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VdK-Zeitung

„Grundrente ist nur ein erster Schritt!“
Altersarmut konsequent bannen – Vorsorgekonto BW auf den Weg bringen

„Die Grundrente ist ein erster wichtiger Schritt, aber sie verhindert und beseitigt keine Altersarmut!“, betonte der neue Vorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, Hans-Josef Hotz, am Landesverbandstag gegenüber den Medien. Er rief die Politik dazu auf, parteiübergreifend das Problem der Altersarmut anzugehen. Dazu müsse auch die neue Grundrente ab Januar 2021 nicht nur schnell in der Praxis umgesetzt werden, sondern man müsse sie zugleich nachbessern. Schließlich hole die Grundrente wegen ihrer umfassenden Voraussetzungen und der damit verbundenen hohen Hürden viele Menschen nicht aus der Altersarmut. „Die Betroffenen bleiben vielfach auf Grundsicherung angewiesen, sofern sie denn überhaupt beantragt wird!“, so Hotz.

Voraussetzungen erleichtern

VdK-Landesvorsitzender Hans-Josef Hotz | © Matthias Busse

Der neue VdK-Landeschef plädiert denn auch einerseits dafür, den Personenkreis möglicher Grundrentenbezieher zu erweitern, andererseits aber auch die generelle pauschale Kürzung um 12,5 Prozent abzuschaffen. Er gab zu bedenken, dass viele Betroffene wegen Krankheit, Behinderung oder prekärer Lebenssituation die geforderten 33 Jahre an Grundrentenzeiten gar nicht erfüllen könnten. „Die sogenannte Gleitzone muss daher bereits nach 30 Jahren beginnen“, forderte Hans-Josef Hotz. Und er erinnerte daran, dass Menschen mit Erwerbsminderungsrente kaum auf diese langen Zeiten kommen könnten. Daher spricht sich der VdK Baden-Württemberg dafür aus, Zeiten der Erwerbsminderung bei den Grundrentenzeiten zu berücksichtigen. „Denn die Erwerbsminderungsrente verschärft heute das Risiko der Altersarmut immens“, hob der neue Chef des Südwest-VdK hervor. In diesem Zusammenhang erneuerte Hotz die langjährige VdK-Forderung nach Abschaffung der generellen Abschläge in Höhe von 10,8 Prozent auf Erwerbsminderungsrenten. Diese Kürzung sei nicht gerechtfertigt, denn die Betroffenen würden sich im Falle einer Erwerbsminderung gerade nicht für einen persönlich gewünschten vorzeitigen Renteneintritt bewusst entscheiden. „Denn“, stellte Hans-Josef Hotz gegenüber den Medien klar: „Sie haben krankheits- oder behinderungsbedingt dazu keine andere Wahl!“.

Rentenniveau auf 50 Prozent anheben


Um Altersarmut zu verhindern müsse man die gesetzliche Rente wieder stärken. Darauf sollten die Menschen im Alter vertrauen können. Es sei mehr als bedenklich, wenn zwischenzeitlich jede fünfte Frau, über 65, im Südwesten armutsgefährdet sei, sagte Hotz mit Blick auf jüngst vom Statistischen Landesamt veröffentlichte Zahlen. Insgesamt seien bereits 18,2 Prozent der Menschen im Alter 65 plus im „reichen“ Baden-Württemberg von Armutsgefährdung betroffen. Und generell verfügten schon 15,6 Prozent der Bewohner Baden-Württembergs über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens im Südwesten. Der neue VdK-Landesvorsitzende plädierte dafür, zu einem Rentenniveau von mindestens 50 Prozent zurückzukehren. Denn angesichts dieser Sachlage sei die oftmals geforderte private Vorsorge für viele keine Option. Hotz bezeichnete in diesem Zusammenhang die Riester-Rente als „Fehler“. Im Übrigen habe sie der gesetzlichen Rente Mittel entzogen, gab er zu bedenken.

Vorsorgekonto BW


Als Möglichkeit einer ergänzenden privaten Altersvorsorge, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können, könne man allenfalls das von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg entwickelte „Vorsorgekonto BW“ in Betracht ziehen. „Es ist transparent und kostengünstig unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichsweise sicher im Falle großer Finanzkrisen – im Gegensatz zu Altersvorsorgeprodukten gewinnorientiert arbeitender privater Versicherungsgesellschaften“, stellte Hans-Josef Hotz klar. Er appellierte an die Verantwortlichen, bei den bald anstehenden Rentenreformen das Vorsorgekonto BW unbedingt zu berücksichtigen. (Anmerkung der Redaktion: Der in der Oktober-Ausgabe angekündigte „Parlamentarischer Abend“ zum Vorsorgekonto BW mit Landesverbraucherschutzminister Peter Hauk, Sozialminister Manfred Lucha, mit Andreas Schwarz, dem Vorsitzenden der DRV-Geschäftsführung Baden-Württemberg und dem damaligen VdK-Landeschef Roland Sing in Berlin, war coronabedingt kurzfristig abgesagt worden. Er soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werde, ebenso die Online-Beteiligungsmöglichkeiten.)

Grundrenten-Berechnung


Bei der Grundrente handelt es sich um einen Zuschlag, der über Rentenpunkte berechnet und gemeinsam mit der Rente ausgezahlt wird. Damit der Zuschlag ermittelt werden kann, muss die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Versicherungskonten aller Rentner und Rentenantragsteller durchsehen. Dabei gehen in die Berechnung alle Monate im Versicherungsleben ein, die durch Pflichtbeiträge, Kindererziehung, Pflegezeiten oder Krankheit beziehungsweise Reha mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes aller Versicherten im jeweiligen Jahr erreichen. Aus diesen sogenannten Grundrenten-Bewertungszeiten wird dann ein monatlicher Durchschnitt gebildet. Wenn dieser Durchschnitt zwischen 30 und 80 Prozent liegt, dann wird der ermittelte Wert verdoppelt. Anschließend erfolgt eine Begrenzung auf 80 Prozent, sofern mindestens 35 Jahre an Grundrentenzeiten vorhanden sind. Wenn die individuellen Grundrentenzeiten zwischen 33 und 35 Jahren liegen, dann wird die Begrenzung zwischen 40 und 80 Prozent gestaffelt. Der Aufschlag wird anschließend zur Stärkung des Versicherungsprinzips noch pauschal um 12,5 Prozent gemindert. Den so ermittelten Zwischenwert multipliziert man nun mit der Anzahl an Grundrenten-Bewertungszeiten (maximal 420 Monate), so dass sich die zusätzlichen Rentenpunkte ergeben. Der Wert eines solchen Punktes beträgt aktuell 34,19 Euro.

Weitere Detailinfos


Um dem großen Informationsbedarf seitens der Rentnerinnen und Rentner gerecht zu werden, hat die DRV im Internet eine spezielle Themenseite mit allen Meldungen, häufigen Fragen und konkreten Beispielen rund um die Grundrente unter http://www.deutsche-rentenversicherung.de/grundrente veröffentlicht. Weiterer Tipp: Das beiliegende VdK-Magazin „Gesundes Leben“ thematisiert ebenfalls die Grundrente und hält ein anschauliches Berechnungsbeispiel vor.

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