1. Dezember 2020
    VdK-ZEITUNG

    Hotz: „Gemeinsam packen wir die Herausforderungen!“
    Ermutigende Botschaft des neuen VdK-Landeschefs

    Liebe Mitglieder des VdK Baden-Württemberg,
    das Jahr 2020 war für uns alle ein Jahr mit nie dagewesenen Herausforderungen, Belastungen und Beschränkungen. Und die Corona-Krise geht erst mal weiter, solange kein Impfstoff zur Verfügung steht.
    Wichtig ist, dass wir jetzt nicht den Mut, die Hoffnung und die Freude verlieren!

    Im Frühjahr 2020, beim ersten Corona-Lockdown, gab es viele ermutigende Beispiele, wie man gemeinsam die Krise aktiv angehen kann, gerade auch in unserem Sozialverband VdK Baden-Württemberg. Statt über Beschränkungen zu schimpfen oder sich einzuigeln, statt frustriert oder deprimiert zu sein angesichts abgesagter Veranstaltungen und reglementierter Treffen – taten sich in vielen Ortsverbänden aktive Mitglieder zusammen, um Alltagsmasken zu nähen und Einkaufsdienste zu organisieren.

    Später halfen VdK-Vertreter bei der Durchführung von Heimbesuchen mit, desinfizierten in den Besuchsräumen Tische und Stühle. Andere begannen damit, ihre Vorstandssitzungen per Videoschalte abzuhalten. Es wurden Hygienekonzepte diskutiert und – ob bei Kreiskonferenzen oder auch bei Sommerfesten, Ausflügen und anderen örtlichen Treffen – umgesetzt.

    Landesverbandsvorsitzender Hans-Josef Hotz | © Matthias Busse

    Dies alles zeigt uns: Gemeinsames Leid ist nicht doppeltes, sondern geteiltes Leid. Zusammen kann man Krisen, welcher Art auch immer, besser meistern oder zumindest besser aushalten. Daran müssen wir auch nach Silvester denken, wenn die Corona-Pandemie ins zweite Jahr geht.

    Gerade dieses Jahr 2021 hat es in sich. Bereits für den 14. März sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg vorgesehen. Und im Herbst wird der Deutsche Bundestag turnusgemäß neu gewählt. Da ist es unstreitig unsere Aufgabe, für die Interessen unserer Mitglieder und insbesondere der Menschen mit Behinderung, der Rentnerinnen und Rentner, der Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen, aber auch der armen Menschen in Bund und Land unsere Stimme zu erheben.

    Die Armen, ganz egal ob arbeitslos oder in prekärer Beschäftigung oder mit schmaler Altersrente oder gekürzter Erwerbsminderungsrente. Sie alle sind von der Corona-Krise noch stärker betroffen, fallen doch im Lockdown gerade viele (Neben-)Jobgelegenheiten weg. Auch fehlen manchen und insbesondere vielen Älteren die digitalen Möglichkeiten zu Hause. Doch EDV-Einrichtungen kosten. Hier droht eine weitere Spaltung in der Gesellschaft. Und die „alten“ Baustellen, die wir seit Jahren monieren, wie die hohen Eigenanteile in der Pflege oder fehlender bezahlbarer Wohnraum, sind nach wie vor vorhanden.

    Als Corona noch ein Problem in China war, hatten wir Anfang 2020 eine Pressekonferenz im Landtag von Baden-Württemberg durchgeführt, um den Verantwortlichen klarzumachen „Pflege macht arm!“. Bis dahin hatten bereits über 100 000 Menschen unsere Forderungen mit ihrer Unterschrift unterstützt. Dieser Kampf ist nicht vorbei! Nach wie vor müssen wir die hohen und schnell steigenden Eigenanteile gerade für Bewohner der Pflegeheime anprangern. Auf rund 2350 Euro ist die durchschnittliche Belastung mittlerweile im Südwesten geklettert – und dies Monat für Monat! Das ist mit einer „normalen“ Rente nicht zu stemmen! Da sind Armut im Alter und entwürdigende Sozialhilfeabhängigkeit vorprogrammiert. Daher rufen wir auch im neuen Jahr das Land Baden-Württemberg dazu auf, endlich wieder zur Förderung der Investitionskosten zurückzukehren.

    So könnte in einem ersten Schritt für eine monatliche finanzielle Entlastung von mehreren Hundert Euro gesorgt werden. Und mit Blick auf die Bundestagswahl thematisieren wir die Pflegevollversicherung. Vergleichbar der gesetzlichen Krankenversicherung muss zukünftig auch die gesetzliche Pflegeversicherung umgestaltet sein. Der Anfang Oktober von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgebrachte Vorschlag, die Pflegekosten bei „700 Euro“ zu deckeln, reicht nicht. Bei genauem Hinsehen würde dies oftmals nur zu geringen monatlichen Entlastungen von 50 bis 70 Euro führen.

    Mancher wird zu unseren Pflegereformvorschlägen sagen: „Nicht finanzierbar!“. Dem setzen wir unter anderem entgegen, dass die private Pflegeversicherung bereits über 35 Milliarden Euro auf der hohen Kante hat, weshalb ein Finanzausgleich hier dringend angezeigt ist. Pflege ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da braucht es Solidarität! Dies gilt im Übrigen auch für die Bewältigung der coronabedingten Krankenkassenausgaben. Hier dürfen die Privaten ebenfalls nicht außen vor bleiben, was wir jüngst beim VdK-Landesverbandstag erneut thematisierten.

    Es gibt also weiterhin viel zu tun! Doch ich bin zuversichtlich, dass wir es gemeinsam packen. Der Blick auf die schon 75-jährige VdK-Geschichte zeigt uns, dass wir große Aufgaben angehen und zum Ziel verfolgen können. In diesem Sinne wird es auch in 2021 weitergehen! Ich wünsche Ihnen trotz allen aktuellen Problemen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit, erholsame Tage zwischen den Jahren und für das Jahr 2021 Hoffnung, Elan und eine stabile Gesundheit!

    Ihr Hans-Josef Hotz
    Landesverbandsvorsitzender

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    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
    © iStock

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