herr U. hat bei der VdK-Patientenberatung in Stuttgart nachgefragt: „Wenn das so wichtig ist, warum bezahlt dann die Krankenkasse die professionelle Zahnreinigung nicht?“ Auch sein Zahnarzt hat ihm angeraten, zweimal jährlich eine Professionelle Zahnreinigung (im Folgenden PZR) durchführen zu lassen. Monika Müller weiß: „Nach wie vor gibt es keine eindeutige Studienlage, die nachweisen kann, dass die PZR im Rahmen der Prävention für Karies und Parodontitis einen eindeutigen Nutzen hat.“

Der IGel-Monitor, eine Einrichtung des Medizinischen Diensts des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS), hat bereits 2012 die Studienlage zum PZR-Nutzen untersucht – und als „unklar“ bewertet. Das bedeutet: In drei verwertbaren Studien konnte kein eindeutiger Nutzen der Professionellen Zahnreinigung festgestellt werden. „Allerdings konnte auch kein Schaden festgestellt werden, was für Sie als Patient auch wichtig ist“, erklärt Monika Müller weiter: „Die Entscheidung, ob Sie sich für eine PZR im Rahmen der Prophylaxe entscheiden, liegt schließlich bei Ihnen.“

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Zahnsteinentfernung und einer PZR? Auch das möchte Herr U. von Frau Müller erfahren. „Bei der Zahnsteinentfernung werden harte und weiche Zahnbeläge entfernt. Das bezahlt die gesetzliche Kasse einmal im Jahr“, klärt sie auf und ergänzt: „Die professionelle Zahnreinigung beinhaltet zusätzlich die Reinigung der Zahnzwischenräume sowie die Politur und Fluoridierung der Zahnoberflächen. Zudem wird die häusliche Mundhygiene überprüft. Man wird über sein individuelles Erkrankungsrisiko aufgeklärt und bekommt entsprechende Instruktionen zur Durchführung der korrekten Mundhygiene.“

Obwohl die Studienlage nach wie vor unzureichend ist, empfehlen die meisten Zahnärzte im Rahmen der Prophylaxe mindestens zweimal jährlich eine PZR. Sie stützen sich dabei auf die Datenlage der aktuell Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie. Hier konnte erstmalig auch im Bereich der Parodontalerkrankungen ein deutlicher Rückgang der schweren Parodontitis bei Erwachsenen und jüngeren Senioren beobachtet werden. Zudem zeigt die Studie eine deutliche Verbesserung der Mundgesundheit im Hinblick auf die Karies – sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen und jüngeren Senioren. Die Autoren sehen einen klaren Zusammenhang zwischen der PZR-Durchführung und dem Rückgang von Parodontalerkrankungen.

„Diese guten Ergebnisse könnten sowohl durch verbesserte Präventionsmaßnahmen im Rahmen einer gezielten Aufklärung zur persönlichen häuslichen Mundhygiene, schon in Kindergarten und Schule, als auch durch gesündere Ernährung erzielt werden“, so Monika Müller mit Blick auf die Vorgängerstudien aus 1997 und 2005. „Wenn Sie professionelle Zahnreinigungen in Erwägung ziehen, lassen Sie sich Ihr persönliches Risiko und die Erfolgserwartungen von Ihrem Zahnarzt erläutern“, rät die VdK-Patientenberaterin Herrn U. „Und schließen Sie zudem vor Beginn der Maßnahme einen schriftlichen Behandlungsvertrag ab.“

Weiterhin lohnt sich eine Nachfrage bei der eigenen Krankenkasse: Denn viele von ihnen leisten mittlerweile einen Zuschuss zur Professionellen Zahnreinigung.

Unsere Tipps:


Weitere Informationen zum Thema PZR finden Sie hier:

In einer Schrift der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände in Deutschland IGZ von 2016 beziehen außerdem verschiedene Akteure der Zahnmedizin zum PZR-Nutzen und zur Bedeutung der zahnmedizinischen Prävention Stellung: Zum Magazin

VdK-Angebot
VdK-Patientenberaterin Monika Müller
Behalten Sie den Überblick im Gesundheitssystem mit unserer unabhängigen, neutralen und kostenlosen Patientenberatung. Unsere erfahrenen Beraterinnen geben Auskunft in gesundheitsrechtlichen, medizinischen und psychosozialen Fragestellungen.
VdK-Angebot
Über 500 Gesundheitsthemen auf einen Blick: Informieren Sie sich über Erkrankungen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die aufgeführten Gesundheitsinformationen entsprechen dem aktuellen Forschungsstand, sind wissenschaftlich belegt und werden laufend aktualisiert und erweitert.
BERATUNGSFALL DES MONATS
Martina B. war beim Zahnarzt und benötigt eine Krone. Sie entscheidet sich für die Versorgung mit einer Vollkeramikkrone. Diese ist jedoch nicht in der Standardversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten. Das kann schnell teuer werden.
VdK-Themen
Rentner mit Gehstock
Der Sozialverband VdK ist für Ältere ein kompetenter Ratgeber im Rentenrecht. Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Informationen rund um die Themen Rente und Leben im Alter.
VdK-Themen
Junger Mann im Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz
Wir treten für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Hier finden Sie aktuelle Informationen und nützliche Tipps rund um die Themen Behinderung und Barrierefreiheit.
VdK-Themen
Demente Seniorin mit Sohn
Der Sozialverband VdK setzt sich für eine menschenwürdige Pflege ein, die die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und deren Angehörigen sichert.
VdK-Themen
Krankengymnastik
Wir beraten unsere Mitglieder zum Thema gesetzliche Krankenversicherung. Hier finden Sie nützliche Informationen, unsere Forderungen sowie Positionen rund um das Thema Gesundheit.
VdK-Themen
Umgekipptes Glas mit Geldmünzen
Von Armut und sozialer Ausgrenzung sind besonders Kinder, Senioren, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose betroffen. Der VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.